Mi., 14.03.2018

Gütersloher Naturschützer aber nicht: Nistkästen auf Windrädern sollen verschwinden Wanderfalken nehmen Risiko in Kauf

Die von Uhus aus Felsspalten vertriebenen Wanderfalken suchen sich neue Nistplätze auf Türmen und Windrädern.

Die von Uhus aus Felsspalten vertriebenen Wanderfalken suchen sich neue Nistplätze auf Türmen und Windrädern. Foto: Sven Eppler

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Das Eigenheim hat einen Nachteil. Alle paar Sekunden schrammen die Rotorblätter der Windkraftanlage am Brockweg am Nistplatz-Eingang des im Turm brütenden Wanderfalkenpaares vorbei. Dennoch ist dort in den vergangenen 15 Jahren kein einziger Falke geschreddert worden.

Allein das mögliche Risiko hat den Naturschutzbund (Nabu) im Kreis Gütersloh veranlasst, die untere Landschaftsbehörde – also den Kreis Gütersloh – einzuschalten. Die Behörde soll den Inhaber verpflichten, den Nistplatz dort entweder zu entfernen oder das Windrad zumindest für die Brutzeit abzuschalten.

In Kleve ist das Kreisumweltamt diesem Wunsch inzwischen nachgekommen. Weil der Betreiber von zehn Windrädern dort keinen solchen Betriebsausfall mittragen wollte, mussten dort im Februar sämtliche Nistkästen entfernt werden. Ebenso ging das Gütersloher Kreisumweltamt bei den Windrädern der Stadtwerke am Dürerweg in Friedrichsdorf vor. Die vom Gütersloher Naturschutzteam installierten Nistkä-sten wurden entfernt und auf den Schornstein der Universität Bielefeld verfrachtet.

Noch nie ein Schaden entstanden

Am Brockweg aber spielt der Inhaber nicht mit. Solaranlagen-Unternehmer Helmut Schierl ist Falkner und kann sich keinen besseren Platz für das Brutgeschäft von Turm- und Wanderfalken vorstellen: »Am Bockweg nisten die Falken seit 2003, an weiteren Windrädern im Rheinland seit 1996. An keiner der beiden Standorte ist den Tieren bisher auch nur der geringste Schaden entstanden.«

An den vom Nabu favorisierten Standorten an Funk- und Kirchtürmen falle die Bilanz dagegen ganz anders aus, teilt Franz Thiesbrummel vom Gütersloher Naturschutzteam mit: »Frisch geschlüpfte Falken haben zu schmale Flügel und sinken zunächst häufig zu Boden. In urbaneren Umgebungen werden sie dann von Autos oder Katzen erwischt.« In solchen Fällen werde übrigens stets Helmut Schierl gerufen, der dann einschätzen müsse, ob das Tier noch zu retten sei oder nicht.

Naturschützer fordern Rechtsgutachten

Weil sich Schierl wiederholt geweigert habe, den Nistkasten vom Windrad am Brockweg zu entfernen, solle der Kreis ein Rechtsgutachten in Auftrag geben. Darin sei zu prüfen, ob Schierl zum Abbau gezwungen werden könne. Noch wird Schierl vom Bundesnaturschutzgesetz vor den Naturschützen geschützt: Danach dürfen vorhandene und belegte Brutplätze nicht gestört werden.

Wilhelm Röver vom Kreisumweltamt hat noch kein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben und lässt die Entwicklung vor Ort erst einmal weiter beobachten. Darin möchte ihn Franz Thiesbrummel bestärken: »Wanderfalken sind die schnellsten Vögel der Welt mit einer achtmal besseren Sehkraft als der Mensch. Irgendwie scheinen sie sich auf die Rotorblätter einzustellen. Das wäre doch mal ein reizvolles Thema für eine wissenschaftliche Arbeit.«

Vortrag in Waldorf-Schule

Der Vogelschutz- und liebhaberverein Friedrichsdorf lädt am Mittwochabend (14. März) ab 20 Uhr zu einem hörens- und sehenswerten Vortrag über Wanderfalken in die Waldorfschule ein. Fotos und Filme stammen von Sven Eppler aus Bremen, der den Alltag der Wanderfalken täglich mit der Kamera begleitet. Er hat alle Situationen am Brutplatz und im Revier dokumentiert, darunter spektakuläre Jagdszenen, in denen die Falken mit bis zu 340 Stundenkilometern im Sturzflug ihre Beute fassen. Die Hintergrundinformationen steuert Referent Harald Gerken bei. Neben dem Paar am Brockweg zieht seit 2009 auf dem Funkturm der Telekom ein Paar seine Jungen auf.

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