Do., 08.02.2018

Trinkerszene pöbelt auch in Brackweder Wohnhaus Treppenplatz-Randale weiten sich aus

Ärger und Zerstörung an der Magdeburger Straße: Um der berüchtigten Trinkerszene vom Brackweder Treppenplatz das Handwerk zu legen, müssten die von Bielefeld neu eingesetzten Stadtwächter ihre Streifzüge wohl auf das Umland ausdehnen.

Ärger und Zerstörung an der Magdeburger Straße: Um der berüchtigten Trinkerszene vom Brackweder Treppenplatz das Handwerk zu legen, müssten die von Bielefeld neu eingesetzten Stadtwächter ihre Streifzüge wohl auf das Umland ausdehnen. Foto: Markus Poch

Von Markus Poch

Bielefeld (WB). Der anfängliche Unmut über nächtliche Ruhestörung war bei mehreren Nachbarn längst in blanke Angst und Schlafprobleme umgeschlagen. Doch für die 47 betroffenen Mietparteien in einem Wohnhaus an der Magdeburger Straße in Brackwede zeichnen sich jetzt bessere Zeiten ab: Einer rücksichtslosen Mieterin, die Kontakte zur Trinkerszene vom Treppenplatz pflegt, ist fristlos gekündigt worden.

Sowohl Alkohol-Orgien als auch Rangeleien im Treppenhaus und in der Wohnung der 44-jährigen Mieterin müssen der Kündigung seit Dezember 2017 vorausgegangen sein: 18 bestätigte Polizei-Einsätze seit Anfang 2017, die meisten davon im Dezember 2017 und Januar 2018, sprechen für sich.

Laut Polizeisprecher Michael Kötter wurden mehrere Platzverweise ausgesprochen und zwei Strafanzeigen wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung aufgenommen, allerdings nicht gegen die auffällige Mieterin persönlich. In Dutzenden mündlicher und schriftlicher Beschwerden äußerten verschiedene Hausnachbarn ihr Unbehagen zur aktuellen Wohnsituation.

Sie klagten über Pöbeleien, Bedrohungen und laute Musik, die mitten in der Nacht alle acht Etagen durchdringt, über Klingelattacken an den Haustüren, zerschlagene Scheiben, Lampen und Flaschen, Schmierereien an den Wänden sowie Müll und Exkremente in den Gängen. Das Ziel war, die einzelne Mieterin und damit ihren bis zu zehn Personen starken Freundeskreis vom nahen Treppenplatz loszuwerden, um den Hausfrieden wieder herzustellen.

Haus gehört dem evangelischen Gemeindeverband

Das 1973 erbaute Haus an der Magdeburger Straße gehört dem evangelischen Gemeindeverband Brackwede, wird aber in dessen Auftrag vom evangelischen Kirchenkreis Gütersloh verwaltet. Sämtliche Beschwerden, zum Teil mit Fotos und Unterschriftenlisten angereichert, liefen beim zuständigen Kreiskirchenamt Gütersloh ein, wurden dort aus Sicht der betroffenen Mieter aber wochenlang nicht sonderlich beachtet. Nächtliche Polizei-Einsätze konnten für den Augenblick helfen, nicht aber die zunehmende Verunsicherung der Bewohner und das Problem an sich stoppen.

»Wir fühlten uns von allen im Stich gelassen«, sagte eine 75-jährige Frau dem WESTFALEN-BLATT. »Das letzte, was die Bande am 23. Januar gemacht hat, war für mich die Hölle: Zuerst, um 2.30 Uhr, klingelte es an den Haustüren. Dann war es eine Weile still, und dann hörte ich einen fürchterlichen Knall. Da hatten sie die Glastür zwischen Foyer und Treppenhaus eingeschlagen.« Das Schlimmste aber sei: »Jeden Abend geht man ins Bett und denkt: Mein Gott, was passiert heute Nacht bloß wieder?«

Nach Informationen dieser Zeitung ist die 44-jährige Frau psychisch krank, war deswegen auch schon in Bethel in Behandlung. Weder mit ihr selbst, noch mit ihrer Betreuerin, einer Rechtsanwältin, habe man konstruktiv reden können, beteuern drei Nachbarn, die aus Angst vor der Frau und ihren Trinkerfreunden anonym bleiben wollen. Etliche Versuche, sich anzunähern, seien gescheitert. Sie seien dafür noch beleidigt und bedroht worden.

Betreuerin bezweifelt Schuld der Frau

Die verantwortliche Betreuerin indes bezweifelt, dass die beschuldigte Frau tatsächlich Schuld hat an Lärmbelästigung und Sachbeschädigung. Sie bezweifelt auch deren Kontakte zur Trinkerszene und sagt: »Das alles ist ihr nicht nachzuweisen. Und so lange das nicht bewiesen ist, gilt die Unschuldsvermutung.«

Die genervten Mieter setzten schließlich ein weiteres Schreiben ans Kreiskirchenamt auf, in dem sie mit Mietminderung drohten, falls sich die Lage bis zum 15. Februar nicht verbessert. Abteilungsleiter Fabian Adler hatte zwischenzeitlich den Ernst der Lage erkannt und den Anwalt Johann Wegener eingeschaltet. Der formulierte die fristlose Kündigung an die beschuldigte Frau: »Ruhe und Frieden können erst wieder einkehren, wenn Sie das Haus verlassen haben«, heißt es darin. »Nächste Woche werden wir eine Räumungsklage einreichen, wenn die Frau nicht bis zum 9. Februar ausgezogen ist«, sagte Wegener auf Anfrage. »Ich habe viele Räumungsklagen gemacht. Was da an der Magdeburger Straße passiert, muss schnell bereinigt werden.«

»Dass unsere Mieter zufrieden sind, ist uns wichtig«, betont Fabian Adler vom Kreiskirchenamt. Die Mieter würden sich freuen, wenn er sie das auch dadurch spüren ließe, dass die Sachbeschädigung endlich repariert wird.

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