Sa., 14.07.2018

Gütersloh: Polizei warnt vor Sorglosigkeit beim Versenden von Erotik-Fotos Nackt im Netz gelandet

Was mal als kleine »Aufmerksamkeit« für den Freund gedacht war, kann sich für Frauen zu einem großen Problem entwickeln. Landet die erotische Aufnahme (Symbolfoto) im Internet, ist das Löschen des Bildes kaum noch möglich.

Was mal als kleine »Aufmerksamkeit« für den Freund gedacht war, kann sich für Frauen zu einem großen Problem entwickeln. Landet die erotische Aufnahme (Symbolfoto) im Internet, ist das Löschen des Bildes kaum noch möglich. Foto: dpa

Von Elke Westerwalbesloh

Gütersloh (WB). Melda K. hat sich nackt in Szene gesetzt. Nur ein Schnappschuss mit dem Handy. Diesen schickt sie ihrem Freund. Melda K. ist Mitte vierzig, hat studiert und meint, sie hat die große Liebe gefunden. Glaubt sie. Ein Riesenfehler! Der sie anschließend vier Jahre lang begleitet.

Melda K. ist nur eine von ganz vielen Frauen, die mit dieser kleinen, anzüglichen Liebesbotschaft ihr Leben total verändern. In ihrem Fall, der nun vor Gericht verhandelt wird, hat die angeblich große Liebe sich als Stalker, Erpresser und mittlerweile Straftäter entpuppt.

Vier Jahre lang hat er die Mittvierzigerin zu weiteren erotischen Bildern gezwungen, sie heimgesucht und schließlich auch vergewaltigt. »Die Frau ist über den Weißen Ring zu uns gekommen«, erklärt Kirstin Bernstein-Rivers vom Kommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz der Polizei Gütersloh. »Bei ihr ist es mehr als dramatisch, denn sie ist Muslimin«, sagt die 37-jährige Expertin. Deshalb hat sie sich bestimmt so lange erpressen lassen, »sie wusste, dass sie auf ihre Familie für den Rest ihres Lebens verzichten muss, wenn das rauskommt«, ergänzt Bernstein-Rivers.

In solch eine Lage bringen sich viele Frauen. »Ich bekomme fast täglich Anzeigen auf den Tisch«, sagt die Opferschutzbeauftragte. Oft sind es reifere, gebildete Frauen, die sich über das Internet Bekanntschaften suchen und mit einem erotischen Foto beeindrucken wollen. »Man will verstehen, warum die Frauen das machen«, sagt Bernstein-Rivers. Darum habe sie oftmals nachgefragt hat in den Gesprächen mit den Frauen. Sie seien verliebt, glauben, den Mann fürs Leben gefunden zu haben – so einfach ist das.

Teenies machen sich strafbar

Bei den Teenagern sei das Versenden von Nacktvideos und Fotos ebenfalls ein Problem. »Doch da gibt es einige, die über die Verbreitung des erotischen Bildes ganz locker hinweg gehen«, sagt die Expertin. Werden die Teenies mit den Bildern unter Druck gesetzt, sei es für sie das Schlimmste, es Mutter und Vater zu beichten.

»Sie wissen nicht, das sie sich strafbar machen«, ergänzt die 37-Jährige. Jeder, der ein intimes Foto ins Internet stellt und es zugänglich für Minderjährige macht, der mache sich nach deutschem Gesetz strafbar.

Das Kommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz setzt auf vorbeugende Maßnahmen. »Wir gehen in Schulen. Manchmal sogar schon in die fünfte Klasse. Und klären die Kinder im Umgang mit den sozialen Medien auf«, sagt Bernstein-Rivers. Jedes Mädchen, jede Frau, und natürlich auch jeder Junge, der in eine mssliche Lage gerate, könne sich an die Opferschutzbeauftragte wenden. »Gerne auch anonym«, sagt Kirstin Bernstein-Rivers.

Sexting ist bei Jugendlichen beliebt

Bei den Jugendlichen im Alter von 16 bis 17 Jahren hätten elf Prozent bereits Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht. Eine Studie von saferinternet.at zeigt, wie beliebt Sexting bei Jugendlichen ist. Demnach haben 16 Prozent der 14- bis 18-Jährigen schon einmal eine Nacktaufnahme gemacht und 33 Prozent haben schon einmal eine erhalten.

Auch wenn es nicht immer nachvollziehbar sei, warum Frauen Nacktfotos sorglos ins Netz stellen: »Wichtig ist, dass sie sich nicht identifizierbar machen«, sagt Bernstein-Rivers. Ein Foto ohne Kopf oder einfach mit einem Icon vor dem Gesicht, wäre die einfachste Lösung des Problems, empfiehlt sie. Wer Hilfe sucht oder Infos braucht, findet diese unter: www.klicksafe.de, Jugendschutz.net, Handysektor.de und bei Kerstin Bernstein-Rivers im Kommissariat für Kriminalprävention und Opferschutz, Tel: 05241/8691873.

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