Sa., 11.08.2018

Der Eine-Welt-Laden will mit fairen Handel kritische Konsumenten in die Stadt locken Raus aus der Nische, rauf auf den Platz

Anneliese Neufang (76) gehört zu den Ehrenamtlichen der ersten Stunde des Eine-Welt-Ladens. Sie zeigt hier lederne Spardosen aus Afrika.

Anneliese Neufang (76) gehört zu den Ehrenamtlichen der ersten Stunde des Eine-Welt-Ladens. Sie zeigt hier lederne Spardosen aus Afrika. Foto: Carsten Borgmeier

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh (WB). Derzeit fristet der Eine-Welt-Laden in der Spiekergasse auf gerade einmal 30 Quadratmetern ein Nischendasein. Nach Vorstellung der Evangelischen Kirche soll er am Berliner Platz in eine absolute Top-Lage rücken.

Die Kirchengemeinde beabsichtigt, den Eine-Welt-Laden im kommenden Jahr in das Erdgeschoss ihres Neubaus am Berliner Platz, also in prominenter Innenstadt-Lage, einziehen zu lassen. Dieses Vorhaben rief jedoch herbe Kritik seitens der Einzelhändler hervor. Gütersloh brauche dort einen »Frequenzbringer«, also hochwertigen Einzelhandel oder ebensolche Gastronomie, schrieb Rainer Schorcht (71) als Ortsvorsitzender des Gütersloher Einzelhandelsverbandes an die Kirchengemeinde.

Im Kreise der Ehrenamtlichen des Eine-Welt-Ladens stößt dieser Gegenwind der Kaufleute auf Unverständnis: Man fühle sich wie Menschen zweiter Klasse, beschreibt Jan Elliger die Diskussion um den Umzug, der bislang alles andere als beschlossene Sache sei.

Umzug an den Berliner Platz als große Chance

Der 52-Jährige ist Vorsitzender des Vereins, in dessen Trägerschaft sich das kleine Ladengeschäft seit 2015 befindet. »Wir sehen den Berliner Platz aber als große Chance, die Idee hinter unserem Tun einem größeren Personenkreis vorstellen zu können«, sagt der Vorsitzende. »Wir haben uns zum Ziel gesetzt, mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel zu erreichen«, fährt der IT-Fachmann fort, »nur leider findet uns hier kaum jemand in der Spiekergasse.«

Schokolade und Wein aus Afrika, Mango-Saft von den Philippinen, Kaffee aus Kuba oder Schmuck und Kleidung aus Indien, Vietnam oder Südamerika: Für Helferinnen wie Anneliese Neufang (76) steckt hinter jedem im Laden angebotenen Produkt eine Geschichte: So trage der Verkauf des Mango-Saftes zum Beispiel dazu bei, auf den Philippinen den Sextourismus einzudämmen. Bekämen die Familien vor Ort in den Elendsgebieten die Chance, für ihre Produkte wie den Mango-Saft angemessen entlohnt zu werden, rutschten Söhne und Töchter nicht in die Prostitution ab.

Mit kleinen Beiträgen die Welt verbessern

Auch könne vom regelmäßigen Einkommen die Schulbildung der Kinder finanziert werden, ergänzt Annelie Knollmann. Sie wirkt seit etwa 2012 in dem Laden mit, der ursprünglich Mitte der 1990er Jahre an der Kirchstraße gegründet worden war. »Wir genießen in Europa einen unglaublichen Luxus«, meint die Gütersloherin, »aber in der Dritten Welt leben Menschen im Elend. Ich möchte meinen Beitrag leisten, dass es jenen Menschen besser geht.«

Der Verein um Jan Elliger besteht aus etwa 40 Mitgliedern. In den nächsten Wochen sollen sie befragt werden, ob sie an den Berliner Platz umziehen wollen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5966926?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F