Fr., 09.02.2018

Bauforscher untersucht Dachstuhl der St.-Aegidius-Kirche in Rheda-Wiedenbrück »Krummer Hund« hilft bei Spurensuche

Bauforscher Peter Barthold zeigt am »krummen Hund« wie das ursprüngliche Sprossengebilde verändert wurde, weil das Gewölbe im Weg war. Ihm schauen dabei zu (von links) Klaus Landwehr, Dr. Barbara Pankoke, Stefan Terbrack und Michaela Köller.

Bauforscher Peter Barthold zeigt am »krummen Hund« wie das ursprüngliche Sprossengebilde verändert wurde, weil das Gewölbe im Weg war. Ihm schauen dabei zu (von links) Klaus Landwehr, Dr. Barbara Pankoke, Stefan Terbrack und Michaela Köller. Foto: Leskovsek

Von Waltraud Leskovsek

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der Dachstuhl eines Hauses, insbesondere wenn er 500 Jahre oder älter ist, erzählt seine eigene Geschichte. Für den Laien vielleicht nicht gleich verständlich, für den Bauhistoriker dafür umso mehr. Ein Fachmann hat sich jetzt das Dach der St.-Aegidius-Kirche in Wiedenbrück angeschaut.

Seit einigen Monaten bereits ist die Kirche inmitten der Altstadt von Wiedenbrück eingerüstet. Das Kirchendach wird saniert, weil, wie es Pfarrdechant Reinhard Edeler mal so nett ausdrückte, einen Dachschaden hat. Im Zuge der Arbeiten schaute sich den Dachstuhl nun der Bauforscher Peter Barthold (LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen) an. Er konnte danach völlig neue Thesen aufstellen, die bislang in keiner Aufzeichnung auftauchten.

1200 Quadratmeter Fläche untersucht

Barthold hat sich die alten Balken des insgesamt 1200 Quadratmeter großen Dachfläche genauer angesehen und insbesondere alte Nagellöcher untersucht. Dabei stellte er fest, dass das älteste Holz des Dachstuhls von 1502 stammt und 1504 verarbeitet wurde. Das konnte der Bauforscher anhand der Jahresringe und des Splints feststellen. Bislang wusste niemand, wann der Bau wirklich fertiggestellt wurde.

Sechs Quergiebeldächer entstanden unter Verwendung von teilweise noch älteren Hölzern aus dem Vorgängerbau. Barthold stellte fest, dass Teile des alten Sprossengebildes weggelassen wurden. Auch dafür hat er eine Erklärung: Das Gewölbe war später im Weg und so wurde das Sprossengebilde zwangsläufig umgebaut.

1535 wurde nochmals kräftig ausgebessert. Ob es ein Wasser- oder Feuerschaden oder gar ein Blitzeinschlag war, ist nirgends dokumentiert. Es muss auf jeden Fall ein größerer Schaden gewesen sein. Selten würde er das so deutlich an einem historischen Gebäude erkennen können wie in der Pfarrkirche.

Blick in die Bau-Historie

Die Geschichte der Pfarrkirche St. Aegidius ist lang. Sie bildet seit mehr als 1000 Jahren ein religiöses Zentrum des oberen Emslandes. Ihr angegliedert ist die Marienkirche der Franziskanerbrüder. Bei der großen Renovierung im Jahr 1970 wurden bei Grabungsarbeiten mehrere Vorgängerbauten nachgewiesen. Im 9. Jahrhundert stand an der Stelle eine dreischiffige Basilika mit einem Querhaus. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde dieser Bau ersetzt. Im 13. Jahrhundert gab es wiederum zwei Bauphasen. 1502 wurde auf dem Fundament der alten Kirche ein neues Langhaus als dreischiffige Halle gebaut. 1535 wurde bereits wieder renoviert

Querhaus ist der älteste Teil der Kirche

Am »krummen Hund«, einem nachträglich eingesetzten Balken, kann das selbst der Laie erkennen. Das Querhaus ist heute der älteste Teil der Kirche, der Chorraum ist der jüngere Teil, weil dort Nadelholz und Eisen verbaut wurden. Das muss um 1870 gewesen sein.

Der leitende Architekt Stefan Terbrack aus Bielefeld war zusammen mit einem Team vom Kirchenvorstand, der Denkmalbehörde der Stadt und Dr. Barbara Pankoke von der Denkmalpflege LWL im Dachstuhl vor Ort und lauschte den Ausführungen des Bauforschers. Seine neuen Erkenntnisse werden dokumentiert und kommen ins Archiv der St.-Aegidius- Kirche.

»Bauforscher arbeiten immer mit den Materialien ihrer Vorgänger. Oftmals findet man neue Dinge heraus, so wie ich jetzt, die dem Material hinzugefügt werden. Erst so entsteht nach und nach eine historische Geschichte«, erklärt Barthold. Mit dem bisherigen Verlauf der Dachsanierung zeigte sich Terbrack sehr zufrieden: »Wir liegen im Zeit -und Finanzierungsplan und hoffen, dass es beim angestrebten Fertigstellungstermin Ende des Jahres bleibt.«

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