Mi., 14.03.2018

Handlungsprogramm macht Vorschläge für mehr Klimaschutz Höhere Parkgebühren = weniger Autoverkehr?

Die Zahl der Autozulassungen ist gestiegen. Das soll sich im Interesse von sauberer Luft auch in Bielefeld ändern.

Die Zahl der Autozulassungen ist gestiegen. Das soll sich im Interesse von sauberer Luft auch in Bielefeld ändern. Foto: dpa

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Die Latte liegt hoch: Bis zum Jahr 2050 soll in Bielefeld die Kohlenstoffdioxid-Belastung um bis zu 95 Prozent im Vergleich zu 1990 reduziert werden. Und der Autoverkehr, jedenfalls der der Diesel und Benziner, um 40 Prozent.

Dabei, findet Umweltdezernentin Anja Ritschel, sei Bielefeld schon »grundsätzlich auf einem guten Weg«. Schließlich sei die CO2-Belastung seit 1990 um 33 Prozent zurück gegangen. Eigentlich, so Ritschel, habe die Stadt das Ziel sogar übertroffen, schließlich sei die Zahl der Einwohner unerwartet gestiegen. Dass Kohle in Bielefeld keine Rolle mehr spiele, es weniger Öl-, dafür mehr Fernwärmeheizungen gäbe, mehr Blockheizkraftwerke, mehr erneuerbare Energien – all das habe zur CO2-Reduzierung beigetragen, sei aber noch lange nicht genug.

Da ist zum Beispiel das Auto. Die Zahl der zugelassenen Pkw habe sich um acht Prozent auf 162.784 Fahrzeuge erhöht, die der Motorräder sogar um 115 Prozent (11.213).

Das Handlungsprogramm Klimaschutz, das der Umweltausschuss in seiner nächsten Sitzung am 20. März (17 Uhr, Rochdale-Raum, Altes Rathaus) diskutiert, macht deshalb Vorschläge, wie man den Trend der erhöhten Zulassungen umkehren könnte.

Parkgebühren zu niedrig?

Als Erstes aufgeführt werden da die Parkgebühren. Die nämlich seien, allerdings im Bundesvergleich, um 1,5 Prozent gesunken, während die Kosten für Busse und Bahnen um bis zu 18 Prozent gestiegen seien. Kurz: Die städtischen Parkgebühren seien schlicht zu niedrig. Das Handlungsprogramm Klimaschutz schlägt deshalb vor, das Autoabstellen teurer zu machen und damit den öffentlichen Personennahverkehr mit zu finanzieren. Zudem solle es mehr Tempo-30-Zonen geben, das Altstadt-Hufeisen im Idealfall »autofrei« werden. Vor Schulen sollen autofreie Zonen ausgewiesen werden.

Gleichzeitig solle sich der Radverkehrsanteil auf 25 Prozent erhöhen – nicht zuletzt auch durch bauliche Maßnahmen. Eingeführt werden sollte, so das Handlungsprogramm, eine Radstellplatzpflicht – das bedeutet: Nicht nur die Anzahl von Autostellplätzen pro Wohnhaus-Neubau wären vorgeschrieben, auch die der Radabstellmöglichkeiten. Weitere Vorschläge: mehr überdachte Fahrradstellplätze, ein Verleihsystem für Lastenfahrräder schaffen, Radschnellwege bauen und – ganz allgemein – das Radwegenetz ausweiten. 

Um den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken, schlägt das Programm unter anderem den »Ausbau von Stadtbahntrassen« vor, Vorrangtrassen (Umweltspuren) für Busse zu schaffen und den Nachtbus nicht nur an den Wochenenden einzusetzen, sondern täglich, als »Teil der Daseinsvorsorge«.

Mehr Pendler sollen umsteigen

85 Prozent aller Wege, die von Pendlern zurück gelegt würden, seien kürzer als 20 Kilometer. Daraus zieht das Handlungsprogramm den Schluss, dass mehr Pendler umsteigen sollten auf Busse und Bahnen. In Bielefeld werden täglich 77.000 Einpendler und 44.000 Auspendler gezählt.

Ihren Anteil leisten an der Verringerung des CO2-Ausstoßes sollen auch Industrie, Handwerk, Wohnungsbaugesellschaften, Energieversorger, Landwirtschaft. Bis zum Jahr 2020 sollen alle zusammen bundesweit 562 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen.

Anja Ritschel nennt das »ambitioniert«, wünscht sich aber eine »gemeinsame Anstrengung«. Sie betont ausdrücklich, dass klimafreundliches Verhalten ihrer Ansicht nach nichts mit Verzicht oder der Einschränkung persönlicher Freiheiten zu tun habe. Es gehe im Gegenteil »um mehr Lebensqualität für uns alle«.

Die Politik soll das Handlungsprogramm »zur Kenntnis« nehmen. Nächster Bericht: 2025.

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