Mi., 13.06.2018

Mordprozess gegen Punkerin – Belastungszeugin mauert vor dem Schwurgericht DNA-Spuren am Stiefel stammen vom Opfer

Tanja Z. muss sich wegen Mordes verantworten.

Tanja Z. muss sich wegen Mordes verantworten. Foto: Bernhard Pierel

Von Uwe Koch

Bielefeld (WB). Unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen soll das spätere Opfer Viktor F. (37) die Punkerin Tanja Z. (31) sexuell belästigt haben. Das hat die Strafgefangene Silvia G. vor der Polizei ausgesagt. Dienstag »mauerte« die 29-jährige Frau vor dem Schwurgericht. Dort muss sich Tanja Z. wegen Mordes an F. verantworten.

Dass es überhaupt noch zu diesem Prozess vor der 10. Strafkammer des Landgerichts gekommen ist, beruht auch auf den Aussagen dieses weiblichen Häftlings und einigen anderen Insassen der Justizvollzugsanstalt Bielefeld. Dort saß Tanja Z. bis Ende des Jahres 2017 ein. Sie war verdächtig, Viktor F. am 10. Mai des vergangenen Jahres so massiv gegen Schädel und Körper getreten zu haben, dass der 37-jährige Alkoholiker an den Folgen seiner Verletzungen verstarb.

Die Beweise reichten zunächst nicht aus, Tanja Z. wurde aus der Haft entlassen. Dann tauchten aus der JVA Bielefeld eben diese neuen Beweise auf, Urheberin war die Insassin Silvia G. Sie wurde im Januar von Polizeibeamten vernommen und erzählte ihnen, was sie angeblich von Tanja Z. erfahren hatte. »Der Russe wollte was von ihr«, zitierte Schwurgerichts-Vorsitzender Christoph Meiring das Polizeiprotokoll. F., Z. und ihr Ehemann hätten »Drogen und Alkohol« konsumiert, dann sei »der Russe« zudringlich geworden. Silvia G. weiter: »Dann haben die beiden getreten.« Tanja Z. habe den Schwerstverletzten später aus der Wohnung auf die Gustav-Winkler-Straße in Ubbedissen geführt, weil sie »das Opfer davor schützen wollte, dass ihr Mann noch was Schlimmeres machte. Dann hat Tanja noch gesagt, dass der Kiefer gebrochen war.« und weiter: »Hätte ich ihn mal in der Wohnung gelassen, dann hätte keiner was gemerkt. Dann wäre er verreckt.«

Keine Erinnerung an Aussage?

Silvia G. mochte sich Dienstag nicht mehr an diese Aussagen von vor fünf Monaten erinnern. Auch eine Mitinsassin meinte, dieses »Gerede« sei von einer anderen Frau in der JVA lanciert worden. Das Schwurgericht will nun am kommenden Verhandlungstag, 3. Juli, einen Polizeibeamten zu dem Protokoll hören.

Den Richtern lag Dienstag auch das DNA-Gutachten über die Springerstiefel den Angeklagten und ihres Ehemannes vor. Beide besaßen je ein Paar schwarze und ein Paar rote Stiefel. Da beide Ehepartner die gleiche Schuhgröße haben, benutzten sie die Stiefel wechselseitig. An einem roten Stiefel fanden Chemiker des Landeskriminalamtes (LKA) nun DNA-Spuren des getöteten Viktor F. Im Inneren des Schuhs wurden indes Spuren von zwei Menschen gefunden – von Tanja Z. und von ihrem Ehemann.

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