Do., 15.03.2018

Psychische Erkrankungen sind Thema des Netzwerks »Frühe Hilfen« Mit der Eltern-Krise umgehen

Möchten Eltern frühzeitig Hilfe angedeihen lassen: (von links) Dorothee Redeker, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Anke Berkemeyer, Georg Epp, Leiter des Jugendamtes, Ingo Nürnberger, Familienhebamme Oxana Wojcinski und Özlem Yanar.

Möchten Eltern frühzeitig Hilfe angedeihen lassen: (von links) Dorothee Redeker, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Anke Berkemeyer, Georg Epp, Leiter des Jugendamtes, Ingo Nürnberger, Familienhebamme Oxana Wojcinski und Özlem Yanar. Foto: Schulze

Bielefeld (WB/sas). 570.000 Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren sind in Deutschland von psychischen Erkrankungen ihrer Eltern betroffen. Aus diesem Grund hat das Netzwerk »Frühe Hilfen« dieses Thema in den Mittelpunkt seines zweiten Fachtages gestellt.

210 Teilnehmer kamen dazu in das Neue Rathaus, einige mehr hätten gerne teilgenommen. Sie alle sind Beteiligte des Netzwerkes, das 2008 gegründet wurde und den Kinderschutzbund mit den ehrenamtlichen Patinnen und Paten ebenso umfasst wie etwa Familienhebammen, Kinderärzte, Gynäkologen, Kliniken, Kitas, die Träger von Hilfsangeboten und natürlich die Fachstelle Kinderschutz des Jugendamtes.

Ziel des Netzwerkes ist, frühzeitig Hilfen anzubieten – bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. 453-mal haben Kliniken, Kinderärzte, Kitas oder andere 2017 Hinweise gegeben; erfreulicherweise, so Koordinatorin Özlem Yanar, haben sich ein Drittel der Familien, die betreut werden, selbst gemeldet: »Die Familien nehmen unsere Hilfen gerne an.« Das ist für Sozialdezernent Ingo Nürnberger ein Riesenerfolg: »Die Eltern vertrauen dem Jugendamt und empfinden es nicht als Bedrohung.«

Genau das soll und will es auch nicht sein. Es geht vielmehr darum, gemeinsam mit Partnern, auf den jeweiligen Bedarf zugeschnittene Hilfsangebote zu unterbreiten. Die können aus verschiedenen Bausteinen bestehen, die sich überschneiden oder zeitlich aufein­ander folgen und müssen bei Familien, in denen ein Elternteil oder womöglich beide psychisch belastet sind, oft über frühe Lebensphasen eines Kindes hinausgehen.

»Die Ursachen einer psychischen Belastung können vielfältig sein«, sagt Familienhebamme Oxana Wojcinski: Es kann sein, dass junge Eltern unerfahren sind, kein unterstützendes Netzwerk haben und überfordert in eine Krise geraten, es können schwere Depressionen ebenso vorliegen wie eine Suchterkrankung oder eine Schizophrenie. »Wichtig ist, hier die Hilfssysteme – von der Kita bis zu den Hilfen zur Erziehung – noch stärker als ohnehin miteinander ins Gespräch zu bringen«, sagt Nürnberger. Dabei weiß er das Jugendamt im Spannungsfeld zwischen dem Schutz der Familie und dem Schutz des Kindes. »Viele Eltern sind liebevoll, aber überfordert. Die brauchen Unterstützung, und die können wir leisten.« Das Herausnehmen eines Kindes aus der Familie ist immer das letzte Mittel.

»Wichtig ist, dass ein Kind eine stabile Bezugsperson bekommt, das ist für Kinder eine wichtige Ressource«, betont Anke Berkemeyer vom Jugendamt. Und je früher Hilfen greifen, desto geringer ist das Risiko, dass ein Kind seinerseits psychisch erkrankt.

41 Familien haben 2017 ehrenamtliche Paten gehabt, 64 Familien wurden für sie kostenfrei von einer Familienhebamme begleitet.

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