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Di., 05.12.2017

Gütersloh: Instrument in Martin-Luther-Kirche könnte zum Weltkulturerbe werden Eine Orgel wird verpackt

Stefanie Deppe, Sprecherin der evangelischen Kirche in Gütersloh, nimmt Abschied vom Spieltisch der Steinmeyer-Orgel in der Martin-Luther-Kirche. In Freiburg wird die Setzanlage integriert und ans digitale Bus-System angeschlossen sein.

Stefanie Deppe, Sprecherin der evangelischen Kirche in Gütersloh, nimmt Abschied vom Spieltisch der Steinmeyer-Orgel in der Martin-Luther-Kirche. In Freiburg wird die Setzanlage integriert und ans digitale Bus-System angeschlossen sein. Foto: Carsten Borgmeier

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Die Steinmeyer-Orgel in der Martin-Luther-Kirche, die größte Orgel im Kirchenkreis Gütersloh, wird seit Montag abgebaut und in Kartons verpackt. Wenn sie im Oktober kommenden Jahres frisch saniert wieder ausgepackt wird, könnte sie zum Weltkulturerbe zählen.

Die Unesco (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, also Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) berät derzeit in Südkorea, welche der 50.000 deutschen Orgeln in das Weltkulturerbe aufgenommen werden können. Die denkmalgeschützte, 1951/52 erbaute Steinmeyer-Orgel aus Gütersloh ist sicherlich ein aussichtsreicher Kandidat.

Die »Opus 1803« – so wird die Orgel auf einem Schild des Herstellers genannt – stammt von der Firma G. F. Steinmeyer und Co. aus dem bayerischen Oettingen. Ein Name, der für Qualität stand - das 1847 gegründete Unternehmen stellte den Orgelbau 2001 ein. Für die Sanierung musste darum eine andere Firma gefunden werden. Kirchmeister Friedhelm Reichert: »Ein Gutachter, der unsere Orgel kennt, wies uns auf die Freiburger Orgelbau Hartwig und Tilmann Späth OHG hin. Es hat auch die Steinmeyer-Orgel im Hamburger Michel saniert. Ihr vertrauen wir unsere Orgel an.«

Große Pfeifen werden vor Ort nachintoniert

Bis auf die beiden großen Pfeifen wird die Freiburger Firma die Orgel komplett abbauen und mit in die eigene Werkstatt nehmen. »Das allein sind schon zwei Transporte. Die großen Pfeifen werden vor Ort in der Kirche überarbeitet«, sagt Reichert. Die gesamte Elektrik sei zu überarbeiten – ein Blick auf die verlegten Kabel zeigt, dass daran auch bei der letzten großen Instandsetzung vor 20 Jahren nicht viel passiert ist. Die Setzanlage wird in den Spieltisch integriert und mit einem digitalen Bus-System ausgerüstet; der Spieltisch erhält neue Wippmagneten.

Durch Überarbeitung der Bälge und Erneuerung der Regulierungsvorrichtungen streben die Orgelbauer ein stabiles und stoßfreies Windsystem an, das auf vollgriffiges Spiel sogar mit einem leichten Druckanstieg reagiert. Gleichzeitig werden die ursprünglichen Winddrücke wieder hergestellt. Vor allem aber wird das Pfeifenwerk vollständig einer behutsamen und ausgleichenden Nachintonation unterzogen, ohne den Gesamtcharakter zu verändern. Die Zungenstimmen sollen dadurch tragender, runder und voller klingen.

Hilfe aus Bundesprogramm

Die Generalsanierung wird die Kirche 230.000 Euro kosten. 100.000 Euro wird ein Sonderprogramm des Bundes zur Sanierung bedeutsamer Orgeln beisteuern – ein Zuschuss, den die Kirche dem CDU-Bundestagsabgeordneten Ralph Brinkhaus verdankt. Zum Weihnachtsfest werden die Besucher der Luther-Kirche nicht auf Orgelmusik verzichten müssen. Das Orgelpositiv des Bachchors wird erklingen, außerdem stellt der Städtische Musikverein seine Truhenorgel zur Verfügung. Die frisch sanierte Orgel soll im Rahmen der Orgeltage im November 2018 wieder in der Martin-Luther-Kirche erklingen – dann vielleicht als erstes Weltkulturerbe in der Stadt Gütersloh.

 

Kommentare

Kein Weltkulturerbe

Orgelbau und Orgelmusik sollen in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen werden, nicht einzelne Orgeln aus den etwa 50.000 Instrumenten in Deutschland, denn diese müßten als materielle Kulturgüter auf die Liste des Weltkulturerbes. Die eine Liste hat mit der anderen aber nichts zu tun.
Der Autor hätte im Vorfeld eine saubere Recherche leisten zu müssen, um diesen Unterschied herauszuarbeiten. So scheint er sich auf das verlassen zu haben, was als Halbwissen durch die Orgelszene geistert.
Auch wenn die Steinmeyer-Orgel sicher, wie zahlreiche Werke dieser Firma, ein musikalisch inspirierendes Instrument ist, wird sie Gütersloh nicht zu der Ehre eine Weltkulturerbestätte verhelfen. Hier war der Wunsch wohl der Vater des Gedankens...
Prof. Dr. Michael Gerhard Kaufmann, Autor des Antrags der Bundesrepublik Deutschland bei der UNESCO zur Aufnahme von Orgelbau und Orgelmusik in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit.

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