Do., 17.05.2018

Gütersloh: Sparkasse hofft auf ihren ersten Sieg gegen Christoph Bender Die letzte Chance

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Auf diesen Verhandlungstag wartet die Sparkasse Gütersloh-Rietberg seit vier Jahren. Im Nachverfahren am Landgericht will sie dem zunächst bestellten, dann entlassenen Vorstand Christoph Bender nachweisen, dass er tatsächlich nie ausreichend qualifiziert genug gewesen ist, sich um das Vorstandsamt zu bewerben.

Mit einem Sieg in diesem Verfahren, so die Hoffnung des Sparkassen-Verwaltungsrates, wären sämtliche 17 bisher von Christoph Bender errungenen Prozesserfolge hinfällig. Es wäre der gerichtsgestempelte Beleg dafür, dass Bender im Bewerbungsverfahren um die Nachfolge von Sparkassen-Vorstand Rainer Langkamp das Gremium getäuscht hat. Die seitdem gegen den Verwaltungsrat erhobenen Vorwürfe, er kontrolliere nicht richtig und sei mit seiner Aufgabe überfordert, wären vom Tisch. Über den Schaden – eine ruinierte berufliche Existenz, Gehaltszahlungen von 1,5 Millionen Euro und Prozesskosten von geschätzt 125.000 Euro – müsste neu verhandelt werden.

Nach diesem Verfahren soll Schluss sein

Sollte es am Freitag allerdings wieder schieflaufen, will der Verwaltungsrat dem Vernehmen nach die noch laufenden Verfahren stoppen und seinem Vorsitzenden Markus Kottmann das Mandat erteilen, einen Vergleich mit Christoph Bender auszuhandeln, der anschließend auch akzeptiert wird.

Zwei solche Chancen gab es bereits in den vergangenen vier Jahren. Im Juni 2016 bot das Landgericht an, den damals auf 320.000 Euro bezifferten Streitwert im Verhältnis 60 zu 40 zu Gunsten Benders zu beenden. Doch fehlte Markus Kottmann damals ebenso die Erlaubnis, diesem Kompromiss ohne Nachfrage im Verwaltungsrat zuzustimmen wie beim zweiten Vergleichsvorschlag im Januar 2017. Der wurde im Oberlandesgericht unterbreitet. Die Streitsumme war auf 700.000 Euro ohne Prozesskosten angewachsen, sie sollte im Verhältnis von 70 zu 30 zu Gunsten Benders ausfallen.

Richter prüft genau

Die 17 bisherigen Niederlagen der Sparkasse beruhen allesamt auf dem Landgerichts-Urteil vom 14. März 2015. Darin gab das Gericht der Klage Benders gegen seine fristlose Kündigung statt. In seinem Urteil hatte Richter Wolfgang Reinke den Vorwurf der Täuschung eingehend auf Basis aller damals verfügbaren Dokumente geprüft. Sein Fazit: »Der Kläger (Bender) hat der Beklagten (Sparkasse) keine falschen Angaben gemacht.« Das Scheitern der Anstellung sei statt dessen im wesentlichen von der Sparkasse zu vertreten. Indem sie die einzelnen Voraussetzungen in der Bewerbung nur unzureichend geprüft habe, habe sie fahrlässig gehandelt.

Dieses Urteil wurde nicht mehr revidiert, weil ein Bürovorsteher der Kanzlei Streitbörger die vom OLG gesetzte Frist eines Begründungsschreibens versäumt hatte; der Bundesgerichtshof (BGH) wies eine deshalb eingereichte Beschwerde zurück.

Falls die Sparkasse am Freitag nicht nagelneue, bisher unbekannte Dokumente vorlegt, dürfte es abermals bei diesem Urteil bleiben. Denn Zeugen sind laut Landgericht nicht geladen.

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