Do., 18.01.2018

Nächtliches Drama in Asylunterkunft – Abzuschiebende gelangen an Polizeipistole und geben Schüsse ab SEK beendet Geiselnahme bei Abschiebung

Diese Asylunterkunft in Borgholzhausen ist Schauplatz eines nächtlichen Abschiebedramas mit zwischenzeitlicher Geiselnahme geworden.

Diese Asylunterkunft in Borgholzhausen ist Schauplatz eines nächtlichen Abschiebedramas mit zwischenzeitlicher Geiselnahme geworden. Foto: Stefan Küppers

Von Stefan Küppers

Borgholzhausen (WB). In Borgholzhausen ist es bei einer Abschiebeaktion in einer Asylunterkunft am frühen Donnerstagmorgen zu einer Geiselnahme gekommen, bei der auch Schüsse fielen. SEK-Kräfte der Polizei haben das Drama beendet.

Gegen 3.30 Uhr rückten in der städtischen Asylunterkunft an der Sundernstraße in Borgholzhausen Mitarbeiter der Ausländerbehörde des Kreises Gütersloh unterstützt von zwei Polizeibeamten an.

Asylantrag eines Ehepaares aus Aserbaidschan abgelehnt

Eine Ehepaar aus Aserbaidschan (49 und 53 Jahre alt), das sich seit Jahren in Deutschland aufhält, sollte abgeschoben werden. In der Wohnung befanden sich außerdem zwei erwachsene Töchter des Ehepaares, für die keine Abschiebung angeordnet war, sowie ein Freund der einen Tochter. Gegen 3.30 betraten der Vertreter der Ausländerbehörde, die beiden Polizisten, ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes sowie ein Arzt die Wohnung. In den Einsatz waren auch zwei Mitarbeiter der Stadtverwaltung Borgholzhausen involviert, die in der Flüchtlingsbetreuung tätig sind.

In der Asylunterkunft kam es dann zu Gewalthandlungen. Während des Gerangels wurde den Polizeibeamten aus der Familie heraus eine Dienstwaffe abgenommen und daraus mehrere Schüsse abgefeuert. Die Polizeibeamten und der Arzt konnten aus der Wohnung fliehen, der Mitarbeiter des Ausländeramtes und der Sicherheitsmitarbeiter nicht. Die Familie, die nach Polizeidarstellung weiterhin Zugriff auf die Waffe hatte, verschanzte sich mit den beiden Personen in der Wohnung. Gegen 4.15 Uhr setzten die Polizeibeamten einen Notruf ab. 

Ehefrau verletzt sich mit einem Messer

Gegen 4.55 Uhr übernahm das Polizeipräsidium Bielefeld die Führung dieses Einsatzes. Spezialeinheiten wurden angefordert. Bevor es zu einem Zugriff des SEK kam, so berichtet die Polizei, öffneten Familienmitglieder die Wohnungstür und stellten sich freiwillig den Einsatzkräften. In der Wohnung wurde die von der Abschiebung betroffene Frau verletzt aufgefunden. Sie hatte sich nach bisherigen Erkenntnissen selbst eine Stichverletzung zugefügt. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht. Von den Schüssen, über deren Anzahl es bisher keine Angaben gibt, wurde niemand verletzt. Der Vater, eine der zwei erwachsenen Töchter, sowie der Besucher beziehungsweise Freund der Tochter kamen in Polizeigewahrsam. Die Polizeibeamten und der Mitarbeiter des Ausländeramtes werden psycholgisch betreut. Ermittlungen und Spurensicherung des Polizeipräsidiums Bielefeld dauern an.

Die Familie galt nach WB-Informationen schon vor dem Einsatz als polizeibekannt. Das Ehepaar hatte Anfang der 2000er Jahre bereits einmal einen Asylantrag in Deutschland gestellt, war dann aber zwischenzeitlich wieder ausgereist. Vor einigen Jahren wurde ein erneuter Antrag gestellt, der nach mehreren Instanzen nunmehr rechtskräftig abgelehnt war.

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