Di., 03.04.2018

Bielefelder Konzertmeister Simon Monger gibt seine Visitenkarte als Kammermusiker ab Neue CD weckt Reiselust

Simon Monger ist Mitglied des Eldering Ensembles, das eine CD mit Werken der Romantik eingespielt hat.

Simon Monger ist Mitglied des Eldering Ensembles, das eine CD mit Werken der Romantik eingespielt hat. Foto: Bernhard Pierel

Von Uta Jostwerner

Bielefeld (WB). Als Konzertmeister der Bielefelder Philharmoniker ist Simon Monger einem breiten Konzertpublikum bekannt. Als Mitglied des Eldering Ensembles blieben seine kammermusikalischen Tätigkeiten dem Bielefelder Publikum bislang weitgehend verborgen.

Das dürfte sich nun ändern, liegt doch eine brandfrische CD-Einspielung mit Werken von Beethoven, Spohr und Mendelssohn vor, die Monger und seine Trio-Partnerinnen Jeanette Gier (Violoncello) und Sandra Urba (Klavier) als Kammermusikerinnen und -musiker erster Güte ausweist. Der Tonträger ist ab dem 4. Mai im Handel erhältlich.

Darauf zu finden ist die Weltersteinspielung der so genannten Reisesonate für Pianoforte und Violine op. 96 von Louis Spohr (1784 - 1859), ein Werk, das 1836 als Nachklang einer Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz entstand. Der mit »Reiselust« überschriebene erste Satz diente auch als Titel der bei »Genuin« erschienenen Klassik-CD, die im August des vergangenen Jahres im Mendelssohn-Saal des Leipziger Gewandhauses entstand.

»Das Stück erschien 1837 in Druck, wurde nach dem Abverkauf nicht wieder aufgelegt und war vergriffen. Uta Pape entdeckte die Sonate vor eineinhalb Jahren in einer Leipziger Bibliothek und erstellte die erste kritische Urtextausgabe«, erzählt Simon Monger. Uta Pape ist Mongers Kollegin im philharmonischen Orchester. Sie spielt in der Gruppe der zweiten Geigen und erstellte die kommentierte Druckausgabe, die 2016 im Kölner Dohr Verlag erschien. »Es hat uns großen Spaß bereitet, dieser Sonate auf den Grund zu gehen«, sagt Simon Monger.

Da Spohr und Felix Mendelssohn Bartholdoy befreundet waren und Mendelssohn sein Trio für Violine, Violoncello und Klavier Nr. 2 c-Moll op. 66 Louis Spohr widmete, wurde das Stück ebenfalls ins Programm der CD aufgenommen.

Der Kreis schließt sich mit dem Beethoven-Trio op. 70 Nr. 1. Spohr wohnte 1811 einer Probe dieses als »Geistertrio« in die Musikgeschichte eingegangenen Werks in Beethovens Wohnung bei. »Ein Genuss war’s nicht, denn erstlich stimmte das Pianoforte sehr schlecht, was Beethoven wenig kümmerte, da er ohnehin nichts davon hörte, und zweitens war von der früher so bewunderten Virtuosität des Künstlers infolge seiner Taubheit fast gar nichts übrig geblieben!«, notierte Spohr nach der Probe.

Davon kann beim Eldering Ensemble, das sich 2003 zusammenfand und nach dem holländischen Geiger und Pädagogen Bram Eldering benannte, keine Rede sein (siehe CD-Besprechung im Kasten). Das Ensemble, das jugendlichen Schwung und kammermusikalische Präzision vereint, ist ein gern gesehener Gast bei Festivals wie dem internationalen Beethovenfest Bonn und bei Kammermusikreihen in Mongers Heimat Australien. »Wir sind gut aufeinander eingespielt und müssen uns über gewisse Dinge nicht mehr verständigen«, sagt Simon Monger.

Gleichwohl stellt die Arbeit mit dem Ensemble für den Violinisten einen Balanceakt dar: »Ich muss das mit den Orchesterdiensten koordinieren. Das erfordert viel Planung. Doch es lohnt sich, einen Ausgleich zu haben. Es wirkt bereichernd«, sagt der aus Melbourne stammende Musiker, der seit 2009 dem philharmonischen Orchester angehört.

Im Jahr 1997 zog es den an der Australian National Academy of Music ausgebildeten Australier in die Schweiz. Ein erster Preis beim nationalen Kammermusikwettbewerb ermöglichte es ihm, in Europa bei einem Professor seiner Wahl zu studieren. Monger entschied sich für Basel, wo er bei Raphael Oleg studierte und seine kammermusikalischen Fähigkeiten unter anderem bei Mitgliedern der renommiertesten Violin-Quartette (Alban Berg und La Salle) vervollkommnete. Gerne, erzählt er, würde er von der Kammermusik leben können. Doch das sei den wenigsten Musikern vergönnt.

So bildet seine kammermusikalische Tätigkeit neben der Pflicht weiterhin die Kür. Davon überzeugen kann sich das geneigte Publikum am Montag, 28. Mai, 20 Uhr, in der Oetkerhalle, wenn das Eldering Ensemble die auf der CD eingespielten Werke zu Gehör bringt. Karten gibt es unter Telefon 0521/96 23 94 35 oder E-Mail: info@eldering-ensemble.de

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