Mi., 07.03.2018

Gütersloh: Landwirt Hermann Birkenhake rät zu Einspruch gegen Landschaftsplan Naturschutz kann Existenz kosten

Die Landwirte Susanne und Hermann Birkenhake haben mit ihrem ökologischen Bewusstsein schon schlechte Erfahrungen gesammelt. Sei ein Teil ihres Hofes erst einmal als Naturschutzfläche ausgewiesen, sei das wie eine Enteignung.

Die Landwirte Susanne und Hermann Birkenhake haben mit ihrem ökologischen Bewusstsein schon schlechte Erfahrungen gesammelt. Sei ein Teil ihres Hofes erst einmal als Naturschutzfläche ausgewiesen, sei das wie eine Enteignung. Foto: Carsten Borgmeier

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Zum Schutz der Natur und aus ökologischer Überzeugung hat Landwirt Hermann Birkenhake ein kleines Waldstück auf seinem Hof nicht mehr regelmäßig entwässert. Dadurch ist dort ist über die Jahre ein wunderbares Waldbiotop entstanden. Ein schrecklicher Fehler.

Das kleine Waldstück ist jetzt als Naturschutzfläche ausgewiesen. Sobald Birkenhake auf seinem Hof eine Kleinigkeit an-, um- oder neu bauen will, beginne ein Spießrutenlauf durch die Bau- und Umweltbehörden: »Ich muss unter anderem gutachterlich nachweisen, dass der Dunst meiner Kühe nicht in das kleine Waldstück weht.« Und das, obwohl ihm das Waldstück eigentlich gehört.

69 Prozent der Fläche wird verplant

Der neue Landschaftsplan sieht vor, 69 Prozent der gesamten Fläche Güterslohs unter Natur- oder Landschaftsschutz zu stellen. Angesichts seiner Erfahrungen mit dem kleinen Biotop nimmt Birkenhake diese Absicht wie ein gigantisches Enteignungsprogramm wahr: »Es ist ja auch nicht so, dass Bau- und Umweltbehörden später solche Flächen als Ausgleich auf notwendige Baumaßnahmen anrechnen.« Von dem im Ratssaal beschworenen »partnerschaftlichen Interessenausgleich«, »Flächentausch« oder »vertraglichen Vereinbarungen« sei dann keine Rede mehr. Den Gütersloher Landwirten könne er darum nur raten, bis zum 31. März Einspruch gegen den Landschaftsplan einzulegen. Dann endet die Frist.

Im Umweltausschuss ist ein Widerstandsversuch der Gütersloher CDU gescheitert. Ihr Antrag, den immensen Natur- und Landschaftsschutzanteil im Landschaftsplan kritisch zu prüfen und deutlich zu reduzieren, wurde von SPD, Grünen, BfGT und Linken als »zu pauschal« abgelehnt. Der Umweltausschuss verfolge Umweltbelange, die Landwirte könnten ihre Bedenken ja separat mitteilen. Außerdem, so versicherte Wilhelm Gröver vom Kreisumweltamt im Ausschuss, wolle niemand die Landwirte mit dem Landschaftsplan in Existenznot bringen.

Kühe brauchen frisches Gras

Genau dieses Risiko aber fürchtet Hermann Birkenhake, wenn er die im Landschaftsplan gewünschte Ausweisung seiner Grünflächen als Naturschutzflächen einfach zustimmen würde. Auf diesen extensiv bewirtschafteten Flächen wächst Gras. Das braucht er, um seine 220 Milchkühe pro Tag mit 13 Tonnen Futter zu versorgen. Neben Beilagen wie Mais benötigten sie vor allem frisch gewachsenes Gras. Dessen Qualität schlage voll auf die Qualität der Milch durch. Birkenhake beliefert das Herforder Hipp-Werk mit zwei Millionen Litern Milch pro Jahr: »Sie wird zu Babymilch verarbeitet. Dafür nehmen sie nur erstklassige Qualität an.« Vier bis fünf Mal mähe er frisches Gras vom Grünland auf seinem Hof und von einer in Isselhorst gepachteten Fläche ab.

Sollten diese Flächen unter Naturschutz gestellt werden, dürfte Birkenhake sie nur noch zweimal im Jahr mähen, nicht mehr düngen und er dürfte das Gras erst schneiden, wenn es bereits verholzt ist: »Meine Kühe würden das nicht mehr fressen. Die Milchqualität wäre im Eimer.«

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