Sa., 16.12.2017

Gütersloh: Maud Beste will gegen Krankenhausplan des Landes klagen Klinikum verliert 64 Betten

Das Städtische Klinikum soll von derzeit 474 auf 410 Betten herabgestuft werden. Betroffen sind vor allem die Chirurgie, Innere Medizin und Frauenheilkunde/Geburtshilfe. Gegen diesen Bescheid des Landes will sich das Klinikum allerdings wehren.

Das Städtische Klinikum soll von derzeit 474 auf 410 Betten herabgestuft werden. Betroffen sind vor allem die Chirurgie, Innere Medizin und Frauenheilkunde/Geburtshilfe. Gegen diesen Bescheid des Landes will sich das Klinikum allerdings wehren. Foto: Carsten Borgmeier

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Proteste und Stellungnahmen aus Rat und Kreistag haben nichts gebracht – das Städtische Klinikum Gütersloh soll im kommenden Jahr 64 von 474 Betten abbauen. Geschäftsführerin Maud Beste kündigt eine Klage gegen das Land an.

Die Nachricht stammt aus dem Feststellungsbescheid, den die Bezirksregierung im Auftrag des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums an alle Krankenhäuser in Ostwestfalen-Lippe versendet. Das darin mitgeteilte Ergebnis haben Ministerium und Krankenkassen in einem mehr als zwei Jahre dauernden Prozess ausgehandelt.

Noch unter Ministerin Barbara Steffens strebte das Ministerium an, neun Prozent aller Betten in nordrhein-westfälischen Kliniken einzusparen, vor allem in der Chirurgie, den Geburtsstationen, der Frauenheilkunde und der HNO-Medizin. Grund dafür sei die wachsende Zahl ambulanter Eingriffe in diesen Disziplinen.

Überbelegung im Winter

In ihren Stellungnahmen hatten Stadt und Kreis Gütersloh unter anderem auf die Klinik-Schließungen der vergangenen Jahre in Rheda-Wiedenbrück, Versmold und Werther und den sich daraus ergebenden, höheren Bedarf in den verbleibenden Kliniken hingewiesen.

In einer Auswertung von Einsätzen belegte der Leitende Notarzt Bernd Strickmann, dass die Kliniken in den grippereichen Wintermonaten in 60 Prozent der Tage Patienten abweisen müssen – wegen Überbelegung. Angesichts dieser Daten sah der Kreis »die akutmedizinische, ortsnahe Versorgung der Menschen nicht mehr sichergestellt.«

Stärkung des Oberzentrums

Maud Beste stellte fest, dass Ministerium und Kassen in ihrer Kalkulation weder die Isolierungsvorgaben zum Schutz vor Krankenhauskeimen noch die wachsende Zahl der zu versorgenden Flüchtlinge berücksichtigt hätten. Beste: »Einigung konnte in den Bereichen Urologie, HNO und Strahlenheilkunde erzielt werden. Keine Einigung hingegen in den Bereichen Chirurgie, Innere Medizin und Frauenheilkunde/Geburtshilfe, wo die Forderung des Klinikums um 30 Betten über dem jetzigen Feststellungsbescheid lag.«

Das Klinikum habe also zuletzt insgesamt 440 Betten gefordert. Beste: »Das Klinikum Gütersloh hält die zugesprochenen Betten für nicht ausreichend und wird gegen den Feststellungsbescheid Klage beim Verwaltungsgericht Minden einreichen.«

Dezernentin Christine Lang unterstützt diesen Weg: »Unmittelbar brechen uns wegen des Bettenabbaus erst einmal keine Einkünfte weg. Doch werden wir in Infektionszeiten immer mehr Patienten abweisen müssen, die sich zu festen Terminen behandeln lassen wollen.« Konkrete Gründe für den Bettenabbau gingen aus dem Bescheid nicht hervor: »In der Tendenz aber geht es um eine Stärkung des Oberzentrums Bielefeld.«

Kommentare

Überdenken der Gesundheitpolitik ist angesagt

Selbst im Gesundheitswesen ist der permanente Kampf um das goldene Kalb vorhanden. Das ist mehr als bedauerlich. Das Klinikum Gütersloh leistet eine sehr Gute Arbeit. Da es eine ausgeprägte Interdisziplinäre Zusammenarbeit durchführt. Also eine ganzheitliche Behandlung.
Ein Bettenabbau könnte die schon arg strapazierten Personalzahlen betreffen. Und zwar in fast allen Bereichen, welche Patienteninvolviert arbeiten. Es geht dabei um nicht mehr als das menschliche Leben.
Das scheint der "Berliner- und der Landes- Gesundheitstruppe" völlig egal zu sein. Eher wird dem demographischen Wandel entgegengespielt.
Oberzentrum Bielefeld: N E I N D A N K E !!

1 Kommentare

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