Do., 15.02.2018

Rentner aus Porta Westfalica bringt seine 88 Jahre alte Schwester um 80-Jähriger wegen Totschlags angeklagt

Der Angeklagte Willibald K. (80) mit seinem Anwalt Dr. Detlev Binder.

Der Angeklagte Willibald K. (80) mit seinem Anwalt Dr. Detlev Binder. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Bielefeld/Porta Westfalica (WB). Seinen Rollator stellte er neben der Anklagebank ab: In Bielefeld steht seit Mittwoch ein 80 Jahre alter Rentner aus Porta Westfalica wegen Totschlags vor Gericht. Willibald K. hatte im Februar 2017 seine acht Jahre ältere Schwester Wilma erwürgt, nachdem er sich 49 Jahre um sie gekümmert hatte.

Es scheint ein selten tragischer Fall zu sein, den das Schwurgericht in den kommenden Wochen verhandeln wird. Schon als Kind sei er von seiner Schwester ständig getriezt worden, sagte der Angeklagte. Trotzdem habe er 1968 seinem Vater am Sterbebett versprechen müssen, sich um Wilma zu kümmern, die den Vater bis dahin gepflegt hatte.

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Das Zusammenleben war unerträglich. Sie wollte immer alles bestimmen.

Willibald K.

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Wilma K., die die Schule nach der sechsten Klasse verlassen hatte, zog damals bei Willibald K. und seiner Frau ein. »Das Zusammenleben war unerträglich. Sie wollte immer alles bestimmen.« Als das Ehepaar K. in Porta Westfalica baute, ließ der Bankkaufmann einen eigenen Trakt für seine Schwester errichten, doch das änderte offenbar nichts. Nachbarn, die zum Prozessauftakt nach Bielefeld gekommen waren, erzählten auf dem Gerichtsflur, Wilma K. habe Streit gesucht. »Jeder hat versucht, ihr aus dem Weg zu gehen.«

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Ich habe Wilma oft Frikadellen und Kartoffeln gemacht.

Willibald K.

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Der Angeklagte sagte sinngemäß, es sei kein Miteinander der beiden Frauen möglich gewesen. Seine Schwester habe seine Frau nur Schlampe genannt, die habe Wilma als Hexe bezeichnet. Wilma habe ein Leben auf Kosten des Ehepaares geführt. Als seine Frau 2016 in ein Pflegeheim gekommen sei, habe seine Schwester ihn aufgefordert, sie zurückzuholen, »damit sie das Haus putzt.« Willibald K. fühlte sich an sein Versprechen gebunden und übernahm nun auch noch das Kochen – so gut es ging. »Ich habe Wilma oft Frikadellen und Kartoffeln gemacht.«

Was genau am 18. Februar 2017 geschah – der Angeklagte hat nach eigenen Angaben nur eine bruchstückhafte Erinnerung. »Ich habe später in der Zeitung gelesen, dass ich Wilma erwürgt habe.« Anschließend schrieb er seinen Kindern einen Abschiedsbrief (»Die Hexe hätte Euch nur Ärger bereitet«), schloss sich in der Garage ein und ließ den Motor laufen. Sein Sohn fand ihn am nächsten Tag bewusstlos.

Verteidiger Dr. Detlev Binder hält eine Bewährungsstrafe nicht für ausgeschlossen.

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