Fr., 22.06.2018

ZDF-Dokumentation rollt den Mord an Fefzi Ufuk in Rheda-Wiedenbrück auf Taucht Tatort auf NSU-Todesliste auf?

Am 1. März 2006 wird der Rentner Fefzi Ufuk (kleines Bild) neben seinem geparkten, weißen Mercedes vor dem Eingang des türkischen Kulturvereins in Rheda blutüberströmt aufgefunden. Am nächsten Tag ist er tot: Kopfdurchschuss.

Am 1. März 2006 wird der Rentner Fefzi Ufuk (kleines Bild) neben seinem geparkten, weißen Mercedes vor dem Eingang des türkischen Kulturvereins in Rheda blutüberströmt aufgefunden. Am nächsten Tag ist er tot: Kopfdurchschuss. Foto: Wolfgang Wotke

Von Wolfgang Wotke

Gütersloh (WB). Der Mord liegt mehr als zwölf Jahre zurück. Damals ist der 68-jährige Fefzi Ufuk vor einer Moschee in Rheda-Wiedenbrück kaltblütig erschossen worden. Das Verbrechen ist ungeklärt. Eine ZDF-Dokumentation hat den mysteriösen Fall jetzt aufgerollt und bringt ihn mit den Gräueltaten des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) in Verbindung.

Der Film von Rainer Fromm und Ron Boese ist am Mittwochabend (»ZDFzoom«) über die Bildschirme geflimmert. Darin geht es um eine geheimnisvolle Liste, auf der mehr als 10.000 Namen vermerkt sind und die im Brandschutt der Wohnung von Beate Zschäpe, deren Prozess in München immer noch läuft, entdeckt worden war. Diese Sammlung wurde später in den Ermittlungsakten als »Todesliste der NSU« erwähnt. Darauf soll sich auch die Anschrift des Tatortes in Rheda-Wiedenbrück befinden. Die beiden Autoren gehen brisanten Fragen nach: Was hat es mit dieser Liste auf sich? Wer hat sie erstellt? Kann der Mord an Fefzi Ufuk ebenfalls von Mitgliedern des NSU begangen worden sein? Nicht nur Experten, so Fromm und Boese, seien überzeugt: Diese Organisation soll weitaus mehr Attentate geplant und Helfer gehabt haben.

Rentner wird durch Kopf geschossen

Rückblick: Es ist Mittwoch, der 1. März 2006, Holzstraße 10. Rentner Fefzi Ufuk, seit drei Wochen in Rheda zu Besuch, parkt seinen weißen Mercedes vor dem Eingang des türkischen Kulturvereins. Nach dem Gebet wird er gegen 18.35 Uhr schwer verletzt und blutüberströmt auf dem Hof gefunden. 24 Stunden später ist er tot. Erst die Obduktion ergibt, dass der 68-Jährige durch einen Kopfdurchschuss von hinten getötet worden ist. Es gibt keine Zeugen, kaum Spuren, wenige Hinweise. Nur eine Patronenhülse, mit der die Tatwaffe identifiziert werden kann.

Die Mordkommission, so wird es in der Doku dargestellt, habe zwar einen Ermittlungsansatz zur NSU-Todesliste erkannt, jedoch schnell wieder verworfen. Die Polizei habe als Grund für den Mord eher einen »...für türkische Verhältnisse äußerst unsteten Lebenswandel des Opfers...« (Zitat aus den Ermittlungsakten) gesehen. Ein Mord aus Eifersucht oder religiösen Gründen? Rainer Fromm und Ron Boese seien während ihrer Recherchen auf eine »Mauer des Schweigens« gestoßen. Die Ermittlungsbehörden wollten sich dazu öffentlich nicht äußern. Schließlich habe die Staatsanwaltschaft schriftlich mitgeteilt, dass die bei der Tat verwendete Munition nicht mit dem NSU-Waffensystemen übereinstimme.

In den Aservaten taucht die Pistole auf

Pistole und Munition passten nicht zusammen. So sei Ufuk mit einem Projektil im Kaliber »9mm Browning kurz« erschossen worden, allerdings sei die Kugel im größeren Kaliber »9mm Makarow« verschossen worden. Das sei anhand der Hülse nachweisbar. Bei der Durchsicht der NSU-Aservate sei man auf eine Pistole gestoßen, einer Ceska 82, 9mm Makarow, geladen mit der eigentlich nicht passenden Munition »Browning kurz«. Das bedeute: In den Aservaten der NSU finde sich genau die Kombination aus Waffe und falscher Munition, die auch beim Ufuk-Mord möglicherweise verwendet worden sei. Ein Experiment belegt, dass die Waffe auch mit falscher Munition schießt. Fazit: »Vielleicht eine vertane Chance, durch die Todesliste einen Mordfall aufzuklären.« Fefzi Ufuk ist 2006 erschossen worden, in einer Zeit, in der der NSU noch mordend durch Deutschland zog. Die Todesliste bleibe ein Geheimnis in der Terrorismusakte, die noch lange nicht geschlossen werden dürfte.

Kommentare

Wo ist die Aufregung?

Ich frage mich, wo ist die mediale Aufregung? In keinem großem Programm habe ich davon gelesen, nicht in den anderen Zeitungen, nicht in der Lokalzeit. Es wurde niergentwo aufgegriffen, aber immerhin hier. VIelen Dank.

Ich hoffe Sie machen auch der Staatsanwaltschaft noch etwas Druck, denn so unkooperativ dürfen die sich einfach nicht verhalten!

1 Kommentare

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