Di., 02.01.2018

Pflegefamilie Müller gibt Kindern Halt Mit der Liebe zur Familie viel schaffen

Andrea Müller (39) und ihr Mann Reiner Müller (49) haben den Mut und die Kraft, für Kinder da zu sein. Sie betreuen Pflegekinder in Dauer- und Bereitschaftspflege.

Andrea Müller (39) und ihr Mann Reiner Müller (49) haben den Mut und die Kraft, für Kinder da zu sein. Sie betreuen Pflegekinder in Dauer- und Bereitschaftspflege.

Gütersloh (WB). Die siebenjährige Josefine möchte ihren Bruder nicht mehr missen. Der Vierjährige, den wir hier Guido nennen, kam als zwölf Wochen alter Säugling in die Familie Müller. »Das war am 22. Dezember.« Andrea Müller erinnert sich genau an diesen Moment: Weil der Junge nicht bei seiner leiblichen Mutter bleiben konnte, suchte der Pflegekinderdienst der Stadt Gütersloh eine Familie, die ihn in Dauerpflege betreuen kann – und fand die Müllers.

Binnen Stunden veränderte sich in der Familie alles: Der Schlaf- und Wachrhythmus, der Tagesablauf, die Freizeit und die Gewohnheiten. »Er hat uns viel gefordert, aber er hat unserer Familie auch viel gegeben«, sagt Andrea Müller. »Er gehört zu uns«, sagt auch Reiner Müller. Tochter und Pflegesohn sind ein Herz und eine Seele, spielen gern zusammen und haben natürlich auch Auseinandersetzungen, aber das macht beide stärker. »Auch die Omas und Opas, die Verwandten und Freunde haben den Jungen in ihr Herz geschlossen«, sagt Reiner Müller.

Der Wunsch von einer großen Familie

Als sich die Müllers kennen lernten und heirateten, hatten sie von Anfang an den Traum von einer großen Familie. »Ein langer Esstisch, um den sich eine große Familie gruppiert, das war unsere Vorstellung«, so Reiner Müller. Und für Andrea stand bereits früh fest: »Ich will Kinder, und zwar mehrere.« Doch das war nicht so einfach. Nach Jahren des Wartens, Adoptionsbemühungen und schließlich doch der Geburt der eigenen Tochter war die Freude übergroß. Und Andrea Müller fühlte sich darin bestätigt, dass es ihre Stärke ist, einem Kind Halt zu geben. Deshalb entschloss sich das Ehepaar, ein Kind in Dauerpflege zu übernehmen.

Mit allen Konsequenzen. Nächte, in denen das Ehepaar abwechselnd den schreienden Säugling umhergetragen hat. Zwei Jahre, in denen Andrea Müller kaum eine Nacht durchschlafen konnte. Wie hält man das aus? »Mit der Liebe zum Kind, mit der Liebe zur Familie«, sagt Andrea.

Der 39-Jährigen und dem 49-jährigen Reiner Müller sieht man die Strapazen nicht an. Im Gegenteil. Die ganze Familie scheint an der Aufgabe gewachsen zu sein. »Die Familie gibt dem Pflegekind die Stabilität, hat die so wichtige Bindung aufgebaut«, sagt Patricia Hanschmidt-Engelmann vom Pflegekinderdienst der Stadt Gütersloh.

Verwandte und Freunde stehen hinter der Familie

Als wichtig empfinden Andrea und Reiner Müller ihr gutes Netzwerk. »Ich habe Freundinnen, die Hebammen sind, und gute Kontakte zu Kinderärzten, bei denen man sich schnell Rat holen kann«, sagt Andrea Müller. Sie will da sein für Kinder, die Hilfe brauchen. Deshalb hat sich die Familie dazu entschlossen, auch für Kinder, die quasi über Nacht Hilfe brauchen, zur Verfügung zu stehen.

So fand ein fünfmonatiger Säugling, dessen eigene Eltern nicht für ihn sorgen konnten, bei den Müllers Geborgenheit und Liebe. »Ich habe die Zeit und die Geduld«, sagt Andrea Müller. Und wenn sie mal eine Pause braucht, stehen Verwandte und Freunde bereit, um für etwas Entlastung zu sorgen. Pflegekind Guido ist aus der Familie Müller jedenfalls nicht mehr wegzudenken.

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