Do., 18.01.2018

Unwetterwarnung: Bürger sollen Waldgebiete, Parkanlagen und Friedhöfe meiden - vier Tote in Deutschland - erhebliche Schäden in Ostwestfalen Orkantief »Friederike«: Zugverkehr in NRW eingestellt, Auswirkungen in OWL

Bei Bad Lippspringe muss die B1 wegen eines umgestürzten Baumes gesperrt werden.

Bei Bad Lippspringe muss die B1 wegen eines umgestürzten Baumes gesperrt werden. Foto: Jörn Hannemann

Bielefeld/Paderborn/Herford/Bad Oeynhausen/Höxter/Münster (WB/dpa). Der Deutsche Wetterdienst hat für ganz Nordrhein-Westfalen eine Unwetterwarnung ausgesprochen. Mit Sturmböen von bis zu 130 Kilometern pro Stunde fegt Orkantief »Friederike« auch über Ostwestfalen-Lippe hinweg.

Sturm fordert sechs Tote

Bei dem Orkan sind im Bundesgebiet sechs Menschen gestorben. In Emmerich-Elten am Rhein wurde laut Polizeiangaben ein 59-Jähriger auf einem Campingplatz von einem Baum erschlagen.

In Soest wurde ein Mann bei einem Verkehrsunfall getötet. Er soll die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren haben und in den Gegenverkehr geraten sein. Nach Polizeiangaben stieß der 68-jährige aus Geseke mit seinem Wagen mit einem Lastwagen zusammen und war sofort tot. Das dritte Todesopfer aus NRW ist ein Feuerwehrmann aus dem sauerländischen Sundern, der beim Sturmeinsatz ums Leben kam. 

In Bad Salzungen in Thüringen wurde zudem ein Feuerwehrmann von einem umstürzenden Baum getötet. 

Züge fahren nicht mehr

Pendler und Bahnreisende müssen sich auf zahlreiche Ausfälle und massive Verspätungen einstellen. Die Deutsche Bahn hat am Donnerstag den Zugverkehr bis auf Weiteres eingestellt. Am Nachmittag hieß es von Seiten des Unternehmens, dass der Zugverkehr wohl frühestens am Freitagvormittag wieder aufgenommen werden kann.

Die Deutsche Bahn hat den Fernverkehr wegen des Orkantiefs »Friederike« am Nachmittag bundesweit eingestellt. Züge würden aus Sicherheitsgründen nicht mehr losfahren, sagte ein Bahnsprecher der dpa. Züge, die noch unterwegs seien, sollten aber soweit möglich bis zum Zielbahnhof fahren. Wie lange die Sperrung dauert, ist unklar.

Bielefelder sollen Waldgebiete, Tierpark und Friedhöfe meiden

 Aufgrund der aktuellen Wetterlage mit möglichen Orkanböen bittet der Bielefelder Umweltbetrieb die Bielefelder Bürger , die Waldgebiete, den Tierpark, die Friedhöfe sowie Parks und Grünanlagen zu meiden. Nicht nur Olderdissen bleibt geschlossen, auch der Allwetterzoo in Münster meldet, dass das Gelände für Besucher am Donnerstag geschlossen bleibt.

In Senne ist eine Autofahrerin lebensgefährlich verletzt worden, als ein Baum auf der Buschkampstraße auf ihren fahrenden Wagen fiel. Auf der Lämershagener Straße ist ein Bielefelder verletzt worden, als ein Baum auf sein Auto stürzte. Vier Menschen saßen in dem Wagen.

Einsatz am Alten Rathaus in Bielefeld. Foto: Louis Ruthe

Der Innenhof des Rathauses ist von der Feuerwehr abgesperrt. Die Feuerwehr teilt mit, dass sich aber nur Dachpfannen auf fünf Quadratmetern gelöst haben. Das Dach droht also nicht mehr herunterzustürzen.

Neben dem Innenhof ist auch der Bereich rund um das Alte Rathaus abgesperrt. Auch das Finanzamt hat seine Mitarbeiter nach Hause geschickt. Dort steht ein großes Gerüst für die Fassadenarbeiten. Bis 14 Uhr zählte die Bielefelder Feuerwehr 200 Einsätze.

Wegen des Sturms fallen auch die für Donnerstag geplanten Sitzungen der Bezirksvertretungen in Mitte, Gadderbaum und Stieghorst aus. Die Sitzungen in Schildesche und Senne finden wie geplant statt.

 

Unterdessen wurden die Bergstraßen aus Sicherheitsgründen gesperrt. An der Spindelstraße hat die Feuerwehr das Areal um das achtstöckige Haus abgesperrt. Dort droht das Flachdach herunterzustürzen. Es drohen Dachpappe und Dämmmaterial herunterzufallen.

Die Bewohner wurden gebeten, auch Sicherheitsgründen im Haus zu bleiben. Das Haus darf niemand betreten. Die Feuerwehr hat einen Teil der Spindelstraße gesperrt.

