So., 14.01.2018

Vorstandschef Thomas Sterthoff lässt offen, ob der Gerichtsstreit mit der »Verbund-Volksbank OWL« weitergeht Zehn Volksbanken starten Kooperation

Thomas Sterthoff legt Wert auf die Feststellung: »In Bielefeld sind wir die Nummer 1 unter den Genossenschaftsbanken und wollen diese Position auch ausbauen.«

Thomas Sterthoff legt Wert auf die Feststellung: »In Bielefeld sind wir die Nummer 1 unter den Genossenschaftsbanken und wollen diese Position auch ausbauen.« Foto: Oliver Schwabe

Gütersloh/Bielefeld (WB). Der Namensstreit mit der »Verbund-Volksbank OWL« schwelt. »Aber wir haben noch andere Themen«, betont Thomas Sterthoff, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. Den Herausforderungen des Finanzmarktes werden zehn unabhängige regionale Genossenschaftsbanken durch engere Zusammenarbeit auf mehreren Gebieten begegnen, kündigt er im Gespräch mit Bernhard Hertlein an.

Haben Sie sich damit abgefunden, dass es zwar 19 selbstständige Volksbanken gibt in OWL, aber nur eine, und zwar die größte, die den Namen »Verbund-Volksbank OWL« trägt?

Thomas Sterthoff: Von diesen 19 Volksbanken ist die »VerbundVolksbank« nur eine. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Name nicht richtig ist. Und ich bin in dieser Meinung sogar richterlich bestätigt.

 

 

Wie das? Das Verfahren vor dem Oberlandesgericht in Hamm hat die Volksbank Bielefeld-Gütersloh verloren...

Sterthoff: Da ging es um eine einstweilige Verfügung, weil wir nach der Bewertung des Gerichts den Antrag hätten früher einreichen müssen. In der Sache erklärte der Richter laut offizieller Pressemitteilung, nach vorläufiger Einschätzung des Senats könne »die beabsichtigte Firmierung aufgrund des Zusatzes OWL bedenklich sein«. Dies wäre eine Chance gewesen, mit uns in eine Diskussion einzutreten. Die Gegenseite hat darauf verzichtet und die Namensänderung durchgeführt.

 

 

Werden Sie deshalb den gerichtlichen Weg weiterverfolgen?

Sterthoff: Darüber werden wir in Kürze entscheiden. Aus meiner Sicht haben jedoch andere Themen Priorität. Zum Beispiel die weitere Stärkung unserer genossenschaftlichen Werte in der Region. Die zehn Volksbanken aus den Kreisen Gütersloh, Herford, Minden-Lübbecke und die Volksbank Bad Salzuflen haben gemeinsame Marketingaktivitäten gestartet.

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Ziel ist es, die Selbstständigkeit der beteiligten Institute zu erhalten.

Thomas Sterthoff

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Wer sind diese zehn Volksbanken?

Sterthoff: Neben Bielefeld-Gütersloh sind dies Bad Oeynhausen-Herford, Bad Salzuflen, Halle, Ostmünsterland, Lübbecker Land, Mindener Land, Rietberg, Schnathorst und Versmold. Zusammen haben wir eine Bilanzsumme von gut elf Milliarden Euro.

 

 

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein gemeinsamer Wettbewerber dazu führt, dass die anderen sich enger zusammenschließen. Ist das eine mögliche Strategie, und welche Synergien sind auf dem Weg zu erzielen?

Sterthoff: Das ist eine gute Strategie – aber aus anderen Gründen. Die zehn Volksbanken im Herzen von OWL machen alle einen guten Job. Aber die zunehmenden Ansprüche an die Regulierung und die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, von der ich annehme, dass sie zumindest noch zwei Jahre weiter anhalten wird, fordern alle Banken heraus. Von daher gehe ich davon aus, dass sich die Kooperation unter uns, die bislang vor allem das Marketing und verschiedene vertriebliche Ansätze umfasst, noch verstärken wird, um unser genossenschaftliches Profil zu schärfen.

 

 

Damit Sie am Ende fusionieren?

Sterthoff: Im Gegenteil. Das gemeinsame Ziel ist es, die Selbstständigkeit der beteiligten Institute zu erhalten.

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Wir wollen aber auch unsere Kunden nicht vor den Kopf stoßen, in dem wir Guthaben ablehnen.

Thomas Sterthoff

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Die Fusionsgespräche von Bielefeld-Gütersloh mit Warendorf sind gescheitert. Führen Sie aktuell irgendwelche Verhandlungen über einen Zusammenschluss

Sterthoff: Nein.

