Do., 15.02.2018

Dr. Volker Janssen wirbt bei Landwirten für Pilotprojekt Drohnen sollen Rehkitze retten

Im Vorstandsteam des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes gibt es eine Neuausrichtung: Ulrich Kreis (Mitte) tritt die Nachfolge des bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Ulrich Schulte (links) an. Ortslandwirt Jürgen Tarner (Schriftführer), Burkhard Stüssel (Vorsitzender) und Kassenwart Burghard Meyer Hesseln (von links).

Im Vorstandsteam des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes gibt es eine Neuausrichtung: Ulrich Kreis (Mitte) tritt die Nachfolge des bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Ulrich Schulte (links) an. Ortslandwirt Jürgen Tarner (Schriftführer), Burkhard Stüssel (Vorsitzender) und Kassenwart Burghard Meyer Hesseln (von links). Foto: Johannes Gerhards

Halle (WB/jog). Sehr junge Rehkitze flüchten nicht vor Gefahr und können auch nicht von Spürhunden aufgefunden werden, weil sie keine Witterung abgeben. Immer wieder kommt es im Frühjahr deshalb leider zu unbeabsichtigten Tötungen der Jungtiere beim ersten Mähen von Wiesen zur Grasernte.

Der Hegering Halle hat gemeinsam mit der Kreisjägerschaft ein vielbeachtetes Pilotprojekt auf den Weg gebracht, um den sinnlosen Tod von Rehkitzen beim Ausmähen zu stoppen. In einem engagierten Vortrag erläuterte Tiermediziner Dr. Volker Janssen vor rund 40 Landwirten bei der Mitgliederversammlung des landwirtschaftlichen Ortsvereins Halle-Amshausen die Möglichkeit, Drohnen mit Wärmebildkameras für die Tierrettung einzusetzen.

Zuvor standen neben weiteren Vorträgen von Verena Paul-Hambrink, der Geschäftsführerin des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh, und Helmut Eismann von der Landwirtschaftskammer auch Vorstandswahlen auf der Tagesordnung. In geheimer Abstimmung wurde Burkhard Stüssel als Vorsitzender wieder gewählt. Sein neuer Stellvertreter Ulrich Kreis tritt die Nachfolge des nicht mehr kandidierenden Ulrich Schulte an. Schriftführer Jürgen Tarner und Kassenwart Burghard Meyer-Hesseln behalten ihre Ämter.

»Stalleinbruch ist Hausfriedensbruch«

Bei den Wahlen zum Ortslandwirt einigten sich die Anwesenden auf Jürgen Tarner, sein Stellvertreter ist Marc Wittenbrock. Im Kreisverbandsausschuss vertreten Burkhard Stüssel, Ulrich Kreis und Ulrich Schulte die 104 Mitglieder des Ortsvereins. Helmut Eismann berichtete über neue Regelungen bei Höfeordnung, Grundstücksverkehrsgesetz und aktuelle Bestimmungen beim Ausbringen von Gülle.

Verena Paul-Hambrink stellte die Problematik von Stalleinbrüchen durch »militante Tierrechtsaktivisten« in den Mittelpunkt. Sie rät womöglich Betroffenen, neben einer Anzeige auch unbedingt Strafantrag zu stellen. »Stalleinbruch ist Hausfriedensbruch«, betonte die 36-Jährige. Man habe das Recht, auf frischer Tat erwischte Einbrecher festzusetzen. In keinem Fall sollte man aber mit Gewehr oder Forke Selbstjustiz anwenden.

»Morgens um vier Uhr beim ersten Büchsenlicht können unsere Drohnenpiloten die in Frage kommenden Flächen überfliegen«, kündigte Dr. Volker Janssen an. Voraussetzung sei allerdings, dass die Landwirte das Mähen vorher ankündigen. Dann können Rehkitze lokalisiert und in Sicherheit gebracht werden. Im Übrigen verbiete die Verordnung das Mähen bei Nacht und schreibe den Verlauf von innen nach außen vor, damit sich die Tiere womöglich noch in Sicherheit bringen können.

Schwarzwild infiziert sich über Dauerwürste

Entsprechende Vorrichtungen bei den Erntemaschinen haben sich laut Volker Janssen als nicht praktikabel erwiesen und gefährden zudem durch abrupte Bremsvorgänge die Sicherheit der Traktorfahrer. Die acht Drohnenpiloten des Hegerings arbeiten auf ehrenamtlicher Basis, die Kosten für eine entsprechend ausgerüstete Drohne bezifferte Janssen mit rund 7.000 Euro. Spontan entschloss sich der frisch gewählte Vorstand, das Pilotprojekt mit einer Spende zu unterstützen.

In Bezug auf die afrikanische Schweinepest stellte Volker Janssen klar, dass in erster Linie der Mensch für die Verbreitung des hochwiderstandsfähigen Virus sorge. Das Schwarzwild infiziere sich über weg geworfene Speisereste und Dauerwürste, in denen sich das Virus über 400 Tage lang halten könne. Um die Wildschweindichte gering zu halten, ist die Schonfrist aufgehoben worden. Ein Übergreifen auf den modernen Schweinebestand sei nicht zu befürchten, wenn Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Bauern, die auch als Jäger aktiv sind, sollten erlegtes Schwarzwild auf keinen Fall mit sensiblen Hofbereichen in Verbindung bringen. Ein Ausbruch der afrikanischen Schweinepest hätte wegen des sofortigen Exportstopps existenzbedrohende Folgen für die betroffenen Landwirte.

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