Di., 17.04.2018

Sondernutzungsgebühr für Außengastronomie: Bielefeld liegt im Mittelfeld »Draußen« bringt das Geld

Kaum scheint die Sonne wie hier am verkaufsoffenen Sonntag am 8. April, gibt es draußen vor den Lokalen keinen freien Sitzplatz mehr.

Kaum scheint die Sonne wie hier am verkaufsoffenen Sonntag am 8. April, gibt es draußen vor den Lokalen keinen freien Sitzplatz mehr. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Kaum sind die Temperaturen zweistellig, kaum zeigt sich die Sonne länger als nur für ein paar Minuten, dann gibt es in Restaurants und Cafés mit Außengastronomie in Bielefeld kaum noch einen freien Sitzplatz.

Den wenigsten Gästen aber, die draußen vor einem Lokal ihren Cappuccino trinken, ihr Eis oder ihre Pizza essen, ist bewusst, dass der Wirt für die Nutzung des öffentlichen Raums zahlen muss. Schon vor Jahrzehnten galt als Auswirkung dieser Mehrkosten in der Freiluft-Gastronomie das »Draußen nur Kännchen«-Prinzip: teurer als die Tasse drinnen, aber auch weniger Lauferei fürs Personal. Obwohl das »Kännchen draußen« als »typisch deutsch« gilt, ist es längst überholt.

Die sogenannte Sondernutzungsgebühr richtet sich in Bielefeld nach der Lage des Lokals – es gibt vier Zonen – aber auch nach Saison (1. März bis 31. Oktober) oder bei Bedarf Nebensaison (1. November bis 28. Februar) und nach der Größe der Fläche, auf der Tische und Stühle draußen im öffentlichen Raum stehen.

Internetportal hat Sondernutzungsgebühren deutschlandweit verglichen

Die Freiluft-Saison beginne bei den allermeisten Gastronomen Ostern, sagt Thomas Keitel, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes . Die meisten Wirte, so Keitel, würden ganzjährig Gebühren entrichten, um den Rauchern unter ihren Gästen Tisch(e) und Stühle draußen vor der Tür anbieten zu können. Während der Saison im Frühling und Sommer, so Keitel, kämen viele Lokalbetreiber »ohne Außengastronomie gar nicht zurecht«: »Wenn die Sonne scheint, wollen die Gäste draußen sitzen.«

Für manche Lagen gelte das sogar rund ums Jahr. Das Vergleichsportal Netzsieger.de, ein Start-up-Unternehmen aus Berlin, hat die Sondernutzungsgebühren deutschlandweit miteinander verglichen. Demnach liegt Bielefeld im unteren Kosten-Bereich.

In der deutschen Hauptstadt kämen Wirte mit Außengastronomie demnach am günstigsten weg: Sie zahlen an die Kommune pro Jahr 12,50 Euro pro Quadratmeter. In Bielefeld gilt ein fast identischer Preis (12,50 Euro) in der Zone 4, den Stadtbezirken. In der Hauptsaison zahlen Gastronomen etwa in der Altstadt 40 Euro, wollen sie auch in der Nebensaison Tische und Stühle draußen für Gäste stehen lassen, reduziert sich der Preis auf 7,34 Euro pro Quadratmeter (Zone 4: 2,31 Euro).

Sondernutzungsverordnung schreiben Gestaltungskriterien vor

Laut Netzsieger.de müssen Lokalinhaber in Frankfurt/Main und Bremen 24 Euro pro Quadratmeter zahlen, in Wuppertal sogar 110 Euro, Hamburg fordere 96 Euro, Stuttgart 84 Euro, Dresden und Duisburg jeweils 48 Euro. Die Wirte in München zahlen 62 Euro, ebenso viel wie die in Köln pro Quadratmeter und Jahr.

Die Gebühren – die Satzung in Bielefeld gilt seit 2016 in geänderter Form – summieren sich ordentlich. So wird etwa ein Altstadt-Gastronom, der 100 Quadratmeter Außenfläche mit Tischen und Stühlen bestückt, in den acht Monaten der Hauptsaison mit 32.000 Euro zur Kasse gebeten. Die Stadt kommt den Wirten aber auch entgegen: Pro Ausfalltag (Regen, schlechtes Wetter, Kälte) reduziert sich der Quadratmeterpreis um 17 Cent.

Die Sondernutzungsverordnung auf sogenannten öffentlichen Verkehrsflächen schreiben zudem sogenannte Gestaltungskriterien vor: von der Art der Möblierung bis hin zu Pflanzkübeln und deren Inhalt.

Die Sondernutzungsgebühren werden auch für Veranstaltungen wie Leineweber- oder Weihnachtsmarkt erhoben. Beispiel: Stände, die Glühwein oder Bier verkaufen, zahlen pro Quadratmeter Verkaufsfläche täglich 1,58 Euro, mindestens aber 15,80 Euro, für den »abgegrenzten Aufenthaltsbereich« 40 Cent pro Quadratmeter, mindestens aber 4 Euro täglich. Die Sondernutzungsgebühren für Volksfeste sind stadtweit identisch – egal, ob der Glühwein in Jöllenbeck oder an der Obernstraße verkauft wird.

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