Fr., 18.05.2018

Produkte bei einigen Handelsunternehmen zeitweise aus den Regalen genommen Preiskampf kostet Dr. Oetker Umsatz

Die Schokopizza – hier die Produktion im Dr.-Oetker-Werk in Wittenburg – sorgte im vergangenen Jahr in Deutschland monatelang für Gesprächsstoff.

Die Schokopizza – hier die Produktion im Dr.-Oetker-Werk in Wittenburg – sorgte im vergangenen Jahr in Deutschland monatelang für Gesprächsstoff. Foto: Oliver Schwabe

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld (WB). Dank eines guten Auslandsgeschäfts hat die Dr.-Oetker-Nahrungsmittelsparte ihren Umsatz 2017 gesteigert . Im Inland mussten die Bielefelder dagegen einen Rückgang um 1,9 Prozent hinnehmen. Im Hintergrund stehen Auseinanderandersetzungen der Lebensmittelindustrie mit dem Einzelhandel.

Acht Monate lang sorgte der Kampf zwischen den Branchen-Giganten Nestlé und Edeka für Schlagzeilen. Der europaweite Verbund Agecore, zu dem Edeka gehört und der jährlich Lebensmittel im Wert von 145 Milliarden Euro einkauft, forderte Preissenkungen, die Nestlé nicht bereit war, mitzugehen. In dem Streit waren Nestlé-Produkte wie Nescafé und Wagner-Pizza in Supermärkten zeitweise nicht verfügbar. Erst Anfang Mai einigten sich die Konzerne – zu welchen Bedingungen ist nicht bekannt.

Erstmals mehr als 70 Prozent des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet

Weniger bekannt ist, dass auch Dr. Oetker wegen ähnlicher Preisforderungen von Handelsunternehmen zeitweise ausgelistet war. Dies führte, wie Unternehmenssprecher Dr. Jörg Schillinger am Donnerstag erklärte, zu starken Mengen- und damit auch Umsatzeinbußen. Betroffen war das gesamte Europageschäft, vor allem aber Deutschland. Der Inlandsumsatz ging von 740 auf 726 Millionen Euro zurück. Im Vorjahr war er noch um 3,0 Prozent gestiegen.

Dagegen konnte Dr. Oetker den Auslandsumsatz um 1,8 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro steigern. Ohne die Abwertungen des britischen Pfunds, der türkischen Lira und des mexikanischen Pesos wäre der Zuwachs noch höher ausgefallen. Erstmals wurde mehr als 70 Prozent des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet. Unterm Strich legte Dr. Oetker Nahrungsmittel um 1,3 Prozent auf 2,430 (Vorjahr: 2,414) Milliarden Euro zu.

Der Nährmittelbereich, zu dem beispielsweise Back- und Puddingpulver, Müslis und Backmischungen gehören, liegt innerhalb der Nahrungsmittelsparte beim Umsatz knapp vor der Tiefkühlpizza, gefolgt von Desserts und anderen Frischeprodukten. Für Aufsehen sorgte ab April die Schokopizza. Inzwischen wird sie von Dr. Oetker in zehn Ländern angeboten, darunter unter der Submarke Ciobar auch in Italien. Als neues Pizzasortiment kam 2018 »La Mia Grande« hinzu – mit einem extra dünnen und handgeformten Teig. Bei den Nährmitteln runden Müslis mit sogenannten Superfood-Bestandteilen wie Goji, Cranberry und Chiasamen, Coffee-Cakes und drei Eispulversorten das Neuheitenprogramm ab.

Außerhalb Europas legten die Bielefelder 2017 besonders stark in Mexiko zu, wo sich die Neuerwerbungen – D’Gari (Götterspeise) und Grupo Rexal (Backhilfsmittel, Sirup) – nach Angaben Schillingers als »Volltreffer« erwiesen.

Größte Investition in das Bielefelder Forschungs- und Entwicklungszentrum

Insgesamt hat Dr. Oetker im vergangenen Jahr 119 (Vorjahr: 139) Millionen Euro investiert. Davon flossen 68 Prozent ins Ausland. Im Vorjahr lag der Anteil bei 61 Prozent. Größte Investition der vergangenen Jahre war am Stammsitz Bielefeld das Forschungs- und Entwicklungszentrum, das Anfang 2017 in Betrieb ging.

Ein Schwerpunkt bei den Investitionen ist aktuell neben der Internationalisierung die Dititalisierung. Erstes Projekt war die Internetplattform Backen.de. Unter DeineTorte.de können Kunden im Netz personlisierte Kuchen inklusive Fotoaufdruck zusammenstellen und in Auftrag geben.

Die Zahl der Beschäftigten ist mit 11.617 (11.640) weitgehend stabil geblieben. 7098 (7171) arbeiten in Deutschland, davon 1600 an den OWL-Standorten Bielefeld und Oerlinghausen.

Die letzten zwei Monate des vergangenen Geschäftsjahres waren für den Konzern insofern besonders, als nach dem Ausscheiden von Richard Oetker erstmals kein Familienmitglied an der Spitze der Nahrungsmittelunternehmen stand. Der Nachfolger Dr. Albert Christmann wertete das Ergebnis angesichts der Herausforderungen und Veränderungen im Markt als »insgesamt ordentlich«. »Recht ordentlich« sei auch der Start ins Jahr 2018 gewesen. Auch ohne Akquisitionen habe das Unternehmen zulegen können.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5748286?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F