Di., 17.04.2018

Mindener (59) scheitert mit Klage gegen seine Zahnärztin Stiftzahn aus der Lunge operiert

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Bielefeld/Minden (WB/uko). Mit Verdacht auf Lungenkrebs war ein Mindener Frührentner (59) ins Bad Oeynhausener Herz- und Diabeteszentrum eingeliefert worden. Als die Mediziner den Fremdkörper entfernten, staunten sie nicht schlecht: Sie fanden eine Stiftkrone. Jetzt klagte der Mann gegen seine Zahnärztin – und verlor vor dem Bielefelder Landgericht den Prozess.

Im Juli 2013 hatte der Mann aus Minden endlich begonnen, sein Gebiss zu sanieren. Dafür sollten in Ober- und Unterkiefer jeweils eine Prothese eingegliedert werden. Dafür mussten allerdings zunächst eine Reihe von schlecht gepflegten Zähnen entfernt werden. So stellte der Detmolder Zahnarzt Dr. Matthias Plöger als Sachverständiger nun fest: »Sie hatten wohl Angst vorm Zahnarzt, die Mundhygiene war nicht so optimal.«

Eine Mindener Zahnärztin bereitete den »Neuaufbau« vor und versetzte den Mindener dafür in Vollnarkose und extrahierte einige Zahnstümpfe. Im August 2013 wurden dann die Stifte eingegliedert, die die Prothesen als »Eckpfeiler« tragen sollten.

Im Juni des folgenden Jahres habe er »unter starkem Reizhusten gelitten«, sagte der Kläger nun vor der 4. Zivilkammer des Landgerichts Bielefeld. Nach weiteren Lungenbeschwerden – Röntgenbilder zeigten einen Fremdkörper im linken unteren Lungenlappen und ließen sogar eine Lungenkrebserkrankung vermuten – ließ sich der 59-Jährige schließlich in Bad Oeynhausen operieren. Die Ärzte entfernten eine der künstlichen Zahnkronen, die zuvor in einer Wurzel verankert war und die Unterkiefer tragen sollte. Der Mindener machte mit seinem Prozess auf Schadensersatz nun die Mindener Zahnärztin verantwortlich.

Behandlung sei nicht zu bemängeln

Der Detmolder Gutachter wies aber detektivisch nach, dass die Prothese seinerzeit »straff eingepasst« worden sei, wie es Vorschrift sei. Später hatte der Patient sie etwas lockern lassen, doch dabei habe sich dieser Teleskoppfeiler aus Titan nicht lösen können. Die Behandlung der Mindener Zahnärztin sei nicht zu bemängeln, die Dentistin habe auch alle Vorschriften hinsichtlich der Vollnarkose beachtet.

Im Übrigen habe sich damals und acht Wochen später die Stiftkrone überhaupt nicht lösen können. Sie war laut Gutachten zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorhanden. Vermutlich habe der Mann, ein starker Raucher, den Stift während eines Hustenanfalls versehentlich verschluckt.

Das Gericht sah danach die Klage als »wenig erfolgversprechend« an. Der 59-Jährige nahm daher nach Beratung mit seinem Rechtsanwalt die Klage gegen die Zahnärztin zurück.

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