Mi., 16.05.2018

Kunsthalle: Kritik an politischem Vorgehen hält an – Museum Marta ist »befremdet« »Provinzposse«

Der Vertrag von Kunsthallen-Direktor Dr. Friedrich Meschede soll Ende 2019 auslaufen.

Der Vertrag von Kunsthallen-Direktor Dr. Friedrich Meschede soll Ende 2019 auslaufen. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Bestürzung und Unverständnis – so sind die Reaktionen auf die Bestrebungen von CDU, SPD und Grünen, den Vertrag von Kunsthallen-Direktor Dr. Friedrich Meschede (62) nach dessen Auslaufen nicht zu verlängern. Aber auch von Seiten der Politik wird (Zeit-)Druck gemacht.

Nach Pfingsten wird erwartet, dass Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) eine entsprechende Vorlage für den Finanz- und Personalausschuss (29. Mai) und den Hauptausschuss (30.Mai) vorlegt. Weil der Betriebsausschuss Immobilienservice erst wieder am 12. Juni tagt, könnte es möglicherweise noch vor der Ratssitzung am 7. Juni eine Sondersitzung geben.

Das Team des Museums Marta in Herford spricht von »großem Befremden«, als man von der Absicht der Mehrheitsparteien im Bielefelder Rathaus erfahren habe, Meschedes Vertrag nicht zu verlängern. Marta-Direktor Roland Nachtigäller: »Mich bestürzt schon allein die Form der Kommunikation: Mitten im Jubiläumsjahr wird vor dem eigentlichen Beschluss die Absicht der verantwortlichen Akteure bereits über die Medien verbreitet. Welches beklemmende Bild vermittelt das vom Rückhalt einer Stadt für ihr international angesehenes Museum?«

Nachtigäller lobt Meschede

Er habe Meschede als klugen Gesprächspartner geschätzt, der mit viel Fachwissen, geschultem Blick und knappem Budget der Kunsthalle ein ambitioniertes, zeitgemäßes Profil verliehen habe, so Nachtigäller. Die Sanierung der Kunsthalle möglicherweise ohne dem mit dem Haus vertrauten Direktor umzusetzen, darunter könne das Museum noch Jahrzehnte leiden. Nachtigäller und sein Team appellieren an die Verantwortlichen, in konstruktiver Weise das Gespräch zu suchen, »um gemeinsam mit Friedrich Meschede die Kunsthalle durch ein wichtiges Jubiläumsjahr und in eine zukunftsfähige Sanierung zu führen«.

Der Vorstand der Theater- und Konzertfreunde betont, Friedrich Meschede habe das überregionale und internationale Renommée der Kunsthalle »unter der schwierigen finanziellen und räumlichen Rahmenbedingungen nicht nur gewahrt, sondern vermehrt«. Christiane Pfitzner, Vorsitzende der Thekos, ist überzeugt, dass Meschedes »Sachverstand und seine guten Verbindungen in die internationale Kunstwelt« mehr als nötig seien, damit die Kunsthalle während der bis zu zweijährigen Sanierungsphase in den Jahren 2020/2021 »nicht aus den Augen der Öffentlichkeit in die Bedeutungslosigkeit verschwindet«.

Thekos-Vorstand erklärt sich solidarisc

Der Thekos-Vorstand erklärt sich solidarisch mit dem künstlerischen Anspruch Friedrich Meschedes und fürchtet »um den Verlust und die Strahlkraft eines der wichtigsten Edelsteine in der Krone der großen Kultureinrichtungen«. Christiane Pfitzner: »Mit solch unangemessenen und stil- und würdelosen Entscheidungen wird Bielefeld provinziell gemacht.«

Jürgen Heinrich, Leiter des Künstlerhauses Lydda in Bethel, spricht von »unsachlichen und unfachlichen Argumentationen« der drei Parteien CDU, SPD und Grünen. Heinrich: »Friedrich Meschede hat wunderbare Ausstellungen gemacht.« Sein Favorit dabei sei die Ahnoni-Ausstellung »My Truth« gewesen: »Da konnte man sich in Bielefeld fühlen wie in New York.« Heinrich sieht in dem »Verlangen nach einfacher Kost« eine Gefahr: »Kunst soll den Betrachter herausfordern. Kunst habe mit Erkenntnis und mit Bildung zu tun, Dinge, die man Menschen im positiven Sinne zumuten müsse. Jürgen Heinrich fürchtet um den Ruf Bielefelds: »Wenn das von der Politik durchgezogen wird, ist das eine Provinzposse, nichts anderes.«

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