Fr., 02.03.2018

Ev. Kirche und DRK bewerben sich: Vorerst keine Entscheidung zu geplanter neuer Kita Grundstücksfrage wird zum Knackpunkt

Dr. Susanne Schaefer vom Elternrat der ev. Kita Künsebeck hatte in den Sozialausschuss mit weiteren Eltern einige Kinder mitgebracht. Der Einsatz hat sich schließlich ausgezahlt.

Dr. Susanne Schaefer vom Elternrat der ev. Kita Künsebeck hatte in den Sozialausschuss mit weiteren Eltern einige Kinder mitgebracht. Der Einsatz hat sich schließlich ausgezahlt. Foto: Küppers

Halle (WB/SKü). Der Elternbeirat und die Erzieherinnen in der ev. Kita Künsebeck können im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen. Der Jugend- und Sozialausschuss hat der lange geforderten räumlichen Aufstockung der Kita von drei auf künftig vier Gruppen zugestimmt. Nicht entschieden hingegen wurde, wer Träger einer ganz neuen Kita in Halle werden soll, die evangelische Kirchengemeinde oder das DRK.

Etwa ein Dutzend Kita-Kinder aus Künsebeck sorgte im Sitzungssaal des Rathauses für eine muntere Stimmung, obwohl es den Eltern aus dem Beirat der ev. Kita mit ihrem

Anliegen bitter ernst war (s.a. Hintergründe im Infokasten rechts). Die einmütige Entscheidung des Ausschusses, die ev. Kita an der Teutoburger Straße in Künsebeck um eine auf vier Gruppen aufzustocken, was übrigens entgegen der Empfehlung der Verwaltung geschah, hatte unmittelbare Auswirkung auf die zweite wichtige Angelegenheit des Abends. Somit stand nämlich fest, dass eine weitere, neue Kita in Halle, deren dringenden Bedarf das Kreisjugendamt festgestellt hat, nicht mehr mit vier, sondern nur noch mit drei Gruppen zuzüglich acht heilpädagogischen Plätzen an den Start gehen soll.

Offene Grundstücksfrage überlagert Diskussion über pädagogisches Konzept

Die Stadt hatte für die Sitzung zwei mögliche Träger eingeladen, neben der evangelischen Kirchengemeinde beziehungsweise dem Kirchenkreis (der Kita-Betreiber wäre) auch den DRK-Kreisverband. Getrennt voneinander wurde in ausführlichen Vorträgen das pädagogische Konzept vorgetragen. Und die durchaus unterschiedlichen pädagogischen Akzente von Kirche und DRK hätten die anschließende Diskussion in der Politik bestimmen sollen, bevor der Ausschuss zu einer Entscheidung über die Trägerschaft gekommen wäre. Doch dazu kam es gar nicht mehr. Die Grundstücks- und Standortfrage für die neue Kita überlagerte sämtliche inhaltlichen Diskussionen.

In der Ausschreibung für die Kita hatten Stadt und Kreisjugendamt angeführt, dass ein möglicher Träger ein Grundstück quasi mitbringen müsse. Das aber kann nur die evangelische Kirchengemeinde leisten, die im Eigentum einer etwa 6000 Quadratmeter großen Fläche an der Neustädter Straße ist, die heute als Spielplatz beziehungsweise Bolzplatz genutzt wird. Etwa die Hälfte der Fläche benötigte die Kirchengemeinde für die neue Kita, die übrigens bewusst eingeschossig gebaut werden soll. Der Einbau eines Fahrstuhls zum Obergeschoss bringe im Ablauf eines Kita-Betriebs einige Probleme mit sich, hieß es.

Stadtverwaltung will keine neue Kita im Neubaugebiet Gartnischkamp

Dem DRK war es nicht gelungen, an ein Grundstück zu kommen. Ausschussvorsitzende Dr. Ute Müller (CDU) hielt es aber für geboten, allein aus Gerechtigkeitsgründen vor einer Trägerentscheidung genau abzuklopfen, wo die Stadt dem DRK vielleicht ein Bauareal zur Verfügung stellen könnte. Schon vor mehr als einem Jahr habe ihre Fraktion deshalb nach einem möglichen Kita-Standort im Neubaugebiet Gartnischkamp gefragt, sagte Müller.

Fachbereichsleiter Jürgen Keil hingegen erklärte anhand des bereits ausgearbeiteten Bebauungsplanes, dass es am Gartnischkamp aus verschiedenen Gründen keinen Platz für eine Kita gebe. Keil verwies auf derzeit 355 Bewerber bei knapp 100 zur Verfügung stehenden Baugrundstücken, warnte vor einer großen Umplanung (»Das kann ein Jahr Verzögerung bedeuten«) und erklärte: »Ich habe von der Politik keinen Auftrag für eine Kita-Planung am Gartnischkamp bekommen.« Woraufhin die Frage im Raum stand: Warum ist das DRK dann überhaupt als Bewerber eingeladen worden? Auch die SPD zeigte sich über den Mangel an Standort-Alternativen unzufrieden. Renate Bölling brachte die Grünflächen am Berufskolleg ins Spiel. »Wenn das Kreisjugendamt seiner Versorgungspflicht mit Kita-Plätzen nachkommen will, kann der Kreis als Eigentümer helfen«, so Bölling.

Am Ende fiel keine Trägerentscheidung, vielmehr wollen die Fraktionen nochmals beraten. Dabei steht das Projekt »neue Kita« unter Zeitdruck. Denn spätestens zum 1. August 2019 soll die neue dreigruppige Kita mit acht heilpädagogischen Plätzen anlaufen.

Ev. Kita Künsebeck darf wachsen

Die ev. Kita an der Teutoburger Straße erfreut sich auch über die Grenzen Künsebecks hinaus großer Beliebtheit. Das legt das Anmeldeverhalten nahe. Doch zuletzt war es sehr eng geworden, weil ein Containerbau abgängig ist und zudem zwischenzeitlich erhöhte Formaldehyd-Werte aufwies. Elternvertreter und auch die Kita-Leitung machten deutlich, dass bei einem Ersatzbau mit nur einer Gruppe viele gegenwärtige Probleme der ev. Kita nicht gelöst werden. Zum einen fehle der Platz, wo Kinder in vernünftigem Rahmen ihr Mittagessen einnehmen können. Zum anderen habe der Platzmangel zu immer frühzeitigeren Anmeldungen von jüngeren Kindern geführt, so dass für Über-Dreijährige kaum freie Plätze angeboten werden könntenDie Kirchengemeinde hatte der Stadt deshalb einen zweigruppigen Anbau vorgeschlagen, was für die Stadt allerdings einen Zuschuss von 350.000 Euro bedeutet. Obwohl die Verwaltung gegen diese teure Lösung war, ließ sich die Politik von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit dieser Investition überzeugen.

 

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