Do., 15.02.2018

Neues Konzept für umweltfreundlichen Lieferverkehr – FH beteiligt Die frischen Brötchen kommen mit dem Elektroauto

Sie wollen den innerstädtischen Lieferverkehr umweltfreundlicher (und elektrischer) gestalten (von links): Prof. Dr. Jens Haubrock, Dr. Peter Westerbarkey (Westaflex), Stefanie Balzareg (Archimedes) und Stefan Lechtermann mit Elektroauto, moderner Ladesäule und einem Lieferfahrzeug für Brot und Kuchen, das noch mit Dieselkraftstoff unterwegs ist.

Sie wollen den innerstädtischen Lieferverkehr umweltfreundlicher (und elektrischer) gestalten (von links): Prof. Dr. Jens Haubrock, Dr. Peter Westerbarkey (Westaflex), Stefanie Balzareg (Archimedes) und Stefan Lechtermann mit Elektroauto, moderner Ladesäule und einem Lieferfahrzeug für Brot und Kuchen, das noch mit Dieselkraftstoff unterwegs ist. Foto: Sabine Schulze

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Acht Lieferwagen fahren für die Lechtermann-Pollmeier-Bäckereien von morgens 4 bis etwa 11 Uhr die 36 Filialen an. Danach stehen sie bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages still. »In dieser Zeit könnten die Lieferfahrzeuge, wenn sie elektrifiziert wären, wunderbar aufgeladen werden«, sagt Stefan Lechtermann.

Das Bäckereiunternehmen ist Partner eines neuen Projektes, das am Mittwoch an der Fachhochschule Bielefeld vorgestellt wurde: »Fit2Load« will ein umweltfreundliches Mobilitätskonzept für Filiallieferverkehr entwickeln. Das Projekt ist zu Jahresbeginn angelaufen und wird mit 1,5 Millionen Euro vom Land und einem EU-Fonds für regionale Entwicklung gefördert.

Mit im Boot sind neben dem FH-Forschungsschwerpunkt »Intelligente technische Energiesysteme« das Herforder Unternehmen Archimedes, Spezialist für den ganzheitlichen Betrieb komplexer Gebäude und die Netzintegration von E-Mobilität, sowie der Haustechnik-Hersteller Westaflex aus Gütersloh, der die Ladesäulen stellen wird. Die praktische Umsetzung und Erprobung des Mobilitätskonzeptes wird bei Lechtermann-Pollmeier erfolgen.

»Bis 180 Kilometer pro Tag müssen Lieferfahrzeuge zurücklegen können«

»150 bis 180 Kilometer pro Tag müssen unsere Lieferfahrzeuge sicher zurücklegen können«, sagt Geschäftsführer Stefan Lechtermann. Noch sind sie mit Dieselkraftstoff unterwegs und verbrauchen jedes Jahr 35.000 bis 40.000 Liter. Künftig sollen die Lieferwagen »Stromer« sein.

Und nicht nur das: Das Unternehmen, das seine »Backstube« in Vilsendorf hat, will auch ein Blockheizwerk in Betrieb nehmen und soweit wie möglich Photovoltaikanlagen installieren – unter anderem über den Mitarbeiter-Parkplätzen. »Da hätten sie zugleich eine Funktion als Carport«, sagt Lechtermann.

36 Prozent der Stroms werde derzeit aus erneuerbaren Energien gewonnen, fünf Prozent des Autoverkehrs werde durch »Erneuerbare« bewegt, sagt FH-Prof. Dr. Jens Haubrock. Dabei machen Biodiesel und Ethanol noch einen großen Anteil aus: Elektrisch sind derzeit 1,6 Prozent der Fahrzeuge in Deutschland unterwegs. In Norwegen sind bereits 39 Prozent der Neuzulassungen E-Autos.

Eigene Ladesäulen

Dafür würde in Deutschland das Netz von Ladestationen aber bei weitem nicht ausreichen. Es braucht mehr – und es braucht eine intelligente Ladesteuerung, sagt Archimedes-Geschäftsführer Dr. Thomas Wehlage. Denn das Aufladen von Fahrzeugen verlangt viel Energie. »Zwei Renault Zoe, die eine maximale Ladeleistung von 22 Kilowatt haben, ans Netz angeschlossen – und in einem Privathaus geht das Licht aus.«

Bei Lechtermann-Pollmeier werden daher eigens Ladesäulen installiert, eine von der FH entwickelte Software für ihre Steuerung soll für Effizienz sorgen. Der Ladevorgang, so Wehlage, sollte etwa die Wetterprognose ebenso berücksichtigen wie den sonstigen Energiebedarf oder Spitzenverbräuche eines Gebäudes oder Betriebs. »Dann können die einmalige Investition und der jährliche Leistungspreis auf ein Fünftel gesenkt werden.«

Intelligente Systeme, so der Archimedes-Geschäftsführer, seien zudem flexibel vom Anwender einzusetzen und vermeiden teure Lastspitzen. Und natürlich, so Haubrock, sollte der Strom für die Ladesäulen auch aus alternativen Energien stammen – sonst findet nur eine Verlagerung der Emissionen statt.

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