Mi., 07.02.2018

Nach Sturm: Waldbetretungsverbot ist zwar aufgehoben, aber Risiko besteht noch Nur auf eigene Gefahr

Den Pappelbestand am Steinhausener Weg in Halle hat Sturmtief »Friederike ziemlich niedergeworfen.

Den Pappelbestand am Steinhausener Weg in Halle hat Sturmtief »Friederike ziemlich niedergeworfen. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Von Klaudia Genuit-Thiessen

Halle (WB). Mit der Ruhe im Wald ist es für Förster Johannes-Otto Lübke vorerst vorbei. Ständig klingelt das Telefon. Lehrer, Erzieherinnen, Jogger oder Spaziergänger mit und ohne Hund bitten um Rat: Kann man es wagen, einen Klassenausflug zu unternehmen, spazieren oder laufen zu gehen?

Gut 14 Tage nach dem Sturmtief »Friederike« fallen überall noch umgekippte, abgebrochene, zersplitterte Bäume ins Auge. Viele Wege sind noch versperrt. Und in den Baumkronen hängen genug Äste, die auch dem Laien bedrohlich scheinen. Rechtlich ist die Sachlage klar: Das Waldbetretungsverbot ist für Halle, Steinhagen, Werther, Borgholzhausen und Versmold mit Ablauf Januar wieder aufgehoben – im Gegensatz zu Bielefeld und Wäldern im Süden des Kreises Gütersloh. Doch ein Risiko bleibt: Jeder Spaziergang ist einer auf eigene Gefahr!

In vier Wochen ist es noch genauso gefährlich wie heute

»In vier Wochen ist es noch genauso gefährlich wie heute«, kann auch Förster Lübke keine Entwarnung geben. Zwar seien einige Gebiete wie die Haller Egge schon weitgehend freigeräumt. Aber wenn Wege noch versperrt seien durch umgekippte Bäume müsse man notfalls umkehren. Lübke: »Es besteht kein Anspruch darauf, jeden Weg benutzen zu können.«

Auch seine Kollegin Gabi Lindemann rät, »mit wachem Auge unterwegs zu sein und sich verantwortungsbewusst wie immer zu verhalten«. Gerade nach dem Sturm bestehen für alle Besucher im Wald besondere Sorgfaltspflichten. Gabi Lindemann: »Es ist noch längst nicht alles aufgeräumt und wir sind auch noch dabei, Flächen mit Windbruch zu identifizieren«. Vor allem auf Hanglagen oder sehr feuchten Flächen könne man derzeit kaum arbeiten.

Aus Sicherheitsgründen nur Personal mit Erfahrung

Die Fachleute im Forst bitten vor allem die Freizeitnutzer um Geduld und Gelassenheit. Nicht nur, dass nicht jeder Windbruch schnell abgeräumt werden kann – langfristig sei es auch sinnvoller, das geschlagene Holz nicht gleich aufzustapeln. Johannes Lübke: »Wenn es am Weg liegt, ist die Gefahr der Holzentwertung viel größer. Denn der Lineatus, der Nutzholzborkenkäfer, kann ab Ende März mit seinen Leitergängen im Holz großen Schaden anrichten. Zudem brauchen die Sägewerke und der Markt das ganze Jahr über Holz.«

»Solange die abgebrochenen Stämme noch mit ihrem Wurzelteller verbunden sind, wird das Holz mit Wasser versorgt und bleibt länger frisch«, unterstreicht auch seine Kollegin. Nach und nach werde man die Windbrüche abarbeiten, in wechselndem Turnus und in allen Revieren, um allen Waldbesitzern gerecht zu werden. »Und mit ausgebildetem Fachpersonal mit Erfahrung«, sagt sie im Hinblick auf die Stamm-Unternehmer, mit denen das Forstamt zusammenarbeitet. Niemandem sei damit gedient, wenn sich »unerfahrene Hobbysäger im Windwurfverhau tummeln. Schon aus Sicherheitsgründen.«

Einen derartigen Schaden wünsche sich niemand. Aber die vielen Privatwaldbesitzer vertrauten auf die Unterstützung von Amts wegen. Gabi Lindemann: »Die Eigentümer sind sturmerprobt. Dieses Anspruchsdenken haben nur die Freizeitnutzer.«

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