 

 

Dennoch rechnen die meisten Beobachter der Finanzszene mit weiteren Fusionen. Schließen Sie aus, dass die Welle weiter geht und Bielefeld-Gütersloh am Ende auch Teil der »Verbund-Volksbank OWL« werden wird?

Sterthoff: Die Frage stellt sich nicht, und ich erwarte es nicht. Aber das Thema hängt auch an den handelnden Personen. Von daher kann und will ich das gar nicht für alle Zeiten ausschließen.

 

 

Wie hat sich die Volksbank Bielefeld-Gütersloh im Jahr 2017 geschlagen?

Sterthoff: Ordentlich. Wir haben jetzt eine Bilanzsumme von rund 4,175 Milliarden Euro und sind damit in der Spitzengruppe der deutschen Genossenschaftsbanken. Zum Zeitpunkt der Fusion von Bielefeld und Gütersloh im Jahr 2014 waren es zusammen noch 3,2 Milliarden Euro. Der Ertrag ist ordentlich und trotz unserer hohen Investitionen höher als geplant. Das Kreditgeschäft legte um sieben Prozent zu. Gestiegen sind neben den Immobiliendarlehen vor allem die Kredite an Firmenkunden, wobei der Zuwachs am Standort Bielefeld mit gut zehn Prozent überproportional ausgefallen ist. Das Einlagengeschäft, das wir eigentlich zurückführen wollten, blieb auf Vorjahresniveau. Wir wollen aber auch unsere Kunden nicht vor den Kopf stoßen, in dem wir Guthaben ablehnen. Zinsen von 0,4 Prozent berechnen wir nur von Firmenkunden und institutionellen Anlegern – ab einer Summe von 750.000 Euro.

 

 

Ihr Institut ist traditionell in Gütersloh besonders stark. Der wohl am meisten umkämpfte Bankenstandort in OWL aber ist trotz des Rückzugs der Schweizer Großbanken und der Berenberg Bank die Stadt Bielefeld. Wer ist dort auf Dauer die Nummer 1 unter den Genossenschaftsbanken?

Sterthoff: Natürlich hat die Stadt Bielefeld als Oberzentrum von OWL eine Sogwirkung auf ­Finanzinstitute aus dem In- und Ausland. Wir haben viele kommen und auch wieder gehen sehen. Die Sparkasse Bielefeld ist zum Beispiel sehr gut aufgestellt. Aber wir haben unsere Position als führende Genossenschaftsbank am Standort Bielefeld in den vergangenen drei Jahren maßgeblich gestärkt. Diesen Weg werden wir weiter gehen.

 

 

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Filialen mit nur zwei bis drei Angestellten wird es in Zukunft nicht mehr geben.

Thomas Sterthoff

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Wann werden Sie Ihre neue Zentrale in Betrieb nehmen?

Sterthoff: Im kommenden Juni. Dann werde auch ich mein Büro in Bielefeld haben.

 

 

Wie viel haben Sie in Bielefeld investiert?

Sterthoff: In unsere Zentrale allein 15,5 Millionen Euro, in die Entwicklung des umliegenden Quartiers mit Gewerbeflächen und Wohnungen insgesamt etwa 30 Millionen.

 

 

Und welche Projekte sind darüber hinaus von besonderer Bedeutung?

Sterthoff: Ein Schwerpunkt ist nicht nur die Entwicklung von Immobilienprojekten in OWL. Darüber hinaus investieren wir in den Aufbau von Kompetenzzentren.

 

 

Worum handelt es sich dabei?

Sterthoff: Um größere Geschäftsstellen, in denen wir den vollen Service der Volksbank Bielefeld-Gütersloh mit allen Spezialisten unter einem Dach anbieten. Derzeit sind es 28. Als nächstes ist das Kompetenzzentrum in Bielefeld-Schildesche geplant. In einen Umbau wie diesen investieren wir bis zu einer Million Euro. Filialen mit nur zwei bis drei Angestellten wird es in Zukunft nicht mehr geben. An ihre Stelle treten neben den Kompetenzzentren reine SB-Filialen. Deren Standorte wollen wir aber noch gezielter den Bedürfnissen und Wegen der Kunden anpassen.

 

 

Und was ist mit den traditionellen Volksbank-Kunden, die weder mobil noch im Internet aktiv sind?

Sterthoff: Für sie gibt es schon seit einigen Jahren unseren gut angenommenen mobilen Service. Nach Absprache mit dem Kunden kommen unsere Mitarbeiter ins Haus, bringen Bargeld und nehmen Überweisungsaufträge entgegen.

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