Mi., 07.03.2018

Landgericht: Gütersloher (28) soll Ex-Freundin über Jahre schwer misshandelt haben »Das ist hier ein anderes Kaliber«

Prozessauftakt am Dienstag vor der 3. Strafkammer im Saal 30: Verteidiger Alexander Klemme (links) berät sich mit dem Angeklagten aus Gütersloh.

Prozessauftakt am Dienstag vor der 3. Strafkammer im Saal 30: Verteidiger Alexander Klemme (links) berät sich mit dem Angeklagten aus Gütersloh. Foto: Carsten Borgmeier

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh (WB). Über mehrere Jahre lang soll er seine Ex-Freundin (27) getreten, geschlagen, bedroht und auch vergewaltigt haben: Wegen dieser schweren Vorwürfe hat sich seit Dienstag ein Gütersloher (28) vor dem Landgericht Bielefeld zu verantworten.

Staatsanwältin Lea Grochowski legte dem gelernten Verfahrenstechniker zum Prozessauftakt vor der 3. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Carsten Nabel (49) insgesamt 13 Taten seit April 2014 zur Last. Zuletzt soll der Angeklagte seine damalige Partnerin, eine Arzthelferin, im Januar 2017 in der gemeinsamen Wohnung in Rietberg-Varensell mit Fäusten derart traktiert haben, dass das Opfer mehrere Frakturen im Gesicht erlitt. Nach diesem Vorfall hatte die gebürtige Lippstädterin erstmals die Polizei gerufen, so dass ihr über Jahre währendes Martyrium in einer Strafanzeige aktenkundig wurde.

Illegale Hanf-Plantage

Die Polizisten entdeckten dabei in der Wohnung des Paares eine illegale Hanf-Plantage, denn Opfer wie Täter konsumierten fast täglich Marihuana, befanden sich beide bereits zum Entzug in Fachkliniken. »Zwischendurch habe ich auch mal nicht gekifft«, antwortete der Angeklagte auf die Frage des Vorsitzenden nach seinem Drogenkonsum. Das Amtsgericht Gütersloh verurteilte den 28-Jährigen im Herbst 2017 wegen der Hanf-Plantage zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe.

»Das hier ist jetzt ein anderes Kaliber«, klärte Verteidiger Alexander Klemme am Dienstagmorgen vor Prozessauftakt seinen Mandanten hinsichtlich der schweren Vorwürfe auf, die im Zuge der weiteren Ermittlungen bekannt wurden. Die Frau, die sich als Nebenklägerin von Rechtsanwältin Gabriele Martens vertreten lässt, wirft ihrem Ex-Partner ferner vor, sie mit dem Finger mehrmals im Genitalbereich penetriert zu haben, als sie schlief. »Dies könnte vom Gericht als Vergewaltigung gewertet werden«, sagte dazu Anwältin Gabriele Martens.

»Ich habe ihr höchstens mit der flachen Hand mal eine gezogen«

Der Beschuldigte, der Realschule und Lehre nur mit Mühe schaffte (»Ich habe mir auch gern mal spontan frei genommen«), räumte einige der Vorwürfe gegenüber der 3. Strafkammer ein. Nur mit der Faust will er nie zugeschlagen haben. »Ich habe ihr höchstens mit der flachen Hand mal eine gezogen«, sagte der Gütersloher. Die Beziehung stets von Streit und Eifersucht geprägt gewesen sei. Gegen ihren Willen habe er sie nie zum Sex gezwungen. Vielmehr habe er sich darüber geärgert, dass seine damalige Freundin ihn mehrmals betrogen habe und immer nur Party im Kopf gehabt habe.

Das Opfer wurde gestern unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu den Vorfällen befragt. Martens hatte dies beantragt. Für den Strafprozess sind zwei weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll am Donnerstag, 15. März, fallen.

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