Unterdessen sind bereits einige Bäume auf Straßen gestürzt – unter anderem auch auf der Schloßhofstraße. Auch nach Abflauen des Sturmtiefs Friederike muss mit abbrechenden Ästen und umstürzenden Bäumen gerechnet werden. Das gelte auch für die kommenden Tage.

Stadtbahnen verkehren eingeschränkt

In Bielefeld gibt es erhebliche Probleme im Bus und Bahnverkehr. Die Stadtbahnlinie 2 verkehrt derzeit nur zwischen der Endhaltestelle Sieker und der Haltestelle Schüco, da auf dem Streckenabschnitt nach Altenhagen ein Baum auf die Gleise gestürzt ist.

Auch die Linie 3 verkehrt nur eingeschränkt, da ein umgestürzter Baum die Strecke auf der Jöllenbecker Straße blockiert. Die Buslinien in Sennestadt und Bethel verkehren nur eingeschränkt, auch andere Buslinien können durch die Sperrung der Bergstraßen nicht fahren.

IG Metall sagt Warnstreik in Paderborn ab

Für den Kreis Paderborn hat Wetterdienst eine Sturmwarnung mit Orkanstärke von 110 bis 140 km/h angekündigt.

Ein Baum blockiert die Fahrbahn in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Konsequenzen aus der Sturmwarnung hat auch die IG Metall gezogen: Die Warnstreikdemonstrationen und die zentrale Kundgebung vor der Herz-Jesu-Kirche wurden abgesagt. »Die Sicherheit und Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen sollen nicht riskiert werden«, berichtet die Gewerkschaft.

Die Gartenschau in Bad Lippspringe wurde ebenfalls aus Sicherheitsgründen geschlossen. »Wir bitten um Verständnis für diese Maßnahme, aber die Sicherheit der Besucher hat absoluten Vorrang«, erläutert Geschäftsführer Ferdinand Hüpping. Auch am Freitag, 19. Januar, wird die Gartenschau geschlossen bleiben.

Auch die Stiftung Kloster Dalheim, LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, muss Donnerstag schließen. Sowohl das Museum als auch das Klosterwirtshaus sind demnach nicht für Besucher zugänglich.

Auch am  Flughafen Paderborn war die Situation angespannt.

Gegen Mittag erreichte der Orkan im Kreis Paderborn seinen Höhepunkt. An einer Windkraftanlage von Westfalenwind bei Büren-Weiberg wurden um kurz vor 13 Uhr Windgeschwindigkeiten von 45 Metern pro Sekunde gemessen. »Das enspricht knapp 165 Stundenkilometern«, sagte Unternehmenssprecher Daniel Saage.

Schulen schließen früher

Einige Schulen in OWL schließen heute früher: Für die knapp 400 Schüler der Grundschule Enger-Mitte endet der Unterricht nach der vierten Stunde um 11.35 Uhr. Die Betreuung für den offenen Ganztag findet wie gewohnt statt.

Die Schüler der weiterführenden Schulen in Schloß Holte-Stukenbrock und Verl können ebenfalls nach der vierten Stunde nach Hause gehen.  Bereits nach der zweiten Stunde ist Schulschluss für die Grundschüler in Rietberg, im Rietberger Schulzentrum endet der Unterricht nach der dritten Stunde.

   Die Stadt Rahden hat in Abstimmung mit den Grund- und weiterführenden Schulen den Schulschluss in der Regel auf 13.10 (nach der sechsten Stunde) festgelegt. »Das ist mit den Schulen so abgesprochen. Lediglich die Grundschule Tonnenheide beendet den Unterricht bereits nach der fünften Stunde«, sagte die Sachgebietsleiterin für Bildung bei der Stadt Rahden, Anne Benker. Auch in Stemwede entschloss die Stemweder-Berg-Schule (Sekundarschule), den regulären Ganztags-Unterricht nach fünften beziehungsweise sechsten Stunde zu beenden und die Schüler nach Hause zu entlassen.

Das Wittekind-Gymnasium und die Stadtschule Lübbecke werden den Unterricht nach der sechsten Stunde (13 Uhr bzw. 12.50 Uhr) beenden. Die übrigen Schulen trafen Vorkehrungen für eine geordnete Abholung sowie eine mögliche Versorgung und Betreuung der Schüler über Unterricht und Ganztagsbetreuung hinaus, falls aufgrund der Verkehrslage eine Heimfahrt beziehungsweise Abholung der Schüler behindert sein sollte. Allen Eltern ist überdies grundsätzlich freigestellt, ihre Kinder vorzeitig aus dem Unterricht abzuholen. Die Schulen sind angewiesen, keine Kinder allein nachhause gehen zu lassen.

Straßen gesperrt in Bünde

Auf Grund der Sturmwarnungen lässt die Bünder Stadtverwaltung die »Gerhart-Hauptmann-Straße« im Abschnitt Borriesstraße und Wasserbreite für den Verkehr ab sofort bis Freitagmorgen, 8 Uhr, komplett sperren.

