Sa., 14.07.2018

Haller »Initiative Stolpersteine« will früheres jüdisches Wohnhauses an der Langen Straße 61 erhalten. »Ein Stück Erinnerungskultur«

Setzen sich für den Erhalt des Backsteingebäudes Lange Straße 61 ein (von links): Wolfgang Kosubek, Martina Finger, Martin Wiegand, Frauke Keßner, Barbara Schipper, Klaus-Dieter Clausen und Udo Waschelitz von der Initiative Stolpersteine für Halle.

Setzen sich für den Erhalt des Backsteingebäudes Lange Straße 61 ein (von links): Wolfgang Kosubek, Martina Finger, Martin Wiegand, Frauke Keßner, Barbara Schipper, Klaus-Dieter Clausen und Udo Waschelitz von der Initiative Stolpersteine für Halle. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Halle (WB/kg). Die Haller Initiative Stolpersteine appelliert an die geschichtliche Verantwortung der Stadt: Das Wohnhaus an der Langen Straße 61, in dem einst die jüdische Familie Isenberg gewohnt hat, die über Generationen eine Schlachterei führte, dürfe man nach dem A 33-Lückenschluss nicht abreißen, um Platz für einen Kreisverkehr zu schaffen. Wolfgang Kosubek: »Dies Haus ist ein Stück Erinnerungskultur«.

Im öffentlichen Verkehrsraum vor dem Haus sowie vor dem Nachbargebäude und an der Langen Straße 25 sollen bekanntlich Stolpersteine ins Pflaster eingelassen werden. Der Kulturausschuss hatte einstimmig dem antrag der Initiative zugestimmt, insgesamt elf der zehn Zentimeter im Quadrat großen und mit einer Messingplatte abgedeckten Steine zu verlegen. Damit soll an die Bewohner erinnert werden, die unter der Verfolgung der Nationalsozialisten zumeist ermordet worden sind oder in seltenen Fällen notgedrungen ihre Heimat verlassen haben. Seit 2016 stehe mit der Planung eines riesigen Kreisverkehrs wohl auch der konkrete Abriss des Gebäudes bevor, in dem bis 1936 Moritz, Thekla, Klara und Hans Isenberg lebten und in dem wohl auch Isenbergs Schwägerin Ida Herzberg wohnte, die im Nebenhaus ihr Hut- und Putzmachergeschäft betrieb. Bei ihr an der Langen Straße 63 war auch Leopold Weinberg gemeldet. An der Langen Straße 25 lebten Jacob Julie und Emma Jacobs sowie Albert und Friedl Sachs.

Geschichte greifbar machen

»In diesem Haus kann man die jüdische Geschichte in Halle aufblättern und greifbar machen«, mahnen Kosubek und Martin Wiegand, die bekanntlich auch im Internet-Museum Haller Zeiträume aktiv sind. Gerade auch vor dem Hintergrund des akutell zunehmenden Antisemitismus müsse das Haus erhalten bleiben, sind Udo Waschelitz und Martina Finger überzeugt. »In Halle ist schon zu viel abgerissen worden«, teilt Wolfgang Kosubek die Sorge seiner Tochter Katja, dass durch die Neuplanung der Stadt an der Langen Straße historisch wertvolle und bedeutende Gebäude »platt gemacht« werden und damit unwiederbringlich verloren gehen.

Jeder der elf Stolpersteine, die der Aktionskünstler Gunter Demnig voraussichtlich im Februar verlegen will, wird 120 Euro kosten. Bei der Volksbank Halle ist ein Spendenkonto »Haller Stolpersteine« eingerichtet worden (Iban DE45 4806 2051 0109 248801). Die Aktion begrüßt auch Eve Isaacson, eine Tochter des 1936 nach Südwestafrika (heute Namibia) ausgewanderten Hans Isenberg.

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