Di., 17.04.2018

Gütersloh: Sozialticket für alle – notfalls ohne Landeszuschuss für Schüler SPD will Tarifdschungel lichten

Klaus Tönshoff, Ursula Ecks und Fritz Spratte (von links) aus der SPD-Kreisfraktion wagen sich an den komplizierten Tarifdschungel des ÖPNVs im Kreis Gütersloh heran.

Klaus Tönshoff, Ursula Ecks und Fritz Spratte (von links) aus der SPD-Kreisfraktion wagen sich an den komplizierten Tarifdschungel des ÖPNVs im Kreis Gütersloh heran. Foto: Stephan Rechlin

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Sozialticket für alle. Mit diesem Vorschlag versucht die SPD-Kreistagsfraktion, das komplizierte Knäuel aus verschiedenen Busfahrtarifen und zu teuren Fahrpreisen im Kreis Gütersloh aufzudröseln.

Haltestelle Kreishaus, Herzebrocker Straße. In bunten Balken und kleiner Schrift werden an der Rückwand des Buswartehäuschens die verschiedenen Möglichkeiten erläutert, eine Busfahrkarte zu kaufen. Neben dem Ticket für eine Einzelfahrt könnte man auch ein Fun-Ticket wählen, ein »Ü-60-Ticket«, ein »Ab 9 Uhr«-Ticket oder vielleicht nur ein Abendticket. Klaus Tönshoff, ÖPNV-Experte der SPD-Kreistagsfraktion: »Wenn dann noch andere Geltungsbereiche hinzukommen, wird es völlig unübersichtlich. Ein Ticket-Dschungel.«

Tarife müssen einfach gestaltet, transparent, nachvollziehbar und günstiger sein als bisher – so hat es der Kreistag im Nahverkehrsplan und in der Mobilitätsstrategie beschlossen. Theorie und Praxis: Wer auch nur einen Cent am derzeitigen Tarifgefüge ändert, muss auch das Schulwegticket im Auge behalten. Das muss immer 20 Prozent günstiger sein als ein normales Fahrticket. Nur dann steuert das Land jährlich zwei Millionen Euro zur Finanzierung der Schülerfahrtkosten hinzu.

Von den Schülerfahrkosten-Fessel befreien

Die SPD schlägt vor, sich von dieser Fessel zu befreien. Alle Tarife, auch die der Schüler, sollten künftig dem Preis des Sozialtickets entsprechen, das im Sommer im Kreis Gütersloh eingeführt wird. Voraussichtlich wird es 35 Euro im Monat kosten. Fritz Spratte, bus- und bahnfahrendes Mitglied der SPD-Fraktion: »Dieser Preis könnte zur Richtschnur für alle Tickets im Kreis Gütersloh werden.« Wer Ziele in weitere Orte des Kreises, in Nachbarkreise oder nach Bielefeld habe, sollte wie bei den Handytarifen einfach eine Flatrate hinzuerwerben können.

Zunächst werde der neue Tarif den Kreis mehr als bisher kosten, das sei der SPD bewusst. Hinter dem Vorschlag aber stehe die begründete Hoffnung, dass dadurch so viele neue Bus- und Bahnfahrer gewonnen werden, dass sich die Reform nach zwei Jahren von alleine trägt. Ursula Ecks, stellvertretende Vorsitzende der Kreisfraktion: »In den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke hat das mit dem neuen Werre-Weser-Ticket jedenfalls funktioniert.«

Es sei ein Antrag, ein Vorschlag, über den die SPD gerne im Kreistag diskutieren würde. Klaus Tönshoff: »Wir sind uns über die Kritik am bestehenden System einig. Es zu ändern, wird in jedem Fall Geld kosten.«

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