Di., 06.02.2018

Deutschlands zweitgrößtes Münzauktionshaus ist in Borgholzhausen beheimatet »Versteigern ist oft besser als verkaufen«

Diesen Münzschrank wollte Volker Wolframm zunächst gar nicht anbieten. Statt der verlangten 100 Euro brachte er am Ende mit 1150 Euro mehr als das Elffache ein.

Diesen Münzschrank wollte Volker Wolframm zunächst gar nicht anbieten. Statt der verlangten 100 Euro brachte er am Ende mit 1150 Euro mehr als das Elffache ein.

Von Johannes Gerhards

Borgholzhausen (WB). Wenn einem eine Sammlung alter Münzen in die Hände fällt, sollte man nicht vorschnell zum nächsten Händler laufen, um den vermeintlichen Schatz zu versilbern. Möglicherweise könnte eine Auktion der bessere Weg sein. Das empfiehlt Volker Wolframm, der gemeinsam mit seinem Sohn Jens die Teutoburger Münzauktion als GmbH leitet.

Das eher unscheinbare Gebäude einer ehemaligen Gaststätte an der Brinkstraße sei abgesichert wie Fort Knox, betont Volker Wolframm, schließlich liege der Jahresumsatz im zweistelligen Millionenbereich. Viermal im Jahr finden hier öffentliche Auktionen statt, an der sich neben knapp zweihundert Interessenten vor Ort auch zwischen zwei- und dreitausend Bieter über das Internet beteiligen. Weltweit erhalten rund 37.000 Kunden den zu jeder Auktion erscheinenden Katalog mit mehr als 400 Seiten.

Auktionen in Borgholzhausen erbringen sogar Millionenumsätze

Die 111. Versteigerung Anfang Dezember erbrachte mehr als eine Million Euro Umsatz. Das Auktionshaus erhält für seinen Service Provisionen von Käufern und Verkäufern, was sich für alle Beteiligten lohnen kann. So wurde das Titelstück der letzten Auktion, ein Reichstaler von 1622, mit 2.500 Euro eingestuft und für die doppelte Summe versteigert. Bei einem polnischen Taler von 1633 betrug die Taxe 500 Euro, der Zuschlag dagegen 2.600 Euro. Beim äußerst seltenen 300 Jahre alten Viertel-Reichstaler stieg die Auktionssumme vom gleichen Ausgangswert sogar auf 4.100 Euro. Eine andere Münze brachte 7.500 Euro mehr ein als der ursprüngliche Schätzwert.

Dagegen erzielte das teuerste Stück der jüngsten Auktion anstelle der angegebenen 50.000 Euro »nur« 47.000 Euro. »Für Raritäten gibt es immer Kunden, solange der Sammlermarkt intakt ist«, sagt Volker Wolframm, der zudem einen Trend zum »Erhaltungsfetischismus« ausgemacht hat. Hier sollen alte Stücke möglichst wie frisch geprägt aussehen. Goldmünzen seien als Geldanlage eher zu empfehlen, weil sie im Gegensatz zu Goldbarren weltweit von jeder Bank angenommen werden.

Briefmarken-Sammlungen sind auf dem Rückzug

Auf dem Rückzug befinde sich dagegen das Sammeln von Briefmarken, weil dieses Hobby unter Jugendlichen kein Interesse mehr finde. Dennoch hat auch die Teutoburger Münzauktion einige Raritäten und Sammlungen im Angebot. Ein Schwerpunkt ist der Markt für chinesische Münzen und Kunstobjekte, die seit 2006 verstärkt auf dem internationalen Markt angeboten werden.

»Unter unseren Kunden sind Chinesen, Russen und Amerikaner«, berichtet Volker Wolframm. Er hat früh sein Hobby zum Beruf gemacht, mit einem Numismatikstudium in Wien unterfüttert und sich seit nunmehr 30 Jahren einen exzellenten Ruf als Vermittler erworben. Da bleibt es nicht aus, dass er gelegentlich auch Angebote aus zwielichtigen Quellen erhält. Auf kriminelle Händler lässt er sich aber nicht ein, denn »bei Auktionen haben wir gläserne Taschen, weil das Finanzamt mitverdient«.

Nächste Auktion am 23. und 24. Februar 2018

Inzwischen beschäftigt Wolframm acht fest angestellte Mitarbeiter, bildet vier Bürokaufleute aus und reist regelmäßig zu den großen Münzmessen in München, Frankfurt, Wien und Berlin. Die nächste turnusmäßige Auktion am Stammsitz Borgholzhausen findet am 23. und 24. Februar statt.

Für alle Sammler, die an Zwei-Euro-Münzen interessiert sind, hat der ausgewiesene Fachmann und lizenzierte Auktionator aber nur eine ernüchternde Auskunft parat: »Wenn es nicht gerade die Monaco-Ausgabe mit Grace Kelly ist, lohnt es sich nicht«. Diese werde aber immerhin auch schon für 1.500 Euro gehandelt.

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