Mi., 14.02.2018

Gütersloh: Schallmauer durchbrochen - 115 Eltern melden ihre Kinder an Gesamtschule kann loslegen

Monika Paskarbies hat innerhalb der CDU-Fraktion für die Zustimmung zur dritten Gütersloher Gesamtschule gekämpft – so wie sie sich in den achtziger Jahren bereits für den Bau der ersten Gesamtschule einsetzte.

Monika Paskarbies hat innerhalb der CDU-Fraktion für die Zustimmung zur dritten Gütersloher Gesamtschule gekämpft – so wie sie sich in den achtziger Jahren bereits für den Bau der ersten Gesamtschule einsetzte. Foto: Stephan Rechlin

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Das Trauma der »Primus«-Sekundarschule bleibt Bildungsdezernent Joachim Martensmeier und seinem Team erspart. Diesmal reichen die Anmeldungen aus, um eine neue, weiterführende Schule im Gütersloher Norden an den Start zu bringen.

Aus Erleichterung darüber zitiert der Dezernent im Bildungsausschuss aus dem Lukasevangelium: »Denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude.« 115 Eltern meldeten ihre Kinder an der dritten Gesamtschule an. Das reicht, um vier Klassen mit jeweils 27 Kindern zum Schuljahr 2018/19 an den Start gehen zu lassen. Vier Kindern wird abgesagt, die Bescheide dazu gehen heute raus.

Die Stadt wird mit der Ausschreibung der Neu- und Umbauarbeiten auf Basis des Siegerentwurfes aus dem Architektenwettbewerb beginnen; die Bezirksregierung wird mit dem kommissarischen Leiter und einem Lehrerteam die Vorbereitungen zur Ankunft der ersten Fünftklässler treffen.

Die Geburt der neuen Gesamtschule bedeutet aber auch das endgültige Ende der Hauptschulen Nord und Ost sowie der Freiherr-vom-Stein-Realschule. Bei einem anderen Votum der Eltern wären sie vielleicht noch gebraucht worden. Um den Erhalt dieser erfolgreich arbeitenden, aber immer weniger von Eltern gewählten Schulen war in der CDU-Ratsfraktion lange gerungen worden. Mit Kompetenz und Beharrlichkeit hatte sich dort aber die Gesamtschulbefürworterin Monika Paskarbies durchgesetzt.

Erdbeben in der Stadt

Sie wird das langsame Wachstum der neuen Gesamtschule jetzt Schritt für Schritt beobachten, zum Beispiel, wenn sie mit ihren Enkeln dort spazieren geht. Sie wohnt nur einen Steinwurf entfernt von der neuen Schule, auf dem Hof Bethlehem. Dort lebte sie auch, als sich ihr Vater Werner Bethlehem als Schulausschuss-Vorsitzender in den achtziger Jahren für den Bau der ersten Gesamtschule in Gütersloh einsetzte, der Anne-Frank-Schule. »Das war ein Erdbeben in der Stadt«, blickt Paskarbies zurück. Weite Teile der CDU waren gegen diese neue Schulform, weil das bestehende, dreigliederige Schulsystem »allen Anforderungen an Bildung und Ausbildung gerecht wird«.

Streit am Küchentisch

Der Streit wurde am Küchentisch der Bethlehems ausgefochten. Reinhard Rolfes, erster Rektor der Anne-Frank-Schule, sei damals Dauergast dort gewesen. In der jungen Monika fand er eine Verbündete. Nach ihrem Studium hatte sie an der Laborschule in Münster gearbeitet und dort die allen offen stehenden Bildungswege kennengelernt, die ausgeprägte Binnendifferenzierung, das motivierende Lernklima. Paskarbies: »Das sind Vorteile, um die es mir auch heute noch geht. Sie werden in der Architektur der neuen Gütersloher Gesamtschule aufgegriffen und umgesetzt.«

Bei aller biblischen Freude über die Anmeldezahlen weiß Paskarbies, dass aus Hauptschülern nicht über Nacht erfolgreiche Gesamtschüler werden: »Doch an dieser Schule werden auch jene Kinder eine Chance haben, die eben erst etwas später durchstarten.«

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