Di., 06.02.2018

Yorck Kronenburg interpretiert im Martin-Luther-Haus die »Goldberg-Variationen« Inbegriff musikalischer Schönheit

Yorck Kronenberg verschmilzt fast mit seinem Instrument bei der Interpretation der »Goldberg--Variationen«.

Yorck Kronenberg verschmilzt fast mit seinem Instrument bei der Interpretation der »Goldberg--Variationen«. Foto: Nikolas Müller

Von Nikolas Müller

Halle (WB). Es ist wohl eines der monumentalsten Instrumentalwerke der Musikgeschichte, ein zwischen strengen Kanons und atemberaubenden, improvisationsartig aufgebauten Teilen perlender Zyklus voller Aufbruchstimmung und Emotionen.

Der Pianist Yorck Kronenberg lotete am Sonntag in der Soiree III im Rahmen der Haller Bach-Tage die Grenzen der »Goldberg-Variationen BWV 988« aus, entführte die 130 faszinierten Zuhörer im Martin-Luther-Haus durch alle menschlichen Regungen, wie ausgelassene Freude, übersprudelnde Euphorie und tiefster Trauer. Johann Sebastian Bachs »Goldberg-Variationen BWV 988« aus dem Jahre 1742, bleiben an musikalischem Tiefgang und Kühnheit der musikalischen Mittel unübertroffen, ein Meilenstein der Improvisationskunst mit ihren dreißig Variationen. In ihnen spiegeln sich die Bandbreite gegensätzlicher Empfindungen wider, im fordernden Einklang von unglaublich berauschender Virtuosität.

Der Zyklus wird von einer Aria eröffnet, die am Schluss des Werkes ein notengetreues Abbild findet. Die Variationen dieser Aria leiten sich von der Basslinie ab, ein Grundgerüst für alle weiteren Veränderungen des Themas. Dabei unterwirft sich Bachs Meisterwerk den reifen Emotionen der Mathematik und der Mystik der Zahlen. So besteht zum Beispiel das Thema aus der einführenden Aria aus 32 Takten, der Zyklus selbst umfasst inklusive des wiederkehrenden Themas 32 Stücke.

Kronenberg gelingt mit klarer Strukturierung und feinem Farbenspiel das Spektrum seelischer Empfindungen in eine ausgewogene Form zu bannen.

Yorck Kronenberg nimmt den Zuhörer auf eine hörenswerte Reise mit, entlockt seinem Instrument unleugbar facettenreiche Zwischentöne. Ihm gelingt mit klarer Strukturierung und feinem Farbenspiel das Spektrum seelischer Empfindungen in eine ausgewogene Form zu bannen. Eindringlich und mit unglaublichen Ausdruck breitet er das Thema aus, lässt es atmen und verleiht ihm eine innerliche Klarheit. Er spürt den Tönen nach, versunken in einer intensiven Seelenmalerei, um dann förmlich in den lebhaften Variationen zu explodieren. Kronenberg beweist im wahrsten Sinne viel Fingerspitzengefühl, wie er die »Aria mit verschiedenen Veränderungen« in den langsamen Sätzen ebenso expressiv wie subtil nachzeichnet und in den schnellen Passagen mit großer Brillanz und Virtuosität überrascht. Er spürt dem Erzählerischen und der Existenz nach, spinnt musikalisch Fäden hinein in das letzte Lebensjahrzehnt des Komponisten. Und verströmt dabei soviel »Gemütsergötzung«, wie es Bach selbst auf dem Titelblatt seiner Goldberg-Variationen beschrieben hatte.

Dass das Werk notengetreu mit der einführenden Aria schließt, gehört Kronenberg zufolge zu den »größten, gleichzeitig bescheidensten Wundern des Werkes«. So bleibt sie nach all den Veränderungen dieser Reise am Ende zart und unverwundet ein Inbegriff musikalischer Schönheit. Und für dieses Wunder aus seinen begnadeten Finger erhielt der Künstler am Ende tosenden Applaus.

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