Fr., 26.01.2018

Lärm wird unterdrückt, Kommunikation bleibt möglich – mit 627.000 Euro gefördert FH entwickelt Gehörschutz von morgen

Sind überzeugt von ihrem Projekt: von links Dekan Prof. Dr. Lothar Budde, Tobias Lehmann, Dennis Kaupmann, Timo Kölling, Joel Sprenger und Mentor Prof. Joachim Waßmuth mit dem Dummy für die ersten Tests. Zweiter betreuender Mentor des Gründungsprojektes ist Prof. Dr. Axel Schneider. Seit 2012 wird am Institut für Systemdynamik und Mechatronik der FH im Bereich der aktiven Störschallkompensation geforscht.

Sind überzeugt von ihrem Projekt: von links Dekan Prof. Dr. Lothar Budde, Tobias Lehmann, Dennis Kaupmann, Timo Kölling, Joel Sprenger und Mentor Prof. Joachim Waßmuth mit dem Dummy für die ersten Tests. Zweiter betreuender Mentor des Gründungsprojektes ist Prof. Dr. Axel Schneider. Seit 2012 wird am Institut für Systemdynamik und Mechatronik der FH im Bereich der aktiven Störschallkompensation geforscht. Foto: Sabine Schulze

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Simpler Gehörschutz in lauten Werkhallen oder auf Baustellen war gestern: An der Fachhochschule Bielefeld wird der Gehörschutz von morgen entwickelt. Er ist kleiner, unterdrückt Lärm und lässt Gespräche zu, und als i-Tüpfelchen gibt’s von »Hea²r« Informationen aufs Ohr.

Hea²r steht für »Headset for Augmented Auditive Reality« und hat die Arbeitswelt im Blick. Das Projekt ist am Institut für Systemdynamik und Mechatronik (Isym) der FH angesiedelt. Dort, erläutert Isym-Leiter Prof. Dr. Joachim Waßmuth, wird im Bereich der »Human-Mechatronik« geforscht, an Systemen, die den Menschen unterstützen und ihn schützen. Hea²r wird im Rahmen des Förderprogrammes »Exist« für 18 Monate von Bundesforschungsministerium und EU mit 627.000 Euro unterstützt. Am Ende soll dann eine Ausgründung stehen.

Die Gründer sind »Eigengewächse« der FH, wie Prof. Dr. Lothar Budde, Dekan des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik, stolz sagt. Er hofft, dass das Beispiel von Projektleiter Tobias Lehmann und Entwicklungsleiter Dennis Kaupmann Nachahmer findet. Mit Softwareentwickler Timo Kölling und Wirtschaftsingenieur Joel Sprenger haben sie sich bereits zwei weitere FH-Absolventen ins Team geholt.

Lehmann ordnet ihr Projekt ein: »11,1 Millionen Menschen in Deutschland sind schwerhörig, 56 Prozent aller Berufskrankheiten im metall- und holzverarbeitenden Gewerbe werden verursacht durch Lärm.« Das kostet die Volkswirtschaft jedes Jahr mehr als 2,6 Milliarden Euro.

»Natürlich gibt es Gehörschutz in Form von großen Kopfhörern. Aber die sind schwer, schlecht über einem Helm zu tragen und unterdrücken jedes Geräusch, also auch die Kommunikation unterein­ander«, erläutert Lehmann. Deswegen wird dieser Hörschutz oft eher um den Nacken statt auf den Ohren getragen. »Suboptimal«, lautet das kurze Urteil.

»Hea²r« soll besser sein: »Unser Hörschutz wird wie ein Headset aussehen und ist ein neues, technisch intelligentes System«, erläutert Kaupmann. Ohrstöpsel, die an eine Recheneinheit angebunden sind, verschließen den Gehörgang; Störlärm wird herausgefiltert, Gespräche allerdings werden dank der klugen Software »durchgelassen«. Und weil die Ohrmuschel unbedeckt ist, bleibt auch die Richtfunktion erhalten: Das Hörgefühl ist dreidimensional.

Das ist aber noch längst nicht alles: Die FH-Entwicklung bietet Assistenzfunktionen, die auf die Bedürfnisse eines Unternehmens abgestimmt werden. »Es können so Arbeitsanweisungen gegeben werden oder Informationen, wenn an einer Maschine der Betriebsstoff fehlt oder es Probleme im Produktionszyklus gibt«, erklärt Kaupmann an Beispielen.

Derzeit arbeiten die Ingenieure mit zwei regionalen Unternehmen zusammen. Zunächst werden sie an einem normgerechten »Dummy« ihre Entwicklung testen, dann wird sie in den beiden Unternehmen eingesetzt. Und natürlich sollen am Ende ein Patent und die Entwicklung eines eigenen Unternehmens stehen.

Projektstart war im November, schon jetzt sind die Gründer überzeugt, den Zeitrahmen von anderthalb Jahren einzuhalten. Sie hoffen, dass sich weitere interessierte Unternehmen finden – auch wenn ihr Gehörschutz teurer sein wird als herkömmliche Modelle. »Aber er bietet auch mehr, steigert damit die Produktivität und wird sicherlich besser akzeptiert«, sind Lehmann und Kaupmann überzeugt.

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