Mi., 28.02.2018

Haller Modekonzern will mit neuem Sparprogramm zu alter Stärke Gerry Weber schreibt Verluste

Johannes Ehling (rechts) komplettiert zum 1. April den Vorstand der Gerry Weber AG mit dem Vorsitzenden Ralf Weber (Mitte) und Finanzchef Jörg Stüber. Bis Mitte Juni will das Führungstrio konkrete Maßnahmen eines neuen Sparprogramms erarbeiten.

Johannes Ehling (rechts) komplettiert zum 1. April den Vorstand der Gerry Weber AG mit dem Vorsitzenden Ralf Weber (Mitte) und Finanzchef Jörg Stüber. Bis Mitte Juni will das Führungstrio konkrete Maßnahmen eines neuen Sparprogramms erarbeiten. Foto: Oliver Horst

Von Oliver Horst

Halle (WB). Nach dem ersten Verlustjahr seiner Geschichte legt der Haller Modekonzern Gerry Weber AG ein neues Sparprogramm auf. Ob auch ein weiterer Stellenabbau erfolgt, ließ Vorstandschef Ralf Weber am Dienstag bei der Bilanzvorlage offen. Den Aktionären wird die Dividende gestrichen.

Gerry Weber kämpft seit drei Jahren – wie große Teile der Branche – mit Umsatz- und Gewinnrückgängen. Im Geschäftsjahr 2016/17 (31. Oktober) büßte der Konzern, wie berichtet, gegenüber dem Vorjahr knapp 20 Millionen Umsatz auf 880,9 Millionen Euro ein . Unter dem Strich stand ein Jahresverlust von 782.000 Euro – nach einem Vorjahresgewinn von 512.000 Euro. 2014/15 belief sich der Überschuss noch auf 52,2 Millionen.

Mit dem nach zwei Jahren abgeschlossenen Sparprogramm »Fit4Growth« strich der Konzern Hunderte Jobs und schloss 143 Filialen. Die Einsparungen 2016/17 bezifferte Finanzvorstand Jörg Stüber auf 30 Millionen Euro. Auf der anderen Seite belastete das Programm die Bilanz mit 9,6 statt geplant 6 Millionen Euro.

Bis zu 45 Filialen stehen auf dem Prüfstand

Die Zahl der eigenen Verkaufsstellen für die Gerry-Weber-Kernmarken schrumpfte auf zuletzt 850. In diesem Jahr werde es keine Neueröffnung geben, sagte Weber. Im Gegenteil: bis zu 45 Filialen könnten noch aufgegeben werden.

Einsparpotentiale will der Vorstand vor allem bei Beschaffung, Produktentwicklung, Sortimentsgestaltung und Logistik heben. Zudem werde weiter in die Modernisierung der Marken investiert. Konkrete Maßnahmen sollen nun erarbeitet und Mitte Juni vorgestellt werden. Der Vorstand wird zum 1. April durch Johannes Ehling (51) komplettiert. Der gebürtige Bielefelder kommt von der Textilkette »Ernsting’s family«.

»Wir wollen Gerry Weber zurück zu alter Stärke führen«, sagte Weber. Beim neuen Programm solle der Fokus stärker auf Wachstum und Profitabilität liegen. Im laufenden Jahr rechnet der Vorstand noch nicht mit spürbaren Effekten: Der Umsatz soll mit 870 bis 890 Millionen Euro stagnieren.

Rückkehr in die schwarzen Zahlen wird erwartet

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wird zwischen 10 und 20 Millionen erwartet – nach zuletzt 10,3 Millionen Euro. Das sollte für die Rückkehr in schwarze Zahlen reichen, sagte Stüber. In den Folgejahren solle das Programm dafür sorgen, »dass wir spürbar profitabler werden«, sagte Weber, dessen Vorstandsvergütung von 869.000 auf 902.000 Euro stieg.

Ein Wachstumstreiber soll die Münchner Tochter Hallhuber bleiben. Sie setzte 2016/17 ihren Expansionskurs fort. Die Zahl der Filialen wuchs von 342 auf 397 und soll nun um weitere 30 steigen. Der Umsatz legte um 6,1 Prozent auf 194,3 Millionen zu. Weil zeitweise weniger Ware in die Shops geliefert wurde, sanken die Erlöse auf vergleichbarer Fläche um 3,5 Prozent. Gleichzeitig sei aber die Rohmarge von 60,5 auf 63,7 Prozent gesteigert worden. Dennoch fiel bei Hallhuber ein Ebit-Verlust von fast 2,5 nach 4,5 Millionen an.

Neue Online-Premiummarke »Gr8ful« kommt Ende März

Beim eigenen Einzelhandel der Gerry-Weber-Kernmarken fiel bei 396 Millionen Umsatz ein Ebit-Verlust von 11,1 nach 31,1 Millionen im Jahr zuvor an. Einzig das Großhandelsgeschäft mit dem Fachhandel (302 Millionen Umsatz) warf einen operativen Gewinn von fast 24 Millionen ab.

Hoffnung setzt Weber in die neue, reine Online-Premiummarke »Gr8ful«, die auf kaufkräftige Kundinnen zwischen 40 und 55 Jahren abzielt. Sie soll Ende März auf den Markt gebracht werden: im eigenen Internetshop, bei Fachhändlern wie Breuninger und Engelhorn und auf Plattformen wie Amazon und Aboutyou. Geplant seien pro Jahr sieben Kollektionen mit jeweils 30 bis 40 Teilen.

Mit der vor knapp zwei Jahren für inzwischen 134 stationäre Fachhandelspartner entwickelten Marke »Talkabout« setzte der Konzern 4,5 Millionen Euro um.

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