Sa., 03.03.2018

»Best of WLL«: Landjugend-Revival-Party steigt im Haus Hagemeyer Die Protestbewegung vom Lande

Reiner Stodieck und Marianne Hoppe laden ein zur Party »Best of WLL«. Dafür haben sie Liederbücher und die Landjugend-Zeitschrift ausgepackt, und auch Kultprodukte, die es damals schon gab – den PEZ-Spender oder Ahoi-Brause.

Reiner Stodieck und Marianne Hoppe laden ein zur Party »Best of WLL«. Dafür haben sie Liederbücher und die Landjugend-Zeitschrift ausgepackt, und auch Kultprodukte, die es damals schon gab – den PEZ-Spender oder Ahoi-Brause. Foto: Klaus-Peter Schillig

Von Klaus-Peter Schillig

Halle/Borgholzhausen (WB). Von wegen »biedere Bauernsöhne und -töchter«: Als in den 70er Jahren in den Städten Studenten protestierten, blieb auch auf dem Land die Jugend nicht still. An die Mischung aus Aufbegehren und Folklore erinnert eine Party am 24. März im Haus Hagemeyer-Singenstroth.

»Best of WLL« haben Reiner Stodieck, Marianne Hoppe (geb. Schabbehard) und Anja Margenau ihre Revival-Party genannt, zu der sie alle früheren Landjugendmitglieder aus den 70er, 80er und 90er Jahren einladen. Dabei soll sich wiederspiegeln, was schon vor 40 Jahren die Landjuigendarbeit im Altkreis Halle ausgezeichnet hat: Diskutieren, Volkstanz und vor allem Feiern.Sieben Landjugend-Ortsvereine gab es in den 70er Jahren im Altkreis Halle, dazu hatte sich auch die Landjugend Hollen gesellt, erinnert sich Reiner Stodieck, der damals der erste Vorsitzende des Kreisverbandes Gütersloh wurde, der nicht von einem Bauernhof kam.

Der Kuckuck war ein Preußenadler

»Wir waren ein bisschen auch ein Ausfluss der 68-Bewegung«, blickt er gemeinsam mit Marianne Hoppe zurück. Aus den eigenen Archiven haben sie Antiquarisches mitgebracht. Das WLL-Liederbuch beispielsweise, in dem auch Geschichten und Hintergründe zu eigentlich banal klingenden Kinder- und Volksliedern geschildert werden. »Auf einem Baum ein Kuckuck saß« hatte echte politische Wurzeln. Der Kuckuck war der Preußenadler und der junge Jägersmann Napoleon. Der Kuckuck war »nach einem Jahr wieder da«, Napoleon nicht mehr.

Singen, Theater spielen, Sketche einstudieren für die Erntedankfeiern, die Erntekrone binden, Volkstänze üben und vorführen – »die Landjugend war extrem vielfältig. Wir mussten uns damals unsere Freizeit selbst gestalten«, erzählt Stodieck. Aber nicht von den plattdeutschen Theatertalenten Gerd Kisker und Gerd Rodenbrock-Wesselmann oder von den ersten Deelenfesten, sondern auch von Radio- und sogar Fernsehsendungen.

»Bleibt auf dem Lande und wehret euch täglich«

Die Landjugend mischte sich nämlich auch politisch ein. »Bleibt auf dem Lande und wehret euch täglich« hieß ein Heft mit dem Untertigtel »Was wird aus unserer Demokratie?« Viele Themen, sagt Marianne Hoppe, sind bis heute aktuell geblieben. »Landjugend gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus« hieß damals ein Slogan, man unterstützte die Anti-Atomkraft-Bewegung. Die ärztliche Versorgung auf dem Lande sei damals ebenso ein Thema gewesen wie der Flächenverbrauch, Alternativen zur A-33-Planung beschäftigte die Landjugend ebenso wie die Flurbereinigung.

»Wir haben das Brockhagener Papier mit unterschrieben gegen die Begradigungen von Bächen, Äckern und Wiesen«, erzählt der frühere Kreisvorsitzende. »Wir haben für besseren ÖPNV gekämpft, uns schon Gedanken gemacht über demografischen Wandel und als Jugendliche über Leben im Alter diskutiert«, ergänzt Marianne Hoppe. Man habe damals aber wirkliche Demokratie gelernt.

Chefredakteure bei der Verbands-Zeitschrift

»Moment mal«, die regelmäßig erscheinde Zeitschrift des Westfälisch-Lippischen Landjugendverbandes (WLL), hatte auch mehrere Mitarbeiter und Chefredakteure aus dem Altkreis. Nobert Hempe, Jürgen Umhang oder Harald Wilmczyk beispielsweise. Und viele, die sich damals engagiert haben, sind ehrenamtlich aktiv geblieben. Marianne Kampwerth aus Versmold, Konrad Upmann, Jochen Stoppenbrink, Klaus Heitkämper, um nur einige zu nennen.

Genug Stoff also, um am 24. März ab 19.30 Uhr szenisch ein »Best of« zu erleben, Erinnerungen auszutauschen, Volkstanz zu üben und Party zu machen.

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