In Herford-Laar wurde ein Lkw vom Orkan umgeworfen. Foto: Oliver Schwabe

In dieser Zeit ist keine Befahrung des betroffenen Straßenabschnittes der Gerhart-Hauptmann-Straße möglich. Eine Umleitung wird ausgeschildert. An der Straße befindet sich ein maroder Industriekomplex, das so genannte Cordes-Gebäude. Bereits vor einiger Zeit war der Bereich wegen heftiger Sturmböen gesperrt worden, da die Gefahr bestand, dass sich Ziegel vom Dach lösen und auf die Fahrbahn krachen.

Ortskundige Verkehrsteilnehmer werden gebeten, den gesperrten Bereich – soweit möglich – zu umfahren.

 

Nur noch B239 und L557 über das Wiehengebirge passierbar

Der Kreis Minden-Lübbecke sperrt in Absprache mit der Verkehrsbehörde und der Feuerwehr die K 60 Kahle-Wart-Weg zwischen Obermehnen und Oberbauerschaft aus Verkehrssicherheitsgründen. Wegen der aktuellen Sturmwarnung besteht die Gefahr, dass Bäume umstürzen könnten.

Aus dem gleichen Grund wird die Bergstraße K 79 zwischen Börninghausen und Preußisch Oldendorf gesperrt. Auch L803 (Lübbecke-Nettelstedt und Hüllhorst-Schnathorst) wurde gesperrt.

Damit sind im Altkreis Lübbecke nur noch die B239 (Berliner Straße in Lübbecke) und die L557 (Bünder Straße in Preußisch Oldendorf-Bad Holzhausen) über das Wiehengebirge für den Autoverkehr passierbar.

Hallendach in Bad Oeynhausen eingestürzt

Bei der Firma PS Produktionsservice in Bad Oeynhausen ist in Folge des Sturms ein Hallendach auf einer Fläche von etwa 500 Quadratmetern eingestürzt. Auch eine Seitenwand wurde eingedrückt.

Einen Personenschaden gab es laut Einsatzkräften nicht. Die Halle müsse aber abgerissen werden.

Mindener Straße in Vlotho gesperrt

In Vlotho gab es bis Donnerstagvormittag 25 Feuerwehreinsätze in allen Ortsteilen. Die Mindener Straße und die Bäderstraße mussten wegen mehrerer umgestürzter Bäume gesperrt werden.

Schüler im Kreis Höxter werden früher nach Hause geschickt

 An vielen Schulen im Kreis Höxter ist am Donnerstagvormittag der Unterricht frühzeitig beendet worden . In Höxters Schulzentrum ist der Nachmittagsunterricht komplett abgesagt worden. Die Ganztagseinrichtungen bleiben aber geöffnet.

Stadtpressesprecherin Sabine Hasenbein sagte, dass die Schulbusse für die Lüchtringer Schüler auf 12.15 Uhr vorgezogen worden seien, auch weil der Zugverkehr auf der Strecke Brakel-Höxter-Lüchtringen-Holzminden komplett von der Nordwestbahn eingestellt worden sei.

Die Ottberger und Godelheimer Schüler würden um 12.40 Uhr per Bus transportiert. Im Schulzentrum staute sich ab 12 Uhr der Autoverkehr, weil viele Eltern ihre Sprösslinge abholten, einige dafür sogar ihre Arbeit spontan unterbrachen.

Mehrere Stromausfälle

Sturmtief Friederike hat auch für Stromausfälle gesorgt. »Betroffen sind vor allem Lämershagen, das Gebiet rund um Peterauf’m Berge, dazu  Steinhagen und Werther «, teilte Sprecherin Lisa Schöninger mit. Ursache der Störungen waren Bäume, die vor allem in Waldgebieten auf Freileitungen gefallen waren. Wie viele Haushalte betroffen waren, war am Nachmittag noch nicht genauer zu sagen.

Der Störungsdienst war sofort im Einsatz, allerdings war es auch für die Stadtwerke-Mitarbeiter teilweise gefährlich, in die betroffenen Gebiete hineinzugehen. Ausdrücklich sprachen die Stadtwerke eine Warnung aus: Wer eine beschädigte Freileitung oder Kabel auf dem Boden sehe, sollte sie auf keinen Fall berühren oder womöglich aus Gehölzen herausziehen: »Dann besteht Lebensgefahr: Die Leitungen können noch unter Strom stehen!«

Zwei Feuerwehrleute aus Halle (Kreis Gütersloh) sind in ihrem Fahrzeug beim Einsatz von umstürzenden Tannen leicht verletzt worden. Der Löschzug war zu einem Waldstück am Fuß des Teuto beordert worden, wo bereits mehrere hohe Tannen umgestürzt waren und die Straße Berghagen blockierten. Auf das vor dem Hindernis haltende Fahrerhaus des Mehrzweckfahrzeugs stürzten in diesem Moment weitere Bäume. Beide Kameraden konnten sich selbst aus dem Führerhaus und dem Gestrüpp befreien. Erst gegen 18 Uhr gelang es der Wehr unter Einsatz eines Radladers, das stark beschädigte Fahrzeug zu sichern.

 

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