Fr., 18.05.2018

Erstes Landtags-Jahr startet für Gütersloher CDU-Abgeordneten Raphael Tigges hinten Letzte Reihe, erster Tisch links

Aus der letzten Sitzplatzreihe der CDU-Fraktion hat der Gütersloher Abgeordnete Raphael Tigges im Düsseldorfer Landtag alles gut im Blick.

Aus der letzten Sitzplatzreihe der CDU-Fraktion hat der Gütersloher Abgeordnete Raphael Tigges im Düsseldorfer Landtag alles gut im Blick. Foto: Stephan Rechlin

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Hinter Raphael Tigges (44) kommt nur noch die Tür, die in den Plenarsaal des Düsseldorfer Landtages führt. Hier sitzt er jetzt seit einem Jahr, in der letzten Reihe der CDU-Landtagsfraktion. Er kann sich keinen besseren Ort vorstellen.

Genau 77.951 Menschen haben ihn im vergangenen Jahr auf diesen Platz gewählt – übrigens 14.138 mehr Stimmen als die CDU in der Landtagswahl im Kreis Gütersloh holte. Ihm trauen sie zu, ihre Interessen in den verbleibenden vier Jahren am besten zu vertreten.

Novize Tigges darf durchaus auch mal nach vorne. Zum Schriftführerdienst zum Beispiel, wenn er die Protokollführer unterstützen soll, indem er genau beobachtet, wer im Landtag für oder gegen einen Antrag stimmt. Zwei Reden hat er auch schon gehalten. Seine erste über »passgenaue Betreuungsmodelle in der frühkindlichen Bildung« am 29. November 2017, die Replik auf einen SPD-Antrag.

Nach einem Jahr ist Tigges immer noch neu im Landtag – jung, aber nicht naiv. So verlockend es auch wäre, mal eben einen Antrag auf Förderung des Gütersloher Fachhochschul-Standortes mit den erhofften sechs Millionen Euro im Jahr zu stellen, dieser Fehler wird ihm nicht unterlaufen. »In Nordrhein-Westfalen gibt es sieben, acht weitere Fachhochschulen, die ihr Angebot ebenso ausweiten wollen«, sagt Tigges. Blitzartig lägen auch deren Anträge vor: »Der Landtag könnte nur noch ablehnen. Damit wäre das Thema in dieser Legislaturperiode durch.«

FH wird schrittweise aufgebaut

Politischer Erfolg sei zähflüssiger und habe nur bedingt etwas mit der Stuhlreihe zu tun, in der man gerade sitze. Statt die ganze Fördersumme auf einmal zu bekommen, strebe Tigges eine schrittweise Aufbaufinanzierung an: »Eine Million Euro ist schon mal zusätzlich in diesem Jahr bewilligt worden. So geht’s Schritt für Schritt weiter.«

Mal eben so wie Wibke Brems von den Grünen eine Kleine Anfrage im Landtag stellen, das funktioniere nicht in einer Regierungsfraktion: »Fraktionsdisziplin ist das Versprechen, uns untereinander zu helfen, unsere selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Also redet man vorher miteinander, bevor man Anträge schreibt.«

Miteinander reden – das ist Raphael Tigges große Stärke, das hat er trainiert, seit er 1991 in die CDU eintrat, Positionen in Kreis- und Stadtverband und das Ratsmandat (2004) übernahm. Durch die Teilnahme an zahlreichen Landes- und Bundesparteitagen kann er viele jener Abgeordnete bereits duzen, die sich regelmäßig am Dienstag vor dem Plenum zur Fraktionssitzung treffen. Von dort kennt er »den Armin« bereits, als der noch einfacher Abgeordneter war. Am Rande der Fraktionssitzungen hat Ministerpräsident Laschet darum ein offenes Ohr, wenn »der Raphael« was von ihm möchte. Solche Gelegenheiten muss Tigges dennoch gut dosieren, weil immer alle etwas von Laschet möchten.

Die Probleme der anderen

Der Rhein-Weser-Express, in dem Tigges von Gütersloh nach Düsseldorf reist, führt unter anderem vorbei an Dortmund, Bochum, Essen, Mühlheim an der Ruhr, Duisburg. Ob der Wunsch nach mehr Sozialarbeitern an den Schulen, nach Ortsumgehungsstraßen, mehr Lehrern, mehr Erziehern, mehr Polizisten, die sich endlich alle mehr auf ihre Kernaufgaben konzentrieren möchten – dieser Wunsch wird von den Abgeordneten aus diesen Städten mit einem weitaus höheren Problemdruck begründet als Tigges ihn aus dem Kreis Gütersloh beisteuern kann. Um etwas für die Schulen, Kitas, Kommunen, Ortsteile, Unternehmen und Bürger hier herauszuholen, muss er die Anträge und Debatten in den Ausschüssen und im Landtag aufmerksam verfolgen. Mag Verkehrsminister Henrik Wüst die Ortsumgehung für Friedrichsdorf auch noch so befürworten – er braucht die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt, um sie gegenüber anderen Projekten im Land rechtfertigen zu können. Tigges hat Glück, dass er sich mit Wüst die Arbeit einer gemeinsamen wissenschaftlicheren Mitarbeiterin teilt.

Kibiz-Reform

Die Reform des Kinderbildungsgesetzes wird das große Projekt der kommenden beiden Jahre. Wiederum hat Tigges Glück, dass er den dafür zuständigen Abteilungsleiter im Ministerium von Joachim Stamp, Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, schon lange persönlich kennt. Wie gesagt, die letzte Stuhlreihe im Landtag ist ein herrlicher Ort. Tigges hat von hier aus alles ziemlich gut im Blick.

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