Do., 14.06.2018

Der Wimbledonsieger spielt zum letzten Mal in Halle Es naht der Stich-Tag

Michael Stich schlägt noch einmal in Halle auf.

Michael Stich schlägt noch einmal in Halle auf. Foto: dpa

Von Hans Peter Tipp

Halle (WB). Es gibt sie immer noch, diese Momente. Aber nur noch ganz selten. Doch dann bleibt auch Michael Stich mal bei einem fünften Satz aus der eigenen Vergangenheit hängen. Wie an Weihnachten, als sein Vater eine alte VHS-Kassette hatte digitalisieren lassen: Stich gegen Muster, Deutschland gegen Österreich, Davis Cup, 1994.

»Irgendwie ist das mal witzig, weil es natürlich Erinnerungen hervorruft. Vor allem aber merkt man, dass man älter geworden ist«, sagt der frühere Weltklasseprofi, der am 18. Oktober seinen 50. Geburtstag feiert: »Generell bin ich jedoch keiner, der die alten DVDs rausholt und sich anschaut.«

Fest verankert im Hier und Jetzt

Seine »wichtigsten sechs, sieben, acht Pokale«, wie er sagt, habe er zwar zuhause am Hamburger Stadtrand in einer Bücherwand stehen, aber fest verankert ist Stich im Hier und Jetzt. Anders als mancher seiner früheren Tenniskollegen hat der Wimbledonsieger von 1991 – unvergessen der Triumph im Endspiel gegen Boris Becker – sein Leben im Griff.

Nach dem frühen Karriereende mit 28 Jahren hat Stich ein Unternehmen im Gesundheitswesen mit aufgebaut, ist mit seiner Stiftung im Kampf gegen Aids aktiv, hält Beteiligungen sowie Investments und ist – in diesem Sommer allerdings letztmalig – Turnierdirektor am Hamburger Rothenbaum.

Trotz des anstehenden runden Geburtstages werde sich für ihn nichts Wesentliches ändern, sagt Stich: »Ich werde ja nur 50. Es wird jetzt nicht mehr oder weniger Zeit zur Verfügung stehen als vorher. Das Leben geht einfach ganz normal weiter.«

Mit fünfjähriger Verspätung will Stich nun aber einen Entschluss umsetzen, den er angeblich schon 2013 gefasst hat. Vom kommenden Jahr an will der gebürtige Pinneberger keine Showmatches mehr bestreiten.

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»Dass die Entscheidung nun gerade in das Jahr meines 50. Geburtstags fällt, ist eher Zufall.«

Michael Stich

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Wie beim Ende seiner Profikarriere ist es Stich sehr wichtig, diese Entscheidung selbst zu treffen und nicht durch äußere Umstände dazu gezwungen zu sein. Auch das Spätwerk seines Sportlerlebens möchte er erhobenen Hauptes abschließen. »Dass die Entscheidung nun gerade in das Jahr meines 50. Geburtstags fällt, ist eher Zufall«, sagt Stich: »Irgendwann muss ich ja mal aufhören. Schließlich muss man die Fans auch mal davon erlösen, dass sie einen noch sehen.«

Der Gedanke daran sei 2013 beim Legendendoppel während der French Open gereift. Stich erinnert sich: »Ich habe zusammen mit Peter McNamara, damals auch schon 58, gegen John McEnroe und Adriano Panatta gespielt, der Anfang 60 war. Da ist mir aufgefallen, dass das mit Tennis nicht mehr viel zu tun hatte. Das war eher ›Betreutes Tennisspielen‹. Und das will ich für mich nicht.«

In Halle einer seiner letzten Showauftritte

Einer seiner letzten Showauftritte führt Stich jetzt zur Champions Trophy am 16. Juni bei den Gerry Weber Open. Im Juli spielt der Ex-Profi am Rothenbaum noch einmal gegen John McEnroe, mit dem er 1992 in Wimbledon das längste Männerdoppel-Finale (5:01 Stunden) gewann.

Dass es anschließend irgendwo zu einem allerletzten Match kommen könnte, will der Hamburger nicht ausschließen. Geplant sei jedoch noch nichts. Danach aber schlägt Stich unwiderruflich nicht mehr für Geld auf, sondern nur noch dann, wenn ihm wirklich danach ist. Zum Glücklichsein braucht er das Tennisspielen jedenfalls nicht mehr.

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