Mi., 13.06.2018

Grüne beantragen Umbenennung – Von Bodelschwinghsche Stiftungen sind dagegen Debatte um Richard-Wilmanns-Weg

Der Richard-Wilmanns-Weg ist eine ruhige Wohnstraße in Gadderbaum.

Der Richard-Wilmanns-Weg ist eine ruhige Wohnstraße in Gadderbaum. Foto: Bernhard Pierel

Von Hendrik Uffmann

Bielefeld (WB). Seit 1961 gibt es in Gadderbaum den Richard-Wilmanns-Weg. Doch die kurze und ruhige Wohnstraße soll umbenannt werden, wenn es nach den Grünen in der Bezirksvertretung Gadderbaum geht. Denn der Namensgeber, von 1925 bis 1949 leitender Arzt in Bethel, sei verantwortlich für Zwangssterilisationen, die von 1934 bis 1944 in den dortigen Kliniken durchgeführt worden seien.

»Ein Gedenken an Richard Wilmanns durch eine Straßenbenennung von 1961 ist heute nicht mehr tragbar«, erklärt Peter Brunnert in dem Antrag, in dem die Grünen-Fraktion die Einleitung eines Verfahrens zur Umbenennung der Straße fordert. In ihrer Sitzung am Donnerstag (17 Uhr, Feuerwehr-Gerätehaus am Quellenhofweg) berät die Bezirksvertretung über diesen Antrag.

»Verantwortlich für Zwangssterilisation«

Prof. Dr. Richard Wilmanns war von 1925 bis 1949 leitender Arzt Sareptas. Er sei verantwortlich für die Zwangssterilisationen, die es in den Krankenhäusern Gilead und Nebo gegeben habe. Berichtet werde, so Brunnert, von 1092 Männern, die allein in Nebo von 1934 bis 1944 in Nebo sterilisiert worden seien, in Gilead seien es weitere 498 Menschen gewesen.

In ihrem Antrag berufen sich die Gadderbaumer Grünen auch auf das Buch »Von Anfang an evangelisch«, das Kerstin Stockhecke, Leiterin des Bethel-Archivs, und Hans-Walter Schmuhl 2013 im Bethel Verlag zur Geschichte des Krankenhauses Gilead herausgegeben haben.

Darin heiße es: »Der Umstand, dass im Krankenhaus Gilead in mehreren Fällen auch Abtreibungen aus eugenischer Indikation, eine Röntgensterilisation und eine Kastration durchgeführt wurden, unterstreicht noch einmal den Befund der neueren Forschung, dass die v. Bodelschwinghschen Anstalten bei der Mitwirkung am NS-Sterilisationsprogramm über die vom Central-Ausschuss für Innere Mission gezogenen roten Linien hinausgingen und sich zur willigen Vollstreckerin der nationalistischen Erbgesundheitspolitik machten.«

Pastor Pohl: »Das geht«

Die von Bodelschwinghschen Anstalten sehen allerdings derzeit keinen Anlass, die Umbenennung der Straße zu befürworten, erklärt Vorstandsvorsitzender Pastor Ulrich Pohl. »Bereits 1961 ist geprüft worden, ob wir die Straße nach Richard Wilmanns benennen können. Und der Vorstand ist damals zum Schluss gekommen, dass das geht.«

Fest stehe, dass sich Wilmanns an Zwangssterilisationen beteiligt habe, so der Pastor. »Er hat mitgemacht, das ist keine Frage. Und das bedeutet eine schwere persönliche Schuld, die nicht wieder gutzumachen ist.« Jedoch habe Wilmanns nicht aus nationalsozialistischem Gedankengut heraus gehandelt, sondern aus genetisch-medizinischen Gründen. Pohl: »Wie so viele andere in Bethel auch. Und zu dieser Schuld bekenne wir uns auch, unter anderem mit der Gedenktafel, die dazu am Bethelplatz steht.«

»Er gehört nicht allein an den Pranger gestellt«

Er sei jedoch nicht der Auffassung, dass Wilmanns allein für diese Geschehnisse verantwortlich gemacht werden könne. »Ihn als Hauptverantwortlichen herauszugreifen, finde ich nicht richtig. Er gehört nicht alleine an den Pranger gestellt.« Darüber hinaus habe Wilmanns auch viel Gutes in Bethel getan.

Die von Bodelschwinghschen Stiftungen würden den Sachverhalten nun noch einmal prüfen. Für eine Änderung des Straßennamens müssten aber neue Erkenntnisse vorgelegt werden, so der Vorstandsvorsitzende.

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