Mi., 13.06.2018

Gütersloh: Gewalt an der Schule wird statistisch gar nicht erst erfasst Polizeistreife auf dem Schulhof

Schon der Anblick von Polizisten auf dem Schulhof wirkt disziplinierend auf Schüler. Nach einigen Vorkommnissen haben die Leiter von Städtischem Gymnasium und Anne-Frank-Gesamtschule nicht lange gefackelt und das Angebot der Polizei genutzt.

Schon der Anblick von Polizisten auf dem Schulhof wirkt disziplinierend auf Schüler. Nach einigen Vorkommnissen haben die Leiter von Städtischem Gymnasium und Anne-Frank-Gesamtschule nicht lange gefackelt und das Angebot der Polizei genutzt. Foto: dpa

Von Elke Westerwalbesloh und Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Am Städtischen Gymnasium patrouillieren Polizeibeamte in den Pausen. Die Schule greift damit auf ein Angebot der Kreispolizeibehörde zurück, die ihre Hilfe anbietet, falls die Leiter vorbeugende Maßnahmen für sinnvoll halten.

Nach einem Drogenfund in der Schule hat die Leitung des Städtischen Gymnasiums keinen Moment gezögert. Sie stellte Strafanzeige und holte die Patrouillen ins Haus; am Donnerstag gibt es eine offizielle Informationsveranstaltung für Schüler und Eltern. »Vorbildlich«, sagt Polizeisprecherin Corinna Koptik, die sich darüber wundert, dass nur wenige weiterführende Schulen auf das Angebot zurückgreifen.

Erkenntnissen der Polizei zufolge haben gut 30 Prozent aller Zwölf- bis 25-Jährigen Erfahrungen mit Cannabis gesammelt. An so gut wie allen Schulen werde konsumiert, auch wenn es manche Leiter aus Angst um den »guten Ruf« ihrer Einrichtung nicht wahrhaben wollten. Koptik: »Schulen sind keine erwähnenswerten Handelsplätze, es gibt hier keine Krisen.« Doch seien hier nun einmal junge Konsumenten anzutreffen, die auf Drogen wie Alkohol und Cannabis neugierig seien. Rauchen sei dagegen völlig out.

Schüler ziehen sich untereinander ab

Das Angebot der Polizei gelte aber auch für Fälle überzogener Gewalt an Schulen, die Lehrer und Leiter mitunter überforderten. Wie viele Fälle es davon in Gütersloh gibt, vermochte Roland Thiesbrummel, Fachbereichsleiter Jugend und Bildung, gestern auf Anfrage der Linken im Bildungsausschuss nicht zu sagen: »Darüber wird keine Statistik geführt, auch nicht bei der oberen Schulaufsicht in Detmold.«

Den Erfahrungen von Polizeisprecherin Corinna Koptik zufolge ist das »Abziehen« anderer Schüler die am stärksten verbreitete Form von Gewalt, oftmals auf den Wegen zur Schule, nach Hause oder in Schulbussen. Körperlich unterlegenen Schülern, die alleine oder nur mit einem Schulfreund unterwegs sind, werde Prügel angedroht, wenn sie nicht ihr Handy oder Portemonnaie rausrückten. Und wenn sie hinterher etwas darüber verraten sollten.

Personalmangel unterläuft Sanktionen

Im Ausschuss wies Thiesbrummel auf Präventionsprogramme hin, die Lehrern und Schülern dazu angeboten würden. Das Problem bei Sanktionen wie einem zweiwöchigen Schulverweis aber sei Personalmangel. Ludger Klein-Ridder ist pensionierter Gesamtschullehrer, der die Linken im Bildungsausschuss vertritt: »Wenn niemand in diesen zwei Wochen täglich auf den Schüler einwirkt und mit ihm spricht, empfindet der die Strafe eher noch als eine Belohnung. Zwei Wochen Ferien mehr.«

Die von der Stadt finanzierten Schulsozialarbeiter wiederum sollen nicht strafend, sondern vor allem vermittelnd in Konflikte eingreifen.

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