Mi., 10.01.2018

Heute vor 100 Jahren starb Firmengründer Dr. August Oetker Ein Apotheker revolutioniert das Backen

Porträtfoto des Firmengründers Dr. August Oetker aus dem Jahr 1910. Der promovierte Apotheker war zu diesem Zeitpunkt 48 Jahre alt. Acht Jahre später, heute vor 100 Jahren, starb er.

Porträtfoto des Firmengründers Dr. August Oetker aus dem Jahr 1910. Der promovierte Apotheker war zu diesem Zeitpunkt 48 Jahre alt. Acht Jahre später, heute vor 100 Jahren, starb er.

Bielefeld (WB/ef). Seine Tatkraft und sein Erfindungsreichtum waren der Grundstein für ein heute weltweit erfolgreiches Unternehmen. Der Apotheker Dr. August Oetker entwickelte vor 125 Jahren die Rezeptur des Backpulvers maßgeblich weiter – und revolutionierte damit das Backen. Vor 100 Jahren, am 10. Januar 1918, starb der Firmengründer.

Den vielleicht entscheidenden Moment von August Oetkers »Erfindung« hat ein Zeitzeuge – der Bäckermeister Eduard Müller – einmal so beschrieben: »Eines Tages war Dr. August Oetker zu meinem Vater in die Backstube gekommen. In seiner Tasche hatte er mehrere Papiertüten mit einem geheimnisvollen Pulver mitgebracht. Was das für ein Pulver war, wurde mir nicht gesagt. Aber ich fand bald heraus, dass es ein neuartiges Triebmittel sein musste, das den Kuchenteig besser auflockern sollte, als es bis dahin mit Hefe oder Hirschhornsalz möglich war.«

Die Aschoff’sche Apotheke in Bielefeld (1891)

Durchbruch mit 31 Jahren

Weiter berichtete Eduard Müller, dass es mehrere Wochen gedauert habe, bis die Proben zur Zufriedenheit von Oetker ausfielen. »Ich kann mich noch gut daran erinnern, mit welcher Zielstrebigkeit er sich um eine optimale Zusammensetzung seines Backpulvers bemühte. Er ließ sich weder durch anfängliche Fehlschläge entmutigen noch durch die Skepsis, mit der mein Vater und auch ich zunächst seine Versuche in unserer Bäckerei verfolgten.« Der Durchbruch gelang ihm schließlich im Alter von 31 Jahren.

August Oetker wurde am 6. Januar 1862 geboren. Er entstammt einer Bäckerfamilie aus Obernkirchen im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen. Nach dem Abitur und einer Apothekerlehre, studierte er vier Semester Naturwissenschaften in Berlin. Anschließend promovierte er in Freiburg im Breisgau über ein botanisches Thema. 1888 bestand er seine Doktorprüfung und wenig später fand er auch sein privates Glück.

Ziel: Erwerb einer Apotheke

Am 20. März 1889 heiratete August Oetker Caroline Jacobi, die er während seiner Zeit als Apothekergehilfe in Hanau kennengelernt hatte. Das Ehepaar zog zunächst nach Charlottenburg. Dort kam am 17. November 1889 ihr Sohn Rudolf zur Welt und dort beteiligte sich Dr. August Oetker an einer Firma, die Einrichtungen für chemische Fabriken und Apotheken herstellte.

Dr. Oetkers Backpulvertüte – links im Jahr 1893, rechts die Gestaltung von heute. Der Inhalt des Päckchens war für ein Pfund Mehl gedacht. Oetker machte das Backen dadurch deutlich einfacher

Der gelernte Apotheker hatte jedoch ein besonderes Ziel – den Erwerb einer eigenen Apotheke. So ergriff er Ende des Jahres 1890 die Chance, eine Apotheke in Bielefeld zu erwerben. Die Übernahme der Aschoff’schen Apotheke am 1. Januar 1891 gilt heute als Gründungsdatum des Nahrungsmittelunternehmens Dr. Oetker. Schon bald sollte sich auch sein zweiter Wunsch verwirklichen: die Schaffung eines besonderen Produkts.

Grundstein für den Erfolg

Unmittelbar nach der Übernahme der Apotheke entwickelte Oetker in seiner »Geheimbutze«, wie er das Laboratorium liebevoll nannte, verschiedene Arzneimittel. Dort wandte er sich immer intensiver der Erforschung des Backpulvers zu. In einer benachbarten Bäckerei an der Obern­straße unternahm er erste Backversuche. 1893 gelang ihm schließlich der Durchbruch mit einer damals sensationellen Neuerung.

Aufgrund der Qualität der eingesetzten Rohstoffe und des genauen Mischungsverhältnisses erzielte er mit seinem Backpulver stets perfekte Backergebnisse. Das Pulver, das er Backin nannte, portionierte er in kleine Tütchen, abgepackt für jeweils ein Pfund Mehl, und garantierte, dass jeder damit hergestellte Kuchen gelingt. Es zeigte sich schon bald, dass in August Oetker nicht nur ein innovativer Wissenschaftler, sondern auch ein hervorragender Unternehmer steckte.

 

Tüftler und Werbestratege

Um sein Produkt bekannt zu machen, versah es Dr. August Oetker mit seinem Namen als Garant bester Qualität – einer der ersten Markenartikel des Landes war geboren. Früh erkannte und nutzte der Firmengründer die Möglichkeiten der Werbung. Er entwickelte Rezepte, annoncierte sie in Zeitungen und verschickte sie zusammen mit einer Probe Backin an Interessenten.

Der Erfolg bestätigte die Idee und weitere Produkte wie Puddingpulver, Aromen und Speisestärke folgten. Die Absatzzahlen des Unternehmens nahmen stetig zu, weshalb August Oetker im Mai 1900 gemeinsam mit seinen Mitarbeitern in einen Fabrikneubau an der Bielefelder Lutterstraße zog. Noch heute befindet sich dort der Stammsitz des Familienunternehmens. Einige Jahre später wagte der Firmengründer erste Schritte in ausländische Märkte. 1908 gründete er eine ausländische Niederlassung in Baden bei Wien. Sie war sein erster Produktionsbetrieb außerhalb des Deutschen Reichs.

 

Ausgeprägter Familiensinn

Seine Firma führte August Oetker stets als Familienunternehmer. Schlüsselpositionen besetze er – wenn möglich – mit Mitgliedern der Familie, in denen er loyale und fähige Mitarbeiter sah. 1904 übertrug er etwa die Leitung des Labors seinem Bruder Dr. Eduard Oetker. Seine Entscheidungen richtete der Firmengründer am langfristigen Erfolg seines Unternehmens aus – nicht am kurzfristigen Gewinn. »Auf diese Weise legte er den Grundstein für die Philosophie und die Werte des heutigen Nahrungsmittelunternehmens Dr. Oetker«, heißt es heute im Unternehmen. Auch die nachfolgenden Familiengenerationen hätten es als Auftrag verstanden, eine auf Langfristigkeit ausgerichtete Unternehmens­strategie zu verfolgen.

 

Soziales Engagement

Als Vereinsmitglied förderte August Oetker unter anderem den 1908 gegründeten Naturwissenschaftlichen Verein für Bielefeld und Umgebung sowie das Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie mit großzügigen Zuwendungen. In Anerkennung seiner Verdienste für die Wissenschaft und die Gesellschaft erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Hierzu zählt der ihm für sein gewachsenes Ansehen und seine gemeinnützigen Bestrebungen im Jahr 1913 verliehene Titel Kommerzienrat.

1917 erkrankte August Oetker schwer. Da sein einziger Sohn Rudolf 1916 in der Schlacht vor Verdun gefallen war, sollte sein Enkel Rudolf-August Oetker das Unternehmen einmal fortführen. August Oetker starb am 10. Januar 1918 im Alter von 56 Jahren in Bielefeld. Er hinterließ ein Unternehmen, das damals trotz der Folgen des Ersten Weltkriegs in Europa zu den bedeutendsten seiner Art gehörte.

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