Mi., 13.06.2018

Deutsches Fächer Museum präsentiert Sonderausstellung über historische Handtaschen Vom Luxusartikel zum Kulturgut

Günter Barisch vor einer Vitrine mit Freundschaftstaschen in Perlstrickerei aus der Zeit des Biedermeier.

Günter Barisch vor einer Vitrine mit Freundschaftstaschen in Perlstrickerei aus der Zeit des Biedermeier. Foto: Mike-Dennis Müller

Von Uta Jostwerner

Bielefeld (WB). Ob schlicht oder elegant – der Handtasche fällt mehr als ein rein praktischer Nutzen zu. Sie gilt als Luxusgut und Statussymbol, sie gibt Auskunft über feinen Geschmack und Ansehen. Und wird in der kunstfertigen Ausführung vormaliger Zeiten zum Kulturgut.

Davon überzeugen können sich aktuell die Besucher des Deutschen Fächermuseums. Die Sonderausstellung präsentiert Handtaschen und Schmuck unterschiedlichster Machart aus der Zeit um 1800 bis in die Gegenwart. Die nach Themen geordnete Schau aus dem Eigenbestand der Stiftung Barisch ist das besondere Geburtstagsgeschenk an Günter Barisch, der gestern 90 Jahre alt wurde. Ehefrau Marie-Luise Barisch und Mitarbeiterin Maria Plet hatten die Sonderausstellung zu seinen Ehren kuratiert. Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz ließ es sich nicht nehmen, persönlich zu gratulieren und die Grüße der Stadt und des Oberbürgermeisters zu überbringen.

»Viele wissen nicht, dass wir nicht nur Fächer sammeln und ausstellen, sondern auch die Dinge, die eine Dame benötigt, wenn sie ausgeht«, erklärt Günter Barisch, der ab den 1980er Jahren gemeinsam mit Ehefrau Marie-Luise eine weltweit einmalige Fächersammlung zusammentrug. Überlegungen, diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, führten 1994 zur Errichtung einer gemeinnützigen Stiftung, die seit 1995 das Deutsche Fächermuseum – eines von drei Fächermuseen weltweit – betreibt. Entsprechend international ist das Besucherpublikum des Museums, das jetzt für zwei Jahre auch seine beachtliche Handtaschen-Sammlung präsentiert.

Männer zogen die Perlen auf

Einen großen Bereich nehmen Geldbörsen und Taschen ein, die aus Glas- oder Stahlperlen hergestellt wurden. Die Glasperlen aus Venedig, Paris und Böhmen wurden zunächst von Nonnen in Klöstern zu kunstvollen Perlenstrickerein verarbeitet. Zur Zeit der großen Hungersnot von 1816 bis 1818 wurde die Perlenstrickerei in Heimarbeit betrieben. Selbst Kinder wurden in der Kunst unterrichtet, um zum Broterwerb beizutragen. »Den Männern war es vorbehalten, die Perlen in einer vorgeschriebenen Reihenfolge mit Spezialnadeln auf lange Fäden aufzuziehen, die dann von den Frauen als Taschen verstrickt wurden«, weiß Günter Barisch zu berichten. Beliebt waren Blumen- und Rankenmuster, aber auch Tiere und Architekturmodelle sowie Zahlen und Namen. In der Zeit des Biedermeier der Freundschaftskult aufkam, wurden Perlstricktaschen von Frauen in Mußestunden als Geschenke gearbeitet.

Zu den Prachtstücken der Ausstellung gehören Tabakbeutel, Jagdtaschen, Geldstrümpfe und Abendtaschen aus Gold und Silber, Leder und Elfenbein. Zu sehen ist etwa die Abendtasche der italienischen Königin Marie-José sowie eine filigrane Arbeit aus der Bielefelder Schmiede des Juweliers Schlüter aus dem Jahr 1910

. Zur Wiener Weltausstellung 1873 machten Orientteppiche Furore, die bald auch als Mustervorlage für Glasperlentaschen dienten. Zu den Exoten in der Ausstellung gehören eine Kokusnusstasche aus Afrika und eine Holztasche aus Indien.

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