Sa., 11.08.2018

»Wegweiser«: Regierung veröffentlicht Zahlen zum Standort Bielefeld/Herford Anti-Salafismus-Projekt: mehr als 300 Anfragen

Auch in Bielefeld verteilten Salafisten den Koran (hier ein Symbolfoto). Mittlerweile ist die Koran-Verteilaktion in den Innenstädten verboten.

Auch in Bielefeld verteilten Salafisten den Koran (hier ein Symbolfoto). Mittlerweile ist die Koran-Verteilaktion in den Innenstädten verboten. Foto: dpa

Bielefeld/Herford (WB/sb). Sicherheitsbehörden rechnen 150 Menschen in OWL der salafistischen Szene zu. Um zu verhindern, dass sich vor allem junge Menschen radikalisieren, hat das Land 2014 das Präventionsprojekt »Wegweiser« ins Leben gerufen. Am 1. April 2017 wurde der Standort Bielefeld/Herford gegründet. Mehr als 300 Beratungsanfragen hat es seit der Eröffnung des Büros bis zum Ende des ersten Quartals 2008 gegeben.

Das berichtet jetzt die Landesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten Markus Wagner (Bad Oeynhausen). Bei den Beratungsanfragen handelte es sich um Gespräche mit Menschen aus dem sozialen Umfeld des Betroffenen, aber es gab auch allgemeine Anfragen zum Thema Salafismus oder zu Vorträgen, heißt es weiter. Das gesamte Projekt mit aktuell 14 Standorten in NRW kam nach Angaben des Innenministeriums seit 2014 auf 12.000 Anfragen. Es sei in mehr als 600 Fällen gelungen, betroffene Jugendliche zu erreichen, sagte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage.

Allen Beratungsstellen stehen zwei Vollzeitstellen zur Verfügung. Träger in Bielefeld/Herford ist die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Gefragt wurde in der Anfrage im Landtag auch nach den Beratungsgesprächen pro Fall. »Durchschnittswerte haben in der Präventionsarbeit keine Aussagekraft, da diese die Arbeit an den jeweiligen Standorten nicht adä­quat abbilden. Jeder Radikalisierungsprozess und eine darauf bezogene Beratung ist ein Einzelfall«, heißt es in der Antwort der Landesregierung.

Die Erfolgsquote

Schließlich äußerte sich die Regierung auch zur Erfolgsquote. Es sei bereits ein »großer und positiver Schritt«, wenn man gefährdete Jugendliche oder ihr Umfeld frühestmöglich erreiche und ihnen somit helfen könne. »Nach den derzeitigen Erkenntnissen aus der Wegweiser-Arbeit gelingt dieser positive Schritt in einer überwiegenden Anzahl der Beratungsfälle«, teilte die Landesregierung mit. Die Rede ist von »80 bis 90 Prozent«. »In diesen Fällen wurde das für eine Beratung und die Zusammenarbeit notwendige Vertrauen geschaffen.«

Der Salafismus ist eine ultrakonservative Strömung im Islam. Aus dem Kreis werden auch islamische Kämpfer rekrutiert. Das Wegweiser-Projekt wurde 2014 noch von der damaligen rot-grünen Landesregierung initiiert – zunächst in Düsseldorf, Bochum und Bonn.

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