Di., 17.04.2018

Liz Mohn über Erfolge und Ziele der Deutschen Schlaganfall-Stiftung – mit Video »Vor 25 Jahren wurden die Patienten nur abgelegt«

Liz Mohn (Zweite von links) lässt sich von Dr. Alexej Titschert (links, Neuro-Radiologe) und Chefarzt Dr. Thomas Kloß im St. Elisabeth Hospital Gütersloh die Angiographie-Anlage zeigen. Rechts: Schlaganfall-Patientin Barbara Menke und Tochter.

Liz Mohn (Zweite von links) lässt sich von Dr. Alexej Titschert (links, Neuro-Radiologe) und Chefarzt Dr. Thomas Kloß im St. Elisabeth Hospital Gütersloh die Angiographie-Anlage zeigen. Rechts: Schlaganfall-Patientin Barbara Menke und Tochter. Foto: Oliver Schwabe

Von Bernhard Hertlein

Gütersloh (WB). Mitten im Leben trifft einen der Schlag. Doch im Vergleich zu 1993 ist das deutsche Gesundheitssystem heute darauf vorbereitet, schnell und damit wirksam Hilfe zu leisten. Treibende Kraft dafür ist die in jenem Jahr  von Liz Mohn gegründete Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe.

Zum 25. Geburtstag erinnert sich die Gründerin und Präsidentin der Stiftung: »Damals wurden Schlaganfall-Patienten im Krankenhaus in der Regel nur abgelegt, aber nicht wirklich therapiert.« Sie selbst war durch eine Erkrankung ihres Sohnes Andreas und anschließende Gespräche mit Ärzten darauf gekommen, »dass ich hier helfen muss«. Die Erkenntnis, dass die Folgen eines Schlaganfalls weitgehend abgemildert werden können, wenn er schnell und wirksam behandelt wird, ließ sie nicht ruhen. Inzwischen hat die Stiftung 60 Millionen Euro eingesammelt und für Aufklärung, Prävention, bessere Versorgung und Rehabilitation eingesetzt.

Treffen kann es jeden: Jährlich erleiden in Deutschland fast 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Davon entfallen 6000 bis 7000 auf OWL. 80 Prozent sind älter als 60. Schlaganfall ist immer noch die dritthäufigste Todesursache. Zudem ist er der häufigste Grund für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter. Gleichzeitig können aber auch Kinder bereits von einem Schlaganfall heimgesucht werden.

Barbara Menke kämpfte sich zurück

Getroffen hat es Barbara Menke. Die heute 36-jährige Frau aus Oelde wollte im Januar 2017 gerade mit ihrer Familie zu einem Winterspaziergang aufbrechen, als sie wegen eines leichten Kopfschmerzes noch einmal ins Haus zurückkehrte. Dort fand sie ihr Mann Sebastian am Boden liegend, schon teilweise gelähmt, nicht mehr klar sprechend. Der Geschäftsführer beim Kiebitzhof, einer Einrichtung für Menschen mit und ohne Behinderung in Gütersloh, alarmierte umgehend die Notrufnummer 112.

Die schnelle Hilfe, die gute medizinische Versorgung und der unbändige Wille der Mutter zweier kleiner Mädchen halfen: Barbara Menke kämpfte sich zurück ins normale Leben. Heute arbeitet sie sogar schon wieder beim Jugendamt der Stadt Oelde, auch wenn die linke Hand noch nicht vollkommen funktionsfähig ist. Begleitet wurde sie ein Jahr lang von einer Lotsin, die ihr in vielfältiger Hinsicht tatkräftig half. Menkes nächstes Ziel: »Ich will wieder Auto fahren können.«

2000 Patienten an das Lotsen-Programm angeschlossen

In OWL sind bisher 2000 Patienten an das Lotsen-Programm angeschlossen. Ihre Zahl und die der ehrenamtlichen Schlaganfallhelfer zu erhöhen ist Ziel von Liz Mohn. Daneben geht es ihr auch um die Zusammenarbeit aller im Gesundheitssystem Beteiligten in sogenannten »Stroke Units« und um eine bessere Ausstattung der Krankenhäuser. Gestern ging in Mohns Beisein am St. Elisabeth Hospital in Gütersloh eine neue Angiographie in Betrieb. Die 1,2 Millionen Euro teure Anlage ermöglicht es, einen Katheder unter Röntgenkontrolle durch die Leisten-Schlagader bis weit ins Gehirn vorzutragen, um eine verstopfte Ader wieder frei zu machen.

Eine wichtige Einnahmequelle der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe sind seit Beginn Aufsehen erregende Benefiz-Veranstaltungen, allen voran der »Rosenball«. In diesem Jahr haben sich unter anderem die Stars Patricia Kelly, Bryan Ferry, Marius Müller-Westernhagen angesagt. Moderiert wird der Berliner Ball am 5. Mai von Frauke Ludowig und Designer Guido Maria Kretschmer. Dabei sein wird neben 600 Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auch die Familie Menke.

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