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Sa., 22.04.2017

Im Stadtmuseum sind seltene Fotos in 3D-Optik aus dem Ersten Weltkrieg zu sehen Plastischer Eindruck vom Schlachtfeld

Güterslohs Museumsleiter Dr. Franz Jungbluth (39) betrachtet die Stereoskopie-Fotos aus dem Ersten Weltkrieg mit einer Spezialbrille.

Güterslohs Museumsleiter Dr. Franz Jungbluth (39) betrachtet die Stereoskopie-Fotos aus dem Ersten Weltkrieg mit einer Spezialbrille. Foto: Carsten Borgmeier

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh (WB). Sogenannte 3D-Kinofilme vermitteln dem Betrachter mittels einer Spezialbrille einen besonders plastischen Eindruck. Doch dass es auch schon vor mehr als 100 Jahren ähnliche Aufnahmetechniken gab, verblüfft seit Freitag im Stadtmuseum an der Kökerstraße.

Die erst um 1850 erfundene Fotografie steckte zur Zeit des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918) noch in den Kinderschuhen. »Kaum jemand hatte damals das Geld für einen solchen Fotoapparat, mit Ausnahme von Offizieren zum Beispiel«, erläuterte jetzt Museumsleiter Dr. Franz Jungbluth (39) im Hinblick auf die offenbar sehr seltenen Stereoskopie-Bilder. So geben etwa 80 dieser jetzt im Stadtmuseum gezeigten Fotografien einen besonders intensiven, räumlichen Eindruck vom Kriegsgeschehen jener Jahre wider. Dabei handelt es sich um die Nachlässe von Karl Bußhoff aus Walstedde im Münsterland und Otto Mötje aus München. Die Aufnahmen waren laut Jungbluth vor etwa zehn Jahren in dieser Region aufgetaucht und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) angeboten worden.

Dessen Medienzentrum habe sich die insgesamt 500 – davon 100 von Bußhoff und 400 von Mötje – 3D-Fotografien der beiden deutschen Reserve-Offiziere angeschaut und für diese Wander-Ausstellung aufbereitet.

Die Fotografie steckte zu jener Zeit zwar noch in den Kinderschuhen, lernte aber zu laufen: »Die Ära der großen Plattenkameras und langen Belichtungszeiten war vorbei, die Apparate wurden deutlich handlicher. Es wurden Schnappschüsse möglich«, erläutert der Nachfolger von Dr. Rolf Westheider und zeigt auf ein Exponat einer Voigtländer »Compur Stereo« aus dem Jahr 1918.

Entstanden die gezeigten Stereoskopien wohl ausschließlich im persönlichen Umfeld der zwei Soldaten, seien auf Seiten der damaligen französischen oder britischen Feinde bereits ausgebildete Fotografen als Bildberichterstatter an der Front im Einsatz gewesen. Sie dokumentierten – ebenso wie Bußhoff oder Mötje – die Schrecken und das entbehrungsreiche Leben in den Schützengräben und Momente des Entspannens im rückwärtigen Bereich der Front, der Etappe.

Jungbluth vermutet, dass die jetzt im Stadtmuseum des Heimatvereins gezeigten Stereoskopien in Ostwestfalen-Lippe einzigartig sind. Bundesweit sind ihm nur rund 20 ähnliche Fotostrecken in 3D-Optik aus jenen Jahren bekannt.

Die Ausstellung mit Titel »Front 14/18. Der Erste Weltkrieg in 3D« ist am Freitagabend mit einem Vortrag des Kurators Dr. Volker Jakob eröffnet worden. Sie ist bis zum Samstag, 10. Juni, zu sehen.

 www.stadtmuseum-gt.de

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