Do., 14.06.2018

Michael S. Cullen begeistert Gäste bei der Christo-Schau im Museum Eingewickelt von einem Visionär

Michael S. Cullen hat sein Versprechen gehalten. Zur Eröffnung der Ausstellung »Starke Frauen in der Kunst« zum 83. Geburtstag von Christo und Jeanne-Claude ist er an den Haller Kirchplatz gekommen – zur Freude von Ursula Blaschke.

Michael S. Cullen hat sein Versprechen gehalten. Zur Eröffnung der Ausstellung »Starke Frauen in der Kunst« zum 83. Geburtstag von Christo und Jeanne-Claude ist er an den Haller Kirchplatz gekommen – zur Freude von Ursula Blaschke. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Von Klaudia Genuit-Thiessen

Halle (WB). Der Gast aus Berlin hat ein Christo-Büchlein und viele Geschichten an den Haller Kirchplatz mitgebracht. Kommt aber erst einmal kaum heraus aus dem Staunen: »So originell« findet Michael S. Cullen das kleine Kunstmuseum.

Den 83. Geburtstag des Verhüllungskünstlers Christo und seiner Muse und Mitstreiterin Jeanne-Claude feiert das Haller Museum für Kindheits- und Jugendwerke bedeutender Künstler mit Rosinenkuchen und Erdbeerbowle. Und mit einer Ausstellung unter dem Titel »Starke Frauen in der Kunst«, die die weltweit berühmten Verhüllungsprojekte des Künstlerpaares in das älteste Haus der Lindenstadt holt. Auf handsignierten Fotografien von Christos Objekten, mit Konstruktionszeichnungen und Gebrauchsgegenständen wie einem feuerroten Ölfass gibt das Museum einen Überblick über die mitunter fast irrwitzigen Kunstaktionen, für die Christo und Jeanne-Claude gefeiert worden sind.

Ein Konterfei des Paares – ein Bild aus jungen Jahren – hängt am Balkon des Museums. Und von oben winkt ein Visionär. Michael S. Cullen, ein US-Historiker, Journalist und Publizist aus Berlin, hatte den Einfall mit der Verhüllung des Reichstages. Das war 1971. Wie es dann fast 24 Jahre später dazu kam, dass alle Welt staunte über das silbern glitzernde Raumschiff, das in Berlin gelandet war, das erzählt er am Kaffeetisch voller Charme und garniert mit Anekdoten.

»Wunderbare Momente« mit dem Feuerkopf

»Christo finanzierte seine Projekte mit eigenen Werken und ohne die Hilfe von Stadt und Sponsoren. Ich hatte gedacht, Berlin könnte 200.000 D-Mark kosten. Es wurden dann 13 Millionen«, berichtete er, bevor er das Leben von Christo und Jeanne-Claude nachzeichnete, das 1961 von Paris nach New York ging. Christo, Künstler aus einer bulgarischen Textilstadt, und die Frau an seiner Seite wickelten nicht nur die Trutzburg Reichstag ein und andere Objekte, sondern auch Menschen. Mike Cullen hatte »wunderbare Momente« mit dem 2009 verstorbenen Feuerkopf Jeanne-Claude und genoss ein besonderes »Privileg«. Sie schrie ihn manchmal im Zorn an – weil Cullen »Familie war«.

»Sie haben eine große Freude vor sich, wenn Sie die Ausstellung sehen«. Cullen beginnt seinen Parforce-Ritt durch die Geschichte der Reichstag-Verhüllung auf dem Kirchplatz. Dort gratulieren Kinder aus der Grundschule Gartnisch mit einem Schirm-Tanz, der an ein Christo-Projekt erinnert, (einstudiert von Barbara Zander und Vanessa Pohlmann). Neben den Keimlingen im Museum, wo ihn Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann willkommen heißt, lässt Mike Cullen die Bundestagspräsidenten jener Jahre auftreten und korrespondiert bei den Verhandlungen auch einmal mit sich selbst. Bei fünf von ihnen sprach er vor, damit Berlin sein verschnürtes Riesengeschenk erhalten konnte. Dann bot Rita Süßmuth 1991 ihre Unterstützung an. Jetzt hat sie ein Grußwort nach Halle geschickt.

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