So., 27.05.2018

Bielefelder Unternehmen Heiler entwickelt Hybridrasen für Sportplätze Dieser Fußball-Rasen ist voll kompostierbar

Mit Ökofasern: Michael Heiler zeigt die Fäden aus Maisstärke, die dem Unterbau des Fußballplatzes Halt geben.

Mit Ökofasern: Michael Heiler zeigt die Fäden aus Maisstärke, die dem Unterbau des Fußballplatzes Halt geben. Foto: Thomas F. Starke

Von Michael Diekmann

Bielefeld (WB). Der Patenantrag läuft, das Gebrauchsmuster liegt vor. Und bei Drittligist Lotte liegt der erste vollkompostierbare Hybridrasen im Profifußball. Entwickelt haben das neue Produkt Michael und Udo Heiler.

Die Ummelner Spezialisten mit 80 Mitarbeitern, die im Profifußball sämtliche ersten Adressen von Bayern bis Schalke betreuen, sich  um Arminias Grün kümmern und schon alle Spielstätten einer kompletten Weltmeisterschaft wie 2006 ausgestattet und betreut haben, glauben die Lösung gefunden zu haben für zwei wesentliche Probleme, mit denen das Material unter der Last der Profistollen und des Wetters zu leiden hat.

Tonnenweise Kunststoff liegt auf öffentlichen Bolzplätzen. Dazu wächst weiter die Zahl der Kunstrasenfelder mit einer Lebenserwartung von etwa 15 Jahren. Der erste Hybridrasen, erklärt Michael Heiler (52), war eine Konstruktion aus Rollrasen und Taftung. So nannte man das Vernähen mit Fäden – allerdings aus Kunststoff. Während Umweltschützer, Sportpolitiker und DFB ökologisch verträglichere Platzarten einfordern, machte man sich in Ummeln vor fünf Jahren an die Arbeit. Ziel sei es gewesen, erklärt Heiler, Höchstleistung im Fußball mit Nachhaltigkeit zu verbinden.

Fasern der Trageschicht beimischen

Der Schlüssel zum Erfolg kommt wie so oft aus Amerika. Da hatten pfiffige Experten die Idee, eine Kunstfaser aus Maisstärke zu entwickeln. Die kommt rollenweise aus Amerika, wird für Heiler in 55 Millimeter kurze hauchdünne Stücke geschnitten. Diese Fasern mengen die Ummelner der üblichen Rasentragschicht bei, die unter jedem natürlichen Rollrasen ausgebracht wird im Stadion. Die Wirkung der Fasern, bekennt Udo Heiler, sei verblüffend. Probeläufe in einer großen Mischmaschine zeigten, dass das neue Tragmaterial als Klumpen nicht mehr trenbar war. Heiler: »Das wirkt auch, wenn auf der Tragschicht echter Rasen liegt. Der reißt nicht bei jedem Stolleneinsatz Löcher auf.«

Im Gegenteil. Bruder Michael Heiler ist überzeugt, insbesondere in Zeiten immer längerer Nutzungszeiten im Ligabetrieb bei jedem Wetter die Bespielbarkeit eines Naturrasens von etwa 500 Stunden verdoppeln zu können. Was Umweltpolitiker freut: Muss der Rasen tatsächlich einmal gewechselt werden, lässt sich das Altmaterial mit den Ökofasern aus Maisstärke bei 55 Grad im Kompostwerk vollständig verwerten.

Weil Heiler überzeugter Gärtner ist, glaubt er an die Zukunft des echten Rollrasens – dank der Fasertechniologie. Dass 2006 bei der WM bereits Echtrasen gegenüber Kunstrasen totgesagt worden sei, habe sich grundlegend geändert, glaubt er. Kunstrasen ist nur einen Tag wirklich neu, Echtrasen wächst immer nach. Heiler: »Und dank Ökofaser ist er dauerhaft viel stabiler.«

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