Sa., 12.05.2018

Sanierung: Kunsthalle wird ab 2020 für bis zu zwei Jahren geschlossen Kulturszene stellt sich hinter Friedrich Meschede

Der Denker vor der Kunsthalle.

Der Denker vor der Kunsthalle. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Die Kunsthalle soll in den Jahren 2020/2021 für mindestens 18 Monate komplett geschlossen werden, um das Gebäude zu sanieren. Dass CDU, SPD und Grüne den Vertrag von Direktor Dr. Friedrich Meschede (62) über 2019 hinaus noch nicht einmal für die Dauer der Bauarbeiten verlängern wollen, löst empörte Reaktionen aus.

Meschede wurde in einem »informellen Gespräch« von Detlef Werner (CDU) und Björn Klaus (SPD) mitgeteilt, dass seine Wiederwahl gefährdet sei. Als ein Grund wurde die »prekäre finanzielle Situation« der Kunsthalle genannt. Im vorläufigen Wirtschaftsplan war noch ein Minus in Höhe von 335.000 Euro für das vergangene Jahr ausgewiesen worden. Das Defizit sei aber inzwischen komplett ohne verbleibende Restschuld aus Rücklagen und einem Gewinnvortrag aus 2016 gedeckt worden, jeglicher Vorwurf deshalb substanzlos.

Detlef Werner als Vertreter des Kunsthallen-Gesellschafters Stadt sagt, dass bei Personalfragen die beiden anderen Gesellschafter – Sparkasse Bielefeld und Kulturstiftung Pro Bielefeld – nicht hinzu gezogen werden müssten: »Da hat die Stadt das letzte Wort.« Schließlich bezuschusse sie die Kunsthalle mit 2,4 Millionen Euro jährlich.

Pro Bielefeld empfiehlt Vertragsverlängerung

Pro Bielefeld, offiziell nicht vom Vorhaben des Gesellschafters Stadt darüber in Kenntnis gesetzt, Meschedes Vertrag auslaufen lassen zu wollen, berief am Freitag eine unplanmäßige Vorstandssitzung ein. Das Ergebnis: die »nachdrückliche« Empfehlung, den Vertrag um zwei Jahre zu verlängern.

Laut Pro Bielefeld ist Meschede »unzweifelhaft ein ausgezeichneter Kenner vor allem der zeitgenössischen nationalen und internationalen Kunst«. Er habe mit »bescheidenen Mitteln und viel Kreativität interessante und herausfordernde Ausstellungen realisiert und großen Anteil an der Erweiterung der Sammlung.« Die geplante Art und Weise der Beendigung seiner Tätigkeit zwei Jahre vor Erreichen seines Rentenalters sei »unangemessen und wird seinen Verdiensten in keiner Weise gerecht«.

Die Sparkasse als dritter Gesellschafter will sich nicht zu internen Entscheidungen innerhalb der Kunsthallen-Betriebsgesellschaft äußern. Die Sparkassen-Stiftung aber werde ihr Engagement auch in Zukunft aufrecht erhalten und Ausstellungen weiter fördern (100.000 Euro jährlich). Bislang seien 20 Ausstellungen unterstützt worden.

Aufsichtsrat: »unnötig und nicht im Interesse der Stadt«

Dr. Axel Brandi, kommissarischer Aufsichtsratsvorsitzender der Kunsthalle (der Vorsitz von Wolfgang Brinkmann ruht seit geraumer Zeit), sagt, der politische Mehrheitswille, Meschedes Vertrag auslaufen zu lassen, sei »unnötig und nicht im Interesse der Stadt«. Meschede sei kompetent, in Kunstkreisen anerkannt und, so Brandi, »grundanständig und ehrlich«. Vernünftig wäre es, so Brandi, nach Abschluss der Sanierung der Kunsthalle 2021 einen Neuanfang zu machen.

Die Sanierung des Museums soll rund zehn Millionen Euro kosten. Während der bis zu zweijährigen Umbauzeit sollen die Kunstwerke in das Magazin des Landschaftsverbandes ausgelagert werden. Meschede hatte bereits die Idee, auch während der Bauzeit Ausstellungen zu veranstalten, etwa eine mit Wandmalereien »Auf Zeit«, um die Kunsthalle nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

»So geht man mit einem kulturellen Leuchtturm nicht um«

Die FDP nennt den Umgang mit Meschede »unwürdig«. Die Entscheidung, ihn »an Aufsichtsrat, Förderkreis und Stiftern vorbei durch Parteivertreter vor vollendete Tatsachen zu stellen, zeigt die Überheblichkeit von SPD, CDU und Grünen«, so Jan Maik Schlifter als Vorsitzender der Liberalen. Er ergänzt: »Desinteresse bei OB und Dezernenten, reale Zuschusskürzungen und Personalpolitik, die Parteien überlassen wird – so geht man mit einem kulturellen Leuchtturm nicht um.«

Uli Horaczek, Vorstandsmitglied des Kunstvereins, kritisiert, dass man sich »von einem exzellenten Kunstvermittler und Kurator« trennen wolle, der »trotz budgetärer Notlage kein Notprogramm« fahre. Er gestalte mit Einfallsreichtum und dank internationaler Verbindungen beeindruckende Ausstellungen.

Prof. Dr. Andreas Beaugrand spricht von »kulturpolitischer Instinkt- und Kompetenzlosigkeit«. Als Mitglied des Freundeskreises Kultur um Alt-Oberbürgermeister Klaus Schwickert schäme er sich für »diese Schlappe der Bielefelder SPD«. Er hoffe, dass die Entscheidung, Meschedes Vertrag zu zu verlängern, »schnellstmöglich rückgängig gemacht wird«.

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