Fr., 22.06.2018

Schadstoff-Messungen des Handelsverbandes unterscheiden sich von den amtlichen Jahnplatz: Grenzwert nicht überschritten

Der Passivsammler zwischen den Fahrspuren auf dem Jahnplatz hat keine Grenzwertüberschreitung gemessen.

Der Passivsammler zwischen den Fahrspuren auf dem Jahnplatz hat keine Grenzwertüberschreitung gemessen. Foto: Thomas F. Starke

Von Hans-Heinrich Sellmann

Bielefeld (WB). Jetzt wird das ohnehin schon sperrige Thema Schadstoffbelastung am Jahnplatz noch unübersichtlicher. Die vom Handelsverband in Auftrag gegebenen Stickstoffdioxid-Messungen ergeben Werte, die nicht nur unter denen des Landesumweltamtes liegen, sondern auch unter dem zulässigen Grenzwert.

Um die Stickstoffdioxid-Belastung am Jahnplatz zu messen, hatte das Landesumweltamt (LANUV) auf Daten eines Passivsammlers in Höhe des Hauses Herforder Straße 7 zurückgegriffen. Danach sind die Ergebnisse alarmierend . Mit Jahresmittelwerten von 49 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft für das Jahr 2016 und von 47 Mikrogramm für 2017 wurde der Grenzwert von 40 Mikrogramm gleich zwei Mal eindeutig überschritten.

Massive Kritik an Standort und Art der Messung

Doch Standort und Art der Messung waren massiv in die Kritik geraten. Denn die Auswirkungen dieser Messungen können gravierende Folgen haben. Der Jahresmittelwert ist ausschlaggebend für den von der Bezirksregierung aufzustellenden Luftreinhalteplan und daraus möglicherweise resultierende Verkehrsbeschränkungen. Zur Erinnerung: Stickstoffdioxide werden insbesondere von Diesel-Fahrzeugen freigesetzt und sind bei anhaltend hohen Konzentrationen gesundheitsgefährdend.

»Das wird von uns weiterhin auch gar nicht in Frage gestellt«, sagte Thomas Kunz. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes OWL stellte am Donnerstag mit den Vorsitzenden des Handelsverbandes Bielefeld, Jens Fedeler, der Kaufmannschaft Altstadt, Henner Zimmat, und der Werbegemeinschaft City, Johannes Göke, die Messungen an drei weiteren Standorten des Jahnplatzes vor. »Es hat uns nicht gereicht, dass nur an einer einzigen Stellen gemessen wird und auf dieser Grundlage die Verkehrsführung in Bielefeld geändert werden soll«, so Kunz weiter.

Drei eigene Messstellen

Der Handelsverband hatte im April 2017 mit denen des LANUV vergleichbare Passivsammler aufgestellt – mit diesen Ergebnissen: An der Herforder Straße 15 liegt für die folgenden zwölf Monate bis April 2018 ein Durchschnittswert von 33,4 Mikrogramm vor. Diese Werte gelten zwar nicht als offizielle Jahresmittelwerte. Vergleichbare Rechnungen haben in der Vergangenheit aber gezeigt, dass es wohl nur um Abweichungen im Nachkomma-Stellenbereich gehen würde.

Auf der Fußgängerinsel zwischen den vier Fahrspuren genau auf dem Jahnplatz, also dort, »wo eigentlich die höchste Konzentration sein müsste« (Kunz), lag der Wert bei 34,8 Mikrogramm. Die Messungen am Altstadteingang in Höhe von TK Maxx hat der Handelsverband im November eingestellt, weil sie mit einem Mittel von 25,1 Mikrogramm mehr als deutlich unter dem Grenzwert lagen.

Zeitgleich wurde ein neuer Messpunkt eingerichtet, an der Herforder Straße 7, wo das LANUV inzwischen als Reaktion auf die Kritik der Durchführung einen Mess-Container aufgestellt hatte. Kunz: »Hier haben wir in drei Zeiträumen Überschreitungen, aber noch kein Jahresmittel.« Der bisherige Durchschnittswert liegt bei 40,3 Mikrogramm.

Kunz: Nur ein Punkt ist nicht repräsentativ

Damit ist für Thomas Kunz klar, dass nur ein Messpunkt nicht repräsentativ sein kann. »Es gibt bereits deutliche Unterschiede, wenn man nur 50 Meter in die eine oder andere Richtung geht.« Nach ihren Messungen gebe es keine Grundlage, auch nur einen Verkehrsversuch durchzuführen. Der soll demnächst simulieren, was auf den Jahnplatz zukommen könnte: nur eine Spur für die Autofahrer und eine so genannte Umweltspur für Busse und Radfahrer.

»Für die Innenstadt bleibt es problematisch. Die Schadstoffbelastung wird nur verlagert, weil es bei nur einer Spur zu Staus kommen wird«, sagte Kunz, der sich ausdrücklich nicht als Stimme der Auto-Lobby versteht. »Und geht es darum, dass die Kunden problemlos die City erreichen. Egal, ob mit Bus, Bahn, Rad, zu Fuß oder eben mit dem Auto.«

Die Sorgen der Händler

Henner Zimmat kann sich zwar gut vorstellen, dass sich die Bielefelder auf eine geänderte Verkehrsführung schnell einstellen: »Aber viele Kunden von außerhalb gucken sich das einmal an und kommen dann nie wieder.« Die Händler haben große Sorge, so Kunz, dass sich ihre Kunden anders orientieren: »Die fahren dahin, wo sie schnell in die City kommen.«

Jens Fedeler bemängelte, dass den Kunden keine Alternativen angeboten werden: »Nur der Hinweis, auf ÖPNV und Fahrrad umzusteigen, reicht nicht.« Kostenfreie Tickets, mehr Park-and-Ride-Plätze oder eine Begrünung des Jahnplatzes könnten Ansätze sein. Erst die Kundschaft mit dem Loom anzulocken und dann den Verkehr zu beschneiden, sei jedenfalls kein Konzept.

Thomas Kunz abschließend: »Wir warnen davor, schnelle Schlüsse aus den Daten zu ziehen und damit Innenstadt und Händler zu schaden. Das Thema muss breiter diskutiert werden.«

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