Di., 17.04.2018

Profiler Axel Petermann begibt sich mit 200 Gästen auf Spurensuche in Harsewinkel »Jeder kann zum Mörder werden«

Nach dem zweieinhalbstündigen Vortrag nimmt sich Profiler Axel Petermann die Zeit, in der Tenne der Hotel-Residence Klosterpforte Bücher zu signieren. 200 Gäste haben mit Spannung seinen Worten und Erklärungen gelauscht.

Nach dem zweieinhalbstündigen Vortrag nimmt sich Profiler Axel Petermann die Zeit, in der Tenne der Hotel-Residence Klosterpforte Bücher zu signieren. 200 Gäste haben mit Spannung seinen Worten und Erklärungen gelauscht. Foto: Wolfgang Wotke

Von Elke Westerwalbesloh

Marienfeld (WB). Wie ein Profiler arbeitet, das wissen dank amerikanischer Fernsehserien wie etwa »CSI Miami« die meisten. »In 45 Minuten ist ein Fall gelöst. Obwohl, manchmal dauert es auch eine Stunde«, sagt Axel Petermann scherzhaft. Und gibt dann Einblicke in die echte Arbeit eines Fallanalytikers.

Denn im echten Leben wird in Sachen Mord ein Profiler erst hinzugezogen, wenn ein Fall unlösbar scheint. Dann dauert die Aufarbeitung Monate oder gar Jahre. Das Bundeskriminalamt beschäftigt nur eine Handvoll Profiler. Einer davon, mittlerweile im Ruhestand und deshalb eher im Fernsehen und auf Lesungen vertreten, ist Axel Petermann.

»Spur hinter der Spur«

Er sucht die »Spur hinter der Spur«, wie er in der Tenne der Hotel-Residence Klosterpforte erklärt. Der große Saal des Landhauses ist mit 200 Besuchern gut gefüllt. Und die ein oder andere Miss Marple hat sich unter das Publikum gemischt.

Sie warten gespannt auf die Infos zu den Mordfällen in Gütersloh und Umgebung – zu denen der Fallanalytiker aus Bremen etwas erzählen will. Dafür brauchen sie etwas Geduld, denn der zweieinhalbstündige Vortag beinhaltet zunächst einmal einiges an Theorie. Schließlich soll auch jeder Anwesende zumindest ansatzweise verstehen, wie der 65-Jährige als Profiler gearbeitet hat.

Dass jeder zu einem Mörder werden kann, diese gewagte Theorie hat Petermann schon vor längerem aufgestellt. Dass es in den meisten Fällen Männer sind, ist für ihn nicht überraschend. »Männer denken einfach manchmal etwas komisch«, versucht er dem Publikum Verständnis abzuringen. Zumindest der weibliche Anteil nickt diese Äußerung ohne Umschweife ab.

Ungelöste Mordfälle im Kreis Gütersloh

Axel Petermann erklärt, warum er als Profiler ein Querdenker und Neudenker sein muss. Dazu hat er Bilder mitgebracht, die »schon manchen Gast haben ohnmächtig werden lassen«, sagt er und verzieht dabei keine Miene. Es sind alte Fälle, aber deutliche Fotos – von einem Häftling, der sich seine Fußnägel herausgezogen hat; blutverschmierte Dachböden und Kinderzimmer, verdeckte Leichenteile und einem verurteilten Mörder, der seine grausame Tat rekonstruiert. Das ist für Profiler Petermann ganz wichtig: »Wir müssen verstehen lernen, was in den Tätern vorgeht. Damit wir auch Rückschlüsse auf andere Morde ziehen können«, sagt er.

Insgesamt sei das Morden in Deutschland weniger geworden, beruhigt er die Gäste. Auch der Kreis Gütersloh sei ein eher ruhiges Pflaster, meint der Fallanalytiker. Die drei jüngsten Mordfälle im Kreis, die zum Teil noch nicht gelöst sind, die kann Axel Petermann an diesem Nachmittag auch nicht aufklären.

Doch listet er nochmal die Fakten zum Mord an der 67-jährigen Rentnerin aus Gütersloh auf und blickt auch nach Halle auf die getötete 46-jährige Hausfrau sowie den Mord des Geschwisterpaares an der Badstraße. Anschließend können die Miss Marples im Raum noch Fragen stellen. Das möchten sie aber nicht. Lieber noch ein Autogramm und ein paar persönliche Worte mit dem smarten Profiler wechseln